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20.12.2017Internationale Projektarbeit

Erfolgreicher Jahresabschluss des BBK-Projekts in Tunesien

Ein weiteres Jahr fruchtbarer Zusammenarbeit geht zu Ende: In der ersten Dezemberwoche fand in Tunesien die feierliche Abschlussveranstaltung des Projekts „Schutz und Rettung von Menschen V“ statt.

Das Projekt, das vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) im Auftrag des Auswärtigen Amtes (AA) und des Bundesministerium des Innern (BMI) durchgeführt wird, läuft inzwischen in seinem fünften Jahr. Wie auch schon in den Vorjahren fußte das Projekt 2017 auf zwei Säulen: dem strategischen und dem operativen Krisenmanagement.

Stabsrahmenübung bildet den Abschluss der Ausbildungsreihe

Im Vorfeld zur Abschlussveranstaltung erfolgte eine große Stabsrahmenübung an der École Nationale de la Protection Civile (ENPC) in Tunis. Eine Gruppe von 16 Offizieren des ONPC (Office National de la Protection Civile) war in fünf Krisenmanagement-Seminaren und zwei Workshops dafür ausgebildet worden, die Abschlussübung eigenverantwortlich durchzuführen. Der Gouverneur Abdellatif Missaoui von Ben Arous hatte sich bereiterklärt, sich gemeinsam mit seinem Stab dieser Herausforderung zu stellen.

So erfolgte eine Planbesprechung mit dem Szenario „Stromausfall“, bevor nach kurzer Pause die Durchführung der Stabsübung mit dem Szenario „Gefahrgutunfall im Hafen von Ben Arous“ folgte. Dabei handelten Gouverneur und Stab wie in der realen Situation, wobei Lage und Umwelt durch die ONPC-Multiplikatoren simuliert wurden. Ausbilder wie auch Teilnehmer der Übung waren mit dem Verlauf der Übung sehr zufrieden. Der Gouverneur betonte abschließend, der Aufbau der Krisenmanagement-Strukturen sei deshalb eine so wichtige Aufgabe des Staates, weil er so gleichermaßen das Recht auf Leben und das Recht auf Sicherheit der tunesischen Bevölkerung stärke.

ENPC ist zentrale Ausbildungseinrichtung

Um die Krisenmanagement-Ausbildung auch für die Zukunft nachhaltig zu gestalten, wurden zusätzlich sechs neue Lehrsäle sowie eine Aula an der ENPC mit neuer Ausstattung bestückt sowie ein Back-up-Server installiert. „Die École Nationale de la Protection Civile in Tunis ist die zentrale Ausbildungseinrichtung für den tunesischen Zivilschutz. Dort werden die neuen Schulungsinhalte für ein ziviles Krisenmanagement in die Fläche getragen“, sagte Peter Wilde (Referatsleiter IV - Internationale Ausbildung). „Daher ist es wichtig, auch hier in Infrastrukturmaßnahmen zu investieren und geeignete Räumlichkeiten für die Ausbildung bereitzustellen“, fügte Peter Wilde hinzu.

Parallel zur Ausbildungsreihe hat das BBK in Zusammenarbeit mit der Berufsfeuerwehr der Stadt Frankfurt am Main im Lauf des Jahres 2017 eine Vielzahl an Einsatzmitteln und Ausstattungsgegenständen für den tunesischen Zivilschutz beschafft.

Standortschulung in Ben Arous Standortschulung in Ben Arous, Abschluss Tunesien 2 (Vergrösserung öffnet sich im neuen Fenster)Stand­ort­schu­lung in Ben Arous Quelle: BBK

So lieferte das BBK zwölf maßgefertigte Pick-up-Einsatzfahrzeuge zur Waldbrandbekämpfung, welche eigens für den tunesischen Bedarf entwickelt worden waren. Im Zuge einer Standorterweiterung wurden diese Fahrzeuge zehn Gouvernoraten im Norden Tunesiens zugeteilt. Ergänzt wurde die Lieferung der Einsatzmittel durch Maßnahmen zur Pflege und Wartung von Einsatzgeräten sowie der Lieferung von entsprechenden Ersatzteilen für die Zentralwerkstatt des ONPC.

Feierliche Übergabe der Einsatzmittel

Auch fand während der diesjährigen Projektlaufzeit das Thema Fahrsicherheit eine große Beachtung. Bereits in den Vorjahren waren Pick-ups durch das BBK geliefert worden, welche ihre Eignung und Effizienz zuletzt während der großflächigen Brände im Sommer 2017 unter Beweis gestellt haben.Die Einsatzmittel und die ausgestatteten Räume an der nationalen Zivilschutzakademie (ENPC) wurden am Nachmittag des 7. Dezember 2017 feierlich vom Präsidenten des BBK im Beisein zweier Vertreter des BMI an den ONPC-Generaldirektor übergeben.

BBK-Präsident Unger und Generaldirektor Dachraoui bei der offiziellen Einweihung der Räume BBK-Präsident Unger und Generaldirektor Dachraoui bei der offiziellen Einweihung der Räume, Abschluss Tunesien 4 (Vergrösserung öffnet sich im neuen Fenster)BBK-Prä­si­dent Un­ger und Ge­ne­ral­di­rek­tor Dachraoui bei der of­fi­zi­el­len Ein­wei­hung der Räu­me Quelle: BBK

Aufbau ehrenamtlicher Strukturen

Die Zielgruppe der BBK-Projektreihe sind die hauptamtlichen Kräfte des tunesischen Bevölkerungsschutzes. Die bislang militärisch geprägten Kräfte werden durch die Zusammenarbeit Schritt für Schritt auf strategischer und operativer Ebene dazu befähigt, zivile Einsatzlagen adäquat zu bewältigen und ihren zivilen Aufgaben gerecht zu werden. „Hauptamt und Ehrenamt müssen gleichermaßen unterstützt und gefördert werden, um eine Stärkung der Zivilgesellschaft zu erreichen“, so BBK-Projektleiter Tom Neumann. „Vor diesem Hintergrund werden unsere Maßnahmen zur Reformierung des Systems in Tunesien seit 2012 durch die Projekte des Technischen Hilfswerks (THW) flankiert.“ Das THW begegnet den schwachen Krisenreaktionsstrukturen im Lande durch den Aufbau ehrenamtlicher Strukturen. Die Ausbildung von Freiwilligen hat hier zum Ziel, im Notfall auf mehr Einsatzkräfte zurückgreifen zu können und darüber hinaus, das kooperative Verhältnis von Staat und Zivilgesellschaft durch Partizipation der Bevölkerung zu verbessern.


Ehrenamt wird jedoch nur dort Akzeptanz finden und einsatzfähig sein, wo das Hauptamt entsprechend aufgestellt und ausgestattet ist. Andererseits wird das Hauptamt durch die Verfügbarkeit von gut ausgebildeten Freiwilligen gestärkt, die im Einsatzfall bei der Bewältigung von Großschadenslagen unterstützen können.

„Der Schutz der Bevölkerung ist die ureigene Aufgabe eines jeden Staates und wir sind sehr froh, Tunesien bei dieser Aufgabe unterstützen zu dürfen“, betonte BBK-Präsident Unger und bedankte sich gleichzeitig im Rahmen der Abschlussveranstaltung in Tunis bei allen Beteiligten für die gute Zusammenarbeit.


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