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01.08.2018Kulturgut

Mikrofilm sticht auch heute noch Digitalbild: 57 Jahre Bundessicherungsverfilmung

Es ist eine Aufgabe, die viel Geduld und Konzentration erfordert: Akte für Akte, Seite für Seite. Blättern, glätten, ablichten – die Arbeit in einer Verfilmungsstelle. Die gleiche Prozedur bereits seit 57 Jahren. So lange existiert die sogenannte Bundessicherungsverfilmung. Besonders wichtige historische Dokumente werden dabei auf Mikrofilm gesichert, um sie für die Nachwelt zu bewahren. Am 1. August 1961 nahmen die ersten Verfilmungsstellen bei den Ländern ihre Arbeit auf.

Zwei Mitarbeiterinnen der Verfilmungsstelle Hessen im Jahre 1961 bei der Arbeit; Quelle: HHStAW Zwei Mitarbeiterinnen der Verfilmungsstelle Hessen im Jahre 1961 bei der Arbeit; Quelle: HHStAW, Verfilmungsstelle Hessen 1961 (Vergrösserung öffnet sich im neuen Fenster)Ei­ne der ers­ten Ver­fil­mungs­stel­len im Hes­si­schen Haupt­staats­ar­chiv im Jah­re 1961 Quelle: HH­StAW

Gelungene Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern

Die Verfilmung der Dokumente ist eine Bundesaufgabe, die der Bund selbst und die Länder im Auftrag des Bundes ausführen. Nach der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten von 1954 ist der Bund verpflichtet, national wertvolles Archivgut mit besonderer Aussagekraft zur deutschen Geschichte und Kultur zu sichern und zu schützen. Dabei hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) die Federführung inne. Unverzichtbare Partner waren dabei von Anfang an die Länder, deren Archive die fachliche Begleitung der Verfilmungsmaßnahme übernehmen und die wertvollen Dokumente auswählen. Seit 1961 ist das Programm zur Mikroverfilmung ein hervorragendes Beispiel für eine gelungene Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern. Nach 57 Jahren wurden auf diesem Wege über eine Milliarde Aufnahmen hergestellt und im Barbarastollen, im Schwarzwald, in speziellen Edelstahlfässern eingelagert.

Warum noch Mikrofilm?

Zu Zeiten der Digitalisierung scheint die Verwendung von Mikrofilm veraltet. Doch er bietet mehrere Vorteile gegenüber digitalen Speichermedien. Ein Mikrofilm ist als Speichermedium enorm lange haltbar – 500 Jahre kann er bei entsprechender Lagerung genutzt werden. Mit den einfachsten Mitteln können die Informationen wieder zurückgewonnen werden – notfalls genügt ein Vergrößerungsglas. Zudem sind Mikrofilme nicht anfällig für Computerviren oder Cyber-Kriminalität. Aus dem Blickwinkel der Kosten, der Sicherheit und der Beständigkeit ist der Film als Langzeitspeichermedium noch immer konkurrenzlos.

Mikrofilm, 35 mm Mikrofilm, 35 mm, Sicherungsverfilmung (Vergrösserung öffnet sich im neuen Fenster)Mi­kro­film, 35 mm Quelle: BBK

In Zukunft werden in der Bundessicherungsverfilmung jedoch auch die Vorteile der Digitalisierung genutzt: Die Kulturgüter werden digital fotografiert, so dass sie elektronisch zur Weiterverwertung zur Verfügung stehen. Für die Langzeitsicherung werden aus den Digitalisaten mit Hilfe von Filmbelichtern wiederum Mikrofilme gewonnen. Für Jahrhunderte finden sie auch weiterhin ihren Platz im Zentralen Bergungsort der Bundesrepublik, dem Barbarastollen. So können heute mit geringem Aufwand qualitativ hochwertige Digitalbilder erzeugt und gleichzeitig das kulturelle Erbe sicher den künftigen Generationen überliefert werden.