Extrem heiß, extrem trocken – Wie gehen wir ­gemeinsam ­damit um?

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LÜKEX 26 – Gemeinsame Krisenmanagement-Übung von Bund und Ländern mit Teilnahme-Rekord

Auf dem Bild ist der Rhein bei Köln zu sehen. Der Rhein führt wenig Wasser und ein Teil des Flussbettes ist vertrocknet. Im Hintergrund ist der Kölner Dom zu sehen.

Danielle Schippers

Erfahren Sie von Danielle Schippers, wie Deutschland auf extreme Hitzewellen und Dürren reagiert.

Die LÜKEX 2026, eine Rekordübung von Bund und Ländern, simuliert die Bewältigung einer nationalen Notlage durch extreme Hitze und Trockenheit. Entdecken Sie, wie Krisenmanagement und Zusammenarbeit optimiert werden, um Gesundheit, Versorgung und Infrastruktur zu schützen.

Aufatmen nach dem vorläufigen Ende der Hitzewelle im Juni 2026. Sie hat deutlich gemacht, wie anfällig Deutschland gegenüber extremer Hitze und anhaltender Trockenheit ist. Tagelang lagen die Temperaturen vielerorts bei bis zu 40 °C. Das ist für alle Menschen sehr belastend. Für ­Ältere, Kinder, Kranke, Schwangere und viele andere ist es sogar gefährlich. Tropische Nächte erschwerten die Erholung, Kommunen warnten vor Wasserknappheit und die Belastung für Krankenhäuser, Rettungsdienste, Pflegeeinrichtungen sowie Kritische Infrastrukturen (kurz: KRITIS) stieg vielerorts über die Grenzen des Erträglichen. ­Fahrbahnen platzten auf, der Schienenverkehr musste ­teilweise ein­gestellt werden. Derartige Hitze ist daher nicht nur eine Frage des persönlichen Wohlbefindens – sie stellt eine Heraus­forderung für Gesundheit, Ver­sorgungssicherheit, Wirtschaft und den Bevölkerungsschutz dar.

Hitzewellen treten immer häufiger auf, dauern länger an und werden intensiver. Welche Folgen diese Entwicklung ­unter anderem für Staat, Gesellschaft und Kritische Infrastrukturen haben kann, steht deshalb im Mittelpunkt der Län­der- und Ressortübergreifenden Krisenmanagementübung (Exercise) (kurz: LÜKEX) 2026, die im November stattfindet.

Hitzewelle

Eine Hitzewelle bezeichnet eine Reihe von mehreren aufeinanderfolgenden Tagen, an denen sehr hohe Temperaturen eine besondere Belastung sowohl für die Gesundheit und das körperliche Wohlbefinden des Menschen darstellen und zudem Ökosysteme sowie Infrastruktur schädigen können. Obwohl es international keine einheitliche Definition für den Begriff gibt, spricht der Deutsche Wetterdienst (kurz: DWD) von einer Hitzewelle, wenn eine Periode von mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen vorliegt, an denen die Temperatur über 28 °C liegt.

Quelle: DWD Wetterlexikon. Hitzewelle (Stand: 10. April 2026)

Dürre

Eine Dürre ist eine längere Periode mit außergewöhnlich geringen oder ganz ausbleibenden Niederschlägen. Sie lässt Böden, Pflanzen und Wasserressourcen stark austrocknen und entwickelt sich dabei schleichend. Diese anhaltende Trockenheit kann schwere Auswirkungen auf die Landwirtschaft, die Wasserversorgung und Ökosysteme haben und je nach Ausmaß schwerwiegende Folgen wie Ernteausfälle, Wasserknappheit oder sogar Hungersnöte nach sich ziehen. Dürreperioden können durch klimatische Faktoren wie jahreszeitliche Schwankungen, aber auch durch menschliche Einflüsse wie den Klimawandel oder übermäßige Wasserentnahme begünstigt und verstärkt werden.

Quelle: Umweltbundesamt: Dürre als Folge des Klimawandels (Stand: 10. April 2026)

Was ist LÜKEX?

Die Länder- und Ressortübergreifende Krisenma­nagementübung ist die zentrale strategische Krisenmanage­mentübung von Bund und Ländern. Sie richtet sich an die politische und administrative Entscheidungsebene und dient der Weiterentwicklung des gesamtstaatlichen Krisenmanagements. Mit der Übungsserie wird das nationale Krisenmanagement in Deutschland auf strategischer Ebene seit 2004 regelmäßig überprüft und optimiert.
Unabhängig vom konkreten Szenario werden in der LÜKEX regelmäßig Strukturen, Abläufe und Entscheidungsprozesse trainiert, die in unterschiedlichsten Krisenlagen erforderlich sind. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen kontinuierlich in die Verbesserung von Vorsorge, Vorbereitung und Zusammenarbeit im Bevölkerungsschutz ein und verbessern zusätzlich die Fähigkeiten aller beteiligten Organisationen in Bezug auf die Zivile Verteidigung.

Was wird geübt?

Die LÜKEX 26 befasst sich mit dem Thema „Dürre und Hitzewelle – Notlage durch extreme Hitzewelle nach ­langjähriger Trockenperiode in Deutschland und Europa“.

Das Szenario beschreibt die Auswirkungen einer lang­an­haltenden Dürre und einer extremen Hitzewelle, die nach mehreren Dürrejahren zusätzlich in Deutschland auftritt. Mit dem Eintreten der Hitzewelle kommt es zu einer bundesweiten Notlage. Das Szenario bietet die Grundlage für die weitere Gestaltung der Übungsinhalte. In der Übung werden dann zwei Tage im fiktiven Sommer 2027 geübt.

Das Bild zeigt ein weißes Termometer. Die Temperatur auf dem Termometer ist 45 Grad Celsius.
Quelle: © Maksim Safaniuk/iStock via Getty Images
Im Szenario der LÜKEX steigen die Temperaturen auf bis zu 45 °C.

Im Szenario wird davon ausgegangen, dass es sechs ­Jahre lang bundesweit stark unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen gab, dadurch ist die Grundwasserneu­bildung stark reduziert. Bundesweit gibt es neue Nied­rigwasserrekorde in Flüssen. Die Temperaturen sind überdurchschnittlich hoch. Meteorologische Besonder­heiten führen zu ausbleibenden Niederschlägen, sowie gleichzeitiger Ablenkung kühlerer Luftmassen.

Durch das komplexe Szenario sind verschiedene politisch-administrative Bereiche betroffen: von der inneren ­Sicherheit über Umweltschäden, Folgen für die Landwirtschaft, Beeinträchtigungen im Verkehr bis hin zu Belastungen im Gesundheitssektor durch die negativen gesund­heitlichen Effekte auf die Bevölkerung und extremer Belastung des Gesundheitssystems. All das sind wichtige Aspekte der Krisenbewältigung in der Übung. 
Die sehr umfangreiche Betroffenheit erfordert ein gesamtstaatliches Handeln und abgestimmte Maßnahmen in Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und betroffenen Sektoren sowie eine gemeinsame Krisenkommu­ni­kation. Das Szenario bietet eine realistische Grundlage für die Entwicklung und Erprobung von Maßnahmen zur Bewältigung komplexer Krisen. Die Handlungskompetenzen können auf alle anderen Krisenlagen übertragen werden.

Wie plausibel ist das Szenario?

Das Szenario lehnt sich an reale Gegebenheiten an, spitzt diese allerdings im Vergleich zu bereits eingetretenen ­Ereignissen zu, ohne unrealistische Annahmen zu treffen.
Mit zunehmendem anthropogenen Klimawandel werden unter anderem Extremwetterereignisse häufiger, intensiver und länger in ihrer Dauer. Hierzu gehören auch die beiden Naturgefahren Hitze(wellen) und Dürre (siehe unter anderem Intergovernmental Panel on ­Climate Change (kurz: IPCC) Report 2023).

Die Gestaltung des Szenarios im Bereich Dürre baut ­unter anderem auf der bundesweiten Risikoanalyse „­Dürre“ des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und ­Katastrophenhilfe (kurz: BBK) auf und wurde gemeinsam mit Bund, Ländern sowie Fachbehörden wie dem DWD und der Bundesanstalt für Gewässerkunde wei­terentwickelt. Dem Grundsatz der plausiblen Annahmen ­folgend wurde für die Dürre im Szenario eine der bisher ­extremsten langanhaltenden Dürren in Deutschland aus den Jahren 1971 bis 1976 als Grundlage für ein denk­bares Extremereignis (auf Englisch: reasonable worst case) ­herangezogen und hinsichtlich des fortschreitenden ­Klimawandels angepasst.

Laut dem IPCC-Bericht wird in naher Zukunft (2031 – 2060) die Anzahl heißer Tage sowie die der Tro­pennächte um bis zu 20 beziehungsweise zehn Tage pro Jahr zunehmen. Infolge des Anstiegs von heißen ­Tagen und Tropennächten steigt auch die Häufigkeit von längeren Hitzeperioden an. Während solche Phasen im Beobachtungszeitraum kaum auftraten, ist unter ­Annahme des Weiter-wie-bisher-Szenarios in der nahen Zukunft im Deutschlandmittel bereits alle fünf bis 21 Jahre mit einem solchen Ereignis zu rechnen.

Für die Hitzewelle im Szenario wurden die Hitze­wellen der Jahre 2015, 2018 und 2019 herangezogen. ­Während die Hitze im Jahr 2019 eher eine trockene Hitze mit Tagesmaxima bis zu 41,2 °C war, waren die Tem­pera­turen im Sommer 2015 niedriger und die Luft deutlich feuchter.

Wer macht mit?

An der LÜKEX 26 mit dem Thema „Dürre und Hitze“ nehmen insgesamt über 180 Organisationen teil. Damit ist sie die größte übergreifende Übung, in der Bund und Länder gemeinsam das strategische Krisenmanagement üben.

Zehn Bundesländer, Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Sachsen-Anhalt üben mit etwa 90 Ministerien auf Landesebene aktiv mit. Über 20 Bundesbehörden unter anderem aus den Ressorts Umwelt, Landwirtschaft, Verkehr, Inneres, Gesundheit sowie Hilfsorganisationen, KRITIS-Unternehmen und Kooperationsplattformen nehmen aktiv an der Übung teil.

Zusätzlich begleiten weitere Organisationen aus Bund, Ländern, Hilfsorganisationen, Verbänden, KRITIS und Wissenschaft die Übung.

Die Projektleitung nimmt im Auftrag des Bundesministeriums des Innern (kurz: BMI) das BBK wahr. Die Einzelheiten der Übung werden eng mit den Projektgruppen der Beteiligten abgestimmt. Gemeinsam wurden Übungsschwerpunkte gesetzt, das fiktive Szenario der Übung entwickelt und die Ergebnisse ausgewertet.

Warum LÜKEX?

Krisenmanagement ist eine gemeinsame Aufgabe. Alle Beteiligten müssen zusammen an einem Strang ziehen, Informationen austauschen, die Lage einschätzen und gemeinsam Entscheidungen treffen. Im Bevölkerungsschutz arbeiten Bund und Länder, die verschiedenen Ressorts, ­außerdem Hilfsorganisationen und auch KRITIS-Betreiber zusammen, um die Bevölkerung zu schützen und die Auswirkungen von Krisen und Katastrophen möglichst gering zu halten. Dafür müssen übergreifende Strukturen und kooperatives, gemeinschaftliches Handeln getestet und trainiert werden, wofür die LÜKEX eine optimale Plattform bietet und wichtige Netzwerke im Krisenmanagement schafft.

Deswegen koordiniert das BBK seit über 20 Jahren die LÜKEX, die Länder- und Ressortübergreifende Krisen­managementübung/Exercise. In der strategischen Übung testen und trainieren die übenden Organisationen ihr Krisenmanagement, handelnde Personen gewinnen Sicherheit und Netzwerke werden geschaffen. 

Wann und wo findet die LÜKEX 26 statt?

In der Woche vom 2. bis 6. November 2026 wird die ­LÜKEX 26 durchgeführt. Die beiden Hauptübungstage werden der 4. und 5. November 2026 sein. 
Die LÜKEX findet immer bundesweit in den Krisenstabsräumen der beteiligten Organisationen statt. Die ­Zentrale Übungssteuerung (kurz: ZÜST) des BBK wird an der Bundesakademie für Bevölkerungsschutz und Zivile Verteidigung (kurz: BABZ) aufgebaut.

Die Vorbereitungen der LÜKEX 26 laufen bereits seit 2024. Den Auftakt bildete eine übergreifende Planbe­sprechung „Ra“ im November 2024 zur Einführung in das Szenario. Bis Ende 2025 wurden bereits rund 30 indivi­duelle Vertiefungsübungen in einzelnen Behörden und ­Organisationen durchgeführt. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Konzeption der Kernübung ein.

Welches sind die Hauptübungsziele der Übung LÜKEX 26?

Oberstes Ziel der Übung ist die Optimierung des natio­nalen Krisenmanagements. Die LÜKEX 26 bietet Raum, um das Zusammenwirken der Landesverwaltungen mit dem Bund und den Ländern, sowie weiteren Organisa­tionen des Krisenmanagements zu optimieren und so die Handlungsfähigkeit der Verwaltungen in Krisensitua­tionen weiter zu stärken. Gleichzeitig sensibilisiert die ­LÜKEX 26 die zuständigen Behörden und Organisationen für die Themen Hitze und Dürre sowie Klimafolgenanpassung und ermöglicht so eine zielgerichtete Vorplanung für dieses Szenario.

Die Übungsziele der LÜKEX sind maßgebend für die Ausrichtung der Übung: die Übungsanlage, -durchführung und -auswertung orientieren sich daran. Um eine Kontinuität innerhalb der Übungsserie zu schaffen und eine Weiterentwicklung des nationalen Krisenmanagements zwischen den einzelnen Übungen sichtbar zu machen, wurden mit der LÜKEX-Gemeinschaft permanente Übungsziele erarbeitet und abgestimmt, die in jeder ­LÜKEX-Übung Anwendung finden sollen. 

Die permanenten Übungsziele konzentrieren sich auf:

  • die Strukturen und Verfahren zur übergreifenden Krisenbewältigung,
  • ein übergreifendes Lageverständnis,
  • die Priorisierungen und Entscheidungsfindungen durch die strategische Ebene,
  • eine übergreifende Krisenkommunikation. 

Diese vier Ziele spiegeln im Wesentlichen die Erkenntnis­kategorien bisheriger LÜKEX-Übungen der letzten 20 Jahre wider. Im Bedarfsfall können diese permanenten Ziele durch übungsthemenspezifische Ziele ergänzt werden.

Wann gibt’s Ergebnisse?

Bisher wurden bereits in den verschiedenen Veranstaltungs- und Übungsformaten der LÜKEX Vorbereitungsphase Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen er­hoben, die weitere Aufbereitung dieser Ergebnisse erfolgt gemeinsam mit den Erkenntnissen der Kernübung ab November 2026.

In der Auswertungsphase nach der Übungsdurch­führung werten die teilnehmenden Organisationen das Übungsgeschehen jeweils für sich aus und erstellen einen eigenen Erfahrungsbericht, in dem die gewonnenen übergreifenden Erkenntnisse zusammengefasst und dem BBK zur Verfügung gestellt werden. Das BBK sammelt und systematisiert diese Beobachtungen und Erkenntnisse, leitet konkrete Handlungsempfehlungen zur Optimierung des ressort- und länderübergreifenden Krisenmanagements ab und bereitet alles in Form eines Auswertungsberichtes auf.

Die Veröffentlichung des abschließenden Auswertungsberichts ist für August 2027 vorgesehen und stellt gleichzeitig den Abschluss des Übungszyklus der LÜKEX 26 dar. Erste Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen werden in einem Erstbericht bereits im 1. Quartal 2027 durch das BBK öffentlich bereitgestellt.

Wann ist die nächste LÜKEX?

Die nächste LÜKEX im Jahr 2028, deren Vorbereitungen bereits begonnen haben, wird sich mit dem Thema der Zivilen Verteidigung beschäftigen. In weiteren Abstimmungs- und Planungsschritten werden nun Schwerpunkte erarbeitet, die für eine strategische, bundesweite ressort-, länder- und ebenenübergreifende Übung sinnvoll sind. 

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Zum Thema

Danielle Schippers ist Referentin mit dem Fokus ­Krisenkommunikation und Übungen im BBK-Referat „­Strategische Krisenmanagementübungen zwischen Bund und Ländern“ und befasst sich dort mit der Planung, Durchführung und Auswertung der LÜKEX und neuer strategischer Übungsformate.