Extrem heiß, extrem trocken – Wie gehen wir gemeinsam damit um?
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LÜKEX 26 – Gemeinsame Krisenmanagement-Übung von Bund und Ländern mit Teilnahme-Rekord
Aufatmen nach dem vorläufigen Ende der Hitzewelle im Juni 2026. Sie hat deutlich gemacht, wie anfällig Deutschland gegenüber extremer Hitze und anhaltender Trockenheit ist. Tagelang lagen die Temperaturen vielerorts bei bis zu 40 °C. Das ist für alle Menschen sehr belastend. Für Ältere, Kinder, Kranke, Schwangere und viele andere ist es sogar gefährlich. Tropische Nächte erschwerten die Erholung, Kommunen warnten vor Wasserknappheit und die Belastung für Krankenhäuser, Rettungsdienste, Pflegeeinrichtungen sowie Kritische Infrastrukturen (kurz: KRITIS) stieg vielerorts über die Grenzen des Erträglichen. Fahrbahnen platzten auf, der Schienenverkehr musste teilweise eingestellt werden. Derartige Hitze ist daher nicht nur eine Frage des persönlichen Wohlbefindens – sie stellt eine Herausforderung für Gesundheit, Versorgungssicherheit, Wirtschaft und den Bevölkerungsschutz dar.
Hitzewellen treten immer häufiger auf, dauern länger an und werden intensiver. Welche Folgen diese Entwicklung unter anderem für Staat, Gesellschaft und Kritische Infrastrukturen haben kann, steht deshalb im Mittelpunkt der Länder- und Ressortübergreifenden Krisenmanagementübung (Exercise) (kurz: LÜKEX) 2026, die im November stattfindet.
Was wird geübt?
Die LÜKEX 26 befasst sich mit dem Thema „Dürre und Hitzewelle – Notlage durch extreme Hitzewelle nach langjähriger Trockenperiode in Deutschland und Europa“.
Das Szenario beschreibt die Auswirkungen einer langanhaltenden Dürre und einer extremen Hitzewelle, die nach mehreren Dürrejahren zusätzlich in Deutschland auftritt. Mit dem Eintreten der Hitzewelle kommt es zu einer bundesweiten Notlage. Das Szenario bietet die Grundlage für die weitere Gestaltung der Übungsinhalte. In der Übung werden dann zwei Tage im fiktiven Sommer 2027 geübt.
Im Szenario wird davon ausgegangen, dass es sechs Jahre lang bundesweit stark unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen gab, dadurch ist die Grundwasserneubildung stark reduziert. Bundesweit gibt es neue Niedrigwasserrekorde in Flüssen. Die Temperaturen sind überdurchschnittlich hoch. Meteorologische Besonderheiten führen zu ausbleibenden Niederschlägen, sowie gleichzeitiger Ablenkung kühlerer Luftmassen.
Durch das komplexe Szenario sind verschiedene politisch-administrative Bereiche betroffen: von der inneren Sicherheit über Umweltschäden, Folgen für die Landwirtschaft, Beeinträchtigungen im Verkehr bis hin zu Belastungen im Gesundheitssektor durch die negativen gesundheitlichen Effekte auf die Bevölkerung und extremer Belastung des Gesundheitssystems. All das sind wichtige Aspekte der Krisenbewältigung in der Übung.
Die sehr umfangreiche Betroffenheit erfordert ein gesamtstaatliches Handeln und abgestimmte Maßnahmen in Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und betroffenen Sektoren sowie eine gemeinsame Krisenkommunikation. Das Szenario bietet eine realistische Grundlage für die Entwicklung und Erprobung von Maßnahmen zur Bewältigung komplexer Krisen. Die Handlungskompetenzen können auf alle anderen Krisenlagen übertragen werden.
Wie plausibel ist das Szenario?
Das Szenario lehnt sich an reale Gegebenheiten an, spitzt diese allerdings im Vergleich zu bereits eingetretenen Ereignissen zu, ohne unrealistische Annahmen zu treffen.
Mit zunehmendem anthropogenen Klimawandel werden unter anderem Extremwetterereignisse häufiger, intensiver und länger in ihrer Dauer. Hierzu gehören auch die beiden Naturgefahren Hitze(wellen) und Dürre (siehe unter anderem Intergovernmental Panel on Climate Change (kurz: IPCC) Report 2023).
Die Gestaltung des Szenarios im Bereich Dürre baut unter anderem auf der bundesweiten Risikoanalyse „Dürre“ des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (kurz: BBK) auf und wurde gemeinsam mit Bund, Ländern sowie Fachbehörden wie dem DWD und der Bundesanstalt für Gewässerkunde weiterentwickelt. Dem Grundsatz der plausiblen Annahmen folgend wurde für die Dürre im Szenario eine der bisher extremsten langanhaltenden Dürren in Deutschland aus den Jahren 1971 bis 1976 als Grundlage für ein denkbares Extremereignis (auf Englisch: reasonable worst case) herangezogen und hinsichtlich des fortschreitenden Klimawandels angepasst.
Laut dem IPCC-Bericht wird in naher Zukunft (2031 – 2060) die Anzahl heißer Tage sowie die der Tropennächte um bis zu 20 beziehungsweise zehn Tage pro Jahr zunehmen. Infolge des Anstiegs von heißen Tagen und Tropennächten steigt auch die Häufigkeit von längeren Hitzeperioden an. Während solche Phasen im Beobachtungszeitraum kaum auftraten, ist unter Annahme des Weiter-wie-bisher-Szenarios in der nahen Zukunft im Deutschlandmittel bereits alle fünf bis 21 Jahre mit einem solchen Ereignis zu rechnen.
Für die Hitzewelle im Szenario wurden die Hitzewellen der Jahre 2015, 2018 und 2019 herangezogen. Während die Hitze im Jahr 2019 eher eine trockene Hitze mit Tagesmaxima bis zu 41,2 °C war, waren die Temperaturen im Sommer 2015 niedriger und die Luft deutlich feuchter.
Wer macht mit?
An der LÜKEX 26 mit dem Thema „Dürre und Hitze“ nehmen insgesamt über 180 Organisationen teil. Damit ist sie die größte übergreifende Übung, in der Bund und Länder gemeinsam das strategische Krisenmanagement üben.
Zehn Bundesländer, Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Sachsen-Anhalt üben mit etwa 90 Ministerien auf Landesebene aktiv mit. Über 20 Bundesbehörden unter anderem aus den Ressorts Umwelt, Landwirtschaft, Verkehr, Inneres, Gesundheit sowie Hilfsorganisationen, KRITIS-Unternehmen und Kooperationsplattformen nehmen aktiv an der Übung teil.
Zusätzlich begleiten weitere Organisationen aus Bund, Ländern, Hilfsorganisationen, Verbänden, KRITIS und Wissenschaft die Übung.
Die Projektleitung nimmt im Auftrag des Bundesministeriums des Innern (kurz: BMI) das BBK wahr. Die Einzelheiten der Übung werden eng mit den Projektgruppen der Beteiligten abgestimmt. Gemeinsam wurden Übungsschwerpunkte gesetzt, das fiktive Szenario der Übung entwickelt und die Ergebnisse ausgewertet.
Warum LÜKEX?
Krisenmanagement ist eine gemeinsame Aufgabe. Alle Beteiligten müssen zusammen an einem Strang ziehen, Informationen austauschen, die Lage einschätzen und gemeinsam Entscheidungen treffen. Im Bevölkerungsschutz arbeiten Bund und Länder, die verschiedenen Ressorts, außerdem Hilfsorganisationen und auch KRITIS-Betreiber zusammen, um die Bevölkerung zu schützen und die Auswirkungen von Krisen und Katastrophen möglichst gering zu halten. Dafür müssen übergreifende Strukturen und kooperatives, gemeinschaftliches Handeln getestet und trainiert werden, wofür die LÜKEX eine optimale Plattform bietet und wichtige Netzwerke im Krisenmanagement schafft.
Deswegen koordiniert das BBK seit über 20 Jahren die LÜKEX, die Länder- und Ressortübergreifende Krisenmanagementübung/Exercise. In der strategischen Übung testen und trainieren die übenden Organisationen ihr Krisenmanagement, handelnde Personen gewinnen Sicherheit und Netzwerke werden geschaffen.
Wann und wo findet die LÜKEX 26 statt?
In der Woche vom 2. bis 6. November 2026 wird die LÜKEX 26 durchgeführt. Die beiden Hauptübungstage werden der 4. und 5. November 2026 sein.
Die LÜKEX findet immer bundesweit in den Krisenstabsräumen der beteiligten Organisationen statt. Die Zentrale Übungssteuerung (kurz: ZÜST) des BBK wird an der Bundesakademie für Bevölkerungsschutz und Zivile Verteidigung (kurz: BABZ) aufgebaut.
Die Vorbereitungen der LÜKEX 26 laufen bereits seit 2024. Den Auftakt bildete eine übergreifende Planbesprechung „Ra“ im November 2024 zur Einführung in das Szenario. Bis Ende 2025 wurden bereits rund 30 individuelle Vertiefungsübungen in einzelnen Behörden und Organisationen durchgeführt. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Konzeption der Kernübung ein.
Welches sind die Hauptübungsziele der Übung LÜKEX 26?
Oberstes Ziel der Übung ist die Optimierung des nationalen Krisenmanagements. Die LÜKEX 26 bietet Raum, um das Zusammenwirken der Landesverwaltungen mit dem Bund und den Ländern, sowie weiteren Organisationen des Krisenmanagements zu optimieren und so die Handlungsfähigkeit der Verwaltungen in Krisensituationen weiter zu stärken. Gleichzeitig sensibilisiert die LÜKEX 26 die zuständigen Behörden und Organisationen für die Themen Hitze und Dürre sowie Klimafolgenanpassung und ermöglicht so eine zielgerichtete Vorplanung für dieses Szenario.
Die Übungsziele der LÜKEX sind maßgebend für die Ausrichtung der Übung: die Übungsanlage, -durchführung und -auswertung orientieren sich daran. Um eine Kontinuität innerhalb der Übungsserie zu schaffen und eine Weiterentwicklung des nationalen Krisenmanagements zwischen den einzelnen Übungen sichtbar zu machen, wurden mit der LÜKEX-Gemeinschaft permanente Übungsziele erarbeitet und abgestimmt, die in jeder LÜKEX-Übung Anwendung finden sollen.
Die permanenten Übungsziele konzentrieren sich auf:
- die Strukturen und Verfahren zur übergreifenden Krisenbewältigung,
- ein übergreifendes Lageverständnis,
- die Priorisierungen und Entscheidungsfindungen durch die strategische Ebene,
- eine übergreifende Krisenkommunikation.
Diese vier Ziele spiegeln im Wesentlichen die Erkenntniskategorien bisheriger LÜKEX-Übungen der letzten 20 Jahre wider. Im Bedarfsfall können diese permanenten Ziele durch übungsthemenspezifische Ziele ergänzt werden.
Wann gibt’s Ergebnisse?
Bisher wurden bereits in den verschiedenen Veranstaltungs- und Übungsformaten der LÜKEX Vorbereitungsphase Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen erhoben, die weitere Aufbereitung dieser Ergebnisse erfolgt gemeinsam mit den Erkenntnissen der Kernübung ab November 2026.
In der Auswertungsphase nach der Übungsdurchführung werten die teilnehmenden Organisationen das Übungsgeschehen jeweils für sich aus und erstellen einen eigenen Erfahrungsbericht, in dem die gewonnenen übergreifenden Erkenntnisse zusammengefasst und dem BBK zur Verfügung gestellt werden. Das BBK sammelt und systematisiert diese Beobachtungen und Erkenntnisse, leitet konkrete Handlungsempfehlungen zur Optimierung des ressort- und länderübergreifenden Krisenmanagements ab und bereitet alles in Form eines Auswertungsberichtes auf.
Die Veröffentlichung des abschließenden Auswertungsberichts ist für August 2027 vorgesehen und stellt gleichzeitig den Abschluss des Übungszyklus der LÜKEX 26 dar. Erste Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen werden in einem Erstbericht bereits im 1. Quartal 2027 durch das BBK öffentlich bereitgestellt.
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Zum Thema
Danielle Schippers ist Referentin mit dem Fokus Krisenkommunikation und Übungen im BBK-Referat „Strategische Krisenmanagementübungen zwischen Bund und Ländern“ und befasst sich dort mit der Planung, Durchführung und Auswertung der LÜKEX und neuer strategischer Übungsformate.