Navigation und Service

06.07.2018Katastrophenschutz

BBK setzt wichtige Akzente auf Katastrophenschutzkongress

Erstmals im Sommer statt im Herbst hat am 26. und 27. Juni in Berlin der 14. Europäische Katastrophenschutzkongress stattgefunden. Dazu kamen Expertinnen und Experten aus allen Gebieten des Bevölkerungsschutzes zusammen, um sich über aktuelle und künftige Fragen des Zivil- und Katastrophenschutzes auszutauschen

 Debatte zum Stand und Umsetzung der Konzeption Zivile Verteidigung; Quelle: Stroß / BBK  Debatte zum Stand und Umsetzung der Konzeption Zivile Verteidigung; Quelle: Stroß / BBK, Katastrophenschutzkongress 2018 (Vergrösserung öffnet sich im neuen Fenster) De­bat­te zum Stand und Um­set­zung der Kon­zep­ti­on Zi­vi­le Ver­tei­di­gung Quelle: St­roß / BBK

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) war wie in den vergangenen Jahren auch mit etlichen Fachleuten, einem großen Informationsstand und seinen Themen vertreten. Stärker als in den bisherigen Jahren war der Kongress von der Teilnahme europäischer Partner und europäischen Themen geprägt, was sich auch im Titel 2018 „Katastrophenschutzarchitektur in Europa“ niederschlug.

Wichtige Themen und Arbeitsschwerpunkte des BBK wie die Konzeption Zivile Verteidigung, Baulicher Bevölkerungsschutz, CBRN-Gefahren und der Einsatz von Unbemannten Luftfahrzeugen im Bevölkerungsschutz waren auf dem Kongress prominent vertreten. Immer wieder wurde in Foren und Diskussionsrunden auf Konzepte, Empfehlungen und die Ausbildung an der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) hingewiesen und das BBK als Kompetenzzentrum des Bevölkerungsschutzes anerkannt.

Stand und Umsetzung der Konzeption Zivile Verteidigung

Wie steht es um die Umsetzung der 2016 vom Bundeskabinett verabschiedeten Konzeption Zivile Verteidigung (KZV)? Dieser Frage widmete sich die intensive Abschlussdebatte des ersten Kongresstages. Moderator Fritz Rudolf Körper eröffnete die Diskussion mit einem Hinweis aus der KZV, wonach das Thema Zivilschutz eine offene gesellschaftliche Debatte über das angestrebte Schutzniveau benötige. Gefragt, ob diese Debatte bereits stattfände, antwortete Christoph Unger, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK): „Nein, eine solche Debatte fehlt in Politik und Gesellschaft. Und daher fällt uns die Arbeit an der weiteren Umsetzung dieser Konzeption im Moment sehr schwer.“ Die Politik habe das Thema nicht vergessen, entgegnete Andrea Lindholz, Vorsitzende des Ausschusses für Inneres und Heimat des Deutschen Bundestages. In der bisherigen Legislatur hätten jedoch andere Themen das wichtige Thema des Zivilschutzes überlagert: „Wir müssen das Thema wieder aufgreifen“, sagte sie und weiter: „Wir müssen die Politik wieder mobilisieren.“ Wie das allerdings geschehen sollte, darüber blieb die Runde auf dem Podium eine Antwort schuldig.

Dr. Roman Trebbe (BBK) bei seinem Vortrag im Panel „Renaissance Chemischer Kampfstoffe“ Dr. Roman Trebbe (BBK) bei seinem Vortrag im Panel „Renaissance Chemischer Kampfstoffe“, Katastrophenschutzkongress 2018 (Vergrösserung öffnet sich im neuen Fenster)Dr. Ro­man Treb­be (BBK) bei sei­nem Vor­trag im Pa­nel „Re­naissance Che­mi­scher Kampf­stof­fe“ Quelle: BBK/St­roß

Herausforderung CBRN-Gefahren

Weitere Schwerpunktthemen aus Sicht des BBK war die Auseinandersetzung mit CBRN-Gefahren und besonderen Gefahrenlagen. Zu dem Thema gab es auf dem Kongress insgesamt fünf Diskussionsforen, zwei davon unterstützt durch Expertinnen und Experten aus dem BBK in Bonn. Fachleute von Hilfsorganisationen, Behörden wie dem Labor Spiez aus der Schweiz, Feuerwehr und Bundeswehr fassten den aktuellen Stand der Fähigkeiten in Deutschland zusammen. Sie wiesen außerdem auf sich häufende Vorfälle hin, in denen Stoffe aus dem CBRN-Spektrum genutzt werden, um Menschen zu schädigen. Einig war man sich, dass Rettungskräfte von Feuerwehr und Hilfsorganisationen besser im Umgang mit Gefahrenstoffen geschult und für dieses Thema sensibilisiert werden müssen. Für die Bewältigung besonderer biologischer Lagen stellte das BBK gemeinsam mit dem Robert-Koch-Institut einen Leitfaden vor, an dem sich Rettungskräfte vor Ort orientieren können.

Drohnen im Bevölkerungsschutz

Moderatoren des Panels „Einsatz von Drohnen im Katastrophen- und Bevölkerungsschutz“, Ulf Langemeier (THW) und Dr. Michael Judex (BBK) Moderatoren des Panels „Einsatz von Drohnen im Katastrophen- und Bevölkerungsschutz“, Ulf Langemeier (THW) und Dr. Michael Judex (BBK), Katastrophenschutzkongress 2018 (Vergrösserung öffnet sich im neuen Fenster)Mo­de­ra­to­ren des Pa­nels „Ein­satz von Droh­nen im Ka­ta­stro­phen- und Be­völ­ke­rungs­schutz“, Ulf Lan­ge­mei­er (THW) und Dr. Mi­cha­el Ju­dex (BBK) Quelle: BBK/St­roß

Einen optimistischen Blick in die Zukunft ermöglichten die Foren über den Einsatz von Drohnen, Robotik und Virtual Reality-Schulungsumgebungen im Bevölkerungsschutz und der Katastrophenhilfe. Das Drohnenforum – gemeinsam konzipiert und moderiert vom BBK und dem THW – etwa zeigte deutlich, wie viele Möglichkeiten Technik und Digitalisierung eröffnen, um Menschen besser retten und Helferinnen und Helfer besser schützen zu können. Die Beiträge im Forum reichten hier von Praxisberichten etwa der Feuerwehr Dortmund oder der Bergwacht in Bayern. Dabei stellte sich heraus, dass nicht alle Drohnen für jeden Einsatzzweck gleich genutzt werden können. Während Seenotretter und Hilfskräfte in Hochwasserlagen auf die Weiterentwicklung von Flächenfliegern setzen, die bei einem mehrstündigen Betrieb auch außerhalb der Sichtweite eine automatische Bildauswertung großer Flächen ermöglichen, müssten die Drohnen der Bergwacht eher klein und wendig sein und sind es auch zunehmend. Ein Experte vom Institut für optische Sensorsysteme beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt stellte den interessierten Forumsteilnehmern neueste Forschungsprojekte vor, die dank Drohnen eine Lageerkundung in Echtzeit ermöglichen sollen, bei der nicht nur einzelne Bilder gemacht werden, sondern permanent Daten übertragen werden können.

Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) benötigen seit dem vergangenen Jahr zur Erfüllung ihrer Aufgaben im Zivil- und Katastrophenschutz keine Erlaubnis mehr für die Nutzung unbemannter Luftfahrzeuge und sind vom Nachweis zum Betrieb solcher Fluggeräte befreit. Diese Freiheit ist in Europa einmalig. Auf Initiative des BMI arbeiten die BOS nun an gemeinsamen Betriebs-, Einsatz- und Ausbildungsregeln. Das BBK übernimmt in diesem Prozess eine koordinierende Funktion.

Beitrag des Baulichen Bevölkerungsschutzes zu sicheren Städten

Das Forum zu neuen Herausforderungen und Erkenntnissen auf dem Gebiet des Baulichen Bevölkerungsschutzes wurde ebenfalls vom BBK mitgestaltet. Vom ehemals sehr statischen Verständnis dieses Feldes mit dem Bau von Bunkern und Schutzräumen, reagieren die Experten hier heute auf ganz unterschiedliche städtebauliche Herausforderungen wie die Zunahme von Extremwetterereignissen wie Starkregen und Hitze, aber auch terroristische Attacken mit Fahrzeugen oder Sprengsätzen. Gerade im Bereich von Wetterereignissen bietet das BBK ganz konkrete Handlungsempfehlungen für Kommunen und Bürgerinnen und Bürger – vom Flyer bis zum Videoclip. Im Bereich der urbanen Sicherheit bei menschengemachten Gefahren stellen sich andere Fragen: Wie kann ich, wenn ich den Angreifer nicht fernhalten kann, die Auswirkungen einer Explosion vermindern? Wie kann ich die Tragfähigkeit meines Gebäudes erhöhen? Diese Fragestellungen werden unter anderem auf Initiative des BBK intensiv beforscht. Hier spielt es auch eine Rolle, wie die gesellschaftliche Akzeptanz von Schutzmaßnahmen erhöht werden kann. Die Forschenden auf diesem Gebiet schlagen hier statt massiver Schutzwände optisch ansprechende und diskrete Maßnahmen vor wie etwa spezielle Pflanzenkübel oder in den Boden eingelassene Sitzbänke, für die es – wie im Forum gezeigt – schon gute Beispiele in Deutschland und Europa gibt.