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03.05.2011Pressemitteilung

Hochwasser: Gibt es Schutz für Kommunen ?

Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe und die Universität der Vereinten Nationen stellen Studie vor

Als am 3. Juli 2010 das Fußballspiel Argentinien-Deutschland in Südafrika angepfiffen wurde, ahnte niemand in der Gemeinde Wachtberg bei Bonn, dass er dieses Spiel nicht bis zum Ende verfolgen würde. Gegen 16 Uhr erreichte eine Unwetterfront die Gemeinde. In wenigen Minuten schwoll das kleine Quellrinnsal „Mehlemer Bach“ zu einem Fluss an, der auf seinem Weg bis zur Mündung in den Rhein von plätschernden 20 cm Höhe auf über drei Meter Sturzflutwelle anwuchs, Brücken zerstörte, Häuser überflutete und Tanks aus der Verankerung riss.

v.l.n.r.: PD Dr.-Ing. Jörn Birkmann (UNU-EHS), Christoph Unger (Präsident des BBK), Reinhard Vogt (Hochwasserschutzzentrale der Stadt Köln), Dr. Horst Ullrich (Unweltamt der Landeshauptstadt Dresden), Dr. Hannes Taubenböck (DLR) v.l.n.r.: PD Dr.-Ing. Jörn Birkmann (UNU-EHS), Christoph Unger (Präsident des BBK), Reinhard Vogt (Hochwasserschutzzentrale der Stadt Köln), Dr. Horst Ullrich (Unweltamt der Landeshauptstadt Dresden), Dr. Hannes Taubenböck (DLR) , Vorstellung der Studie "Indikatoren zur Abschätzung von Verwundbarkeit und Bewältigungspotenzialen am Beispiel von wasserbezogenen Naturgefahren in urbanen Räumen“ (Vergrösserung öffnet sich im neuen Fenster)v.l.n.r.: PD Dr.-Ing. Jörn Birk­mann (UNU-EHS), Chri­stoph Un­ger (Prä­si­dent des BBK), Rein­hard Vogt (Hoch­was­ser­schutz­zen­tra­le der Stadt Köln), Dr. Horst Ull­rich (Un­welt­amt der Lan­des­haupt­stadt Dres­den), Dr. Han­nes Tau­ben­böck (DLR) Quelle: UNU Bonn

Solche Ereignisse werfen Fragen auf: Wie können Gemeinden solchen Extremereignissen vorbeugen und sie bewältigen? Wie kann man die Anfälligkeit messen und Schutzmaßnahmen bewerten? Deshalb hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) das Projekt „Indikatoren zur Abschätzung von Verwundbarkeit und Bewältigungspotenzialen am Beispiel von wasserbezogenen Naturgefahren in urbanen Räumen“ in Auftrag gegeben. Das Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen (UNU-EHS) in Bonn hat in einem Zeitraum von drei Jahren die Studie durchgeführt.

Bei der Vorstellung der abschließenden Studie zum Projekt sagte Christoph Unger, Präsident des BBK: „Unser Bundesamt versteht sich als Dienstleister für Bund, Länder und Kommunen. Die in Deutschland auftretenden Katastrophen sind fast ausschließlich wetterbedingt. Der Klimawandel wird voraussichtlich die Intensität und Häufigkeit von Extremwetter – und hier im Besonderen Hochwasser – erhöhen. Das BBK befasst sich sehr intensiv mit dem Risiko- und Krisenmanagement in diesem Bereich.“ Dr. Jörn Birkmann, Leiter der Abteilung „Verwundbarkeitsabschätzung, Risikomanagement und adaptive Planung“ bei UNU-EHS führte aus: „Mit dieser Arbeit wollen wir vor allem Entscheidungsträgern und Praktikern in den Kommunen eine Hilfe an die Hand geben und das abstrakte Thema der Verwundbarkeit für zentrale Aufgaben wie z.B. den Schutz Kritischer Infrastrukturen mit konkreten Methoden fassbar machen. Wir dürfen nicht vergessen, dass Hochwasser natürliche Prozesse sind. Erst die Verwundbarkeit zum Beispiel von Städten oder Infrastrukturen kann dazu führen, dass diese Ereignisse eine Katastrophe auslösen“.

Das mit 415.000 Euro finanzierte Projekt „Indikatoren zur Abschätzung von Vulnerabilität und Bewältigungspotenzialen am Beispiel wasserbezogener Naturgefahren in urbanen Räumen“ startete im Jahr 2007 und wurde im Jahr 2010 abgeschlossen. Ergebnisse des Projektes sind ein Leitfaden für die praktische Anwendung und eine Studie. Beide sind in einer BBK-Buchreihe veröffentlicht, der Leitfaden in „Praxis im Bevölkerungsschutz“ und „Forschung im Bevölkerungsschutz“. Insbesondere der Leitfaden bietet nicht nur Wissenschaftlern und den Beispielkommunen Anregungen, sondern dient gerade dazu, wichtige Projektergebnisse auch für andere Städte und Regionen nutzbar zu machen.

Im November 2009 wurde ein Folgeprojekt gestartet: „Kritische Infrastruktur, Bevölkerung und Bevölkerungsschutz im Kontext klimawandelbeeinflusster Extremwetterereignisse“. Auftraggeber ist auch hier das BBK. Das Bundesamt investiert 440.000 Euro. Die Koordination der Projektpartner liegt bei der UNU. Die Ergebnisse werden 2012 erwartet.

Über das BBK

Cover der Schriftenreihe "Forschung im Bevölkerungsschutz" Band 13Co­ver der Schrif­ten­rei­he "For­schung im Be­völ­ke­rungs­schutz" Band 13

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) wurde 2004 als zentrales Organisationselement für die Zivile Sicherheit gegründet. Es ist Teil der „Neuen Strategie zum Schutz der Bevölkerung in Deutschland“, die 2002 beschlossen wurde. Alle Bereiche der Zivilen Sicherheitsvorsorge berücksichtigt das BBK fachübergreifend und verknüpft sie zu einem wirksamen Schutzsystem für die Bevölkerung und ihre Lebensgrundlagen. Das BBK ist eine Fachbehörde des Bundesministeriums des Innern (BMI), die auch andere Bundes- und Landesbehörden bei der Erfüllung ihrer Aufgaben im Bevölkerungsschutz kompetent berät und unterstützt. www.bbk.bund.de

Über UNU-EHS

Die Universität der Vereinten Nationen (UNU) ist der akademische Arm der UN. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen nachhaltige Lösungen für die Menschheitsprobleme. UNU wurde 1973 gegründet mit Hauptsitz in Tokyo, Japan. Weltweit gibt es über ein Dutzend Institute. In Deutschland (Bonn) unterhält UNU seit 2003 das Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit. UNU-EHS forscht zu Fragen der Verwundbarkeit von Gesellschaften und Städten gegenüber Hochwasserereignissen, u.a. in Vietnam, Sri Lanka, Russland, Serbien und Deutschland. www.ehs.unu.edu

Pressekontakt: 

Ursula Fuchs, Tel. (0228) 99550-3600, Fax (0228) 99550-3650, E-Mail: pressestelle@bbk.bund.de

Dr. Alice Fišer, Bonn, Tel.(0228) 815- 0219, Fax (0228) 815-0299, fiser@vie.unu.edu


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