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04.09.2017Internationale Zusammenarbeit

Projekt zum Katastrophenrisikomanagement in China erfolgreich abgeschlossen

Vom 18. – 25. August wurde mit einer abschließenden Veranstaltung das fachliche Projekt zur Weiterentwicklung des Katastrophenrisikomanagements in der Volksrepublik China abgeschlossen. Das seit 2016 laufende Projekt in der provinzfreien Stadt Tianjin und den Städten X´ian und Tongchuan in der Provinz Shanxii werden im Rahmen der Globalen Initiative Katastrophenrisikomanagement (GIKRM) unter der Gesamtverantwortung der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) durchgeführt.

Das Projekt schließt sich fachlich an von 2009 bis 2015 durchgeführtes Kooperationsprojekt von GIZ und BBK zur Verbesserung des Katastrophenmanagements in China an.

Die Schwerpunkte der Workshops und Trainings im Projekt lagen sowohl auf einer gezielten Ausbildung der administrativen Stäbe der Provinz- und Stadtregierungen durch die AKNZ sowie auf der Optimierung der Notfallplanung durch ein integriertes Risiko- und Katastrophenmanagement nach deutschem Muster und mit Hilfe der im BBK entwickelten Methoden und Instrumente durch die Abteilung II.

Unmittelbare Partner auf chinesischer Seite waren die Chinese Academy of Governance (CAG) mit dem angegliederten Nationalen Institut für Notfallmanagement (NIEM) und die Büros für das Notfallmanagement (EMO) der Provinzen bzw. der Städte. Die Workshops selbst wurden personell mit Vertretern der jeweiligen Provinz- bzw. Stadtverwaltung, Vertretern aller relevanten Fachbehörden sowie auch von staatlichen Kritischen Infrastrukturbetreibern beschickt, so dass das Modell eines integrierten Risiko- und Katastrophenmanagements, d.h. die notwendige Vernetzung von Behörden, Unternehmen sowie Einsatzorganisationen, vermittelt und beübt werden konnte.

Zum Abschluss der bisherigen Zusammenarbeit fand ein Besuch des Bundesinnenministeriums, vertreten durch Franz-Josef Hammerl (Abteilungsleiter Krisenmanagement im BMI) und Rene du Bois (Referatsleiter Krisenmanagement im BMI) sowie des Präsidenten des BBK, Christoph Unger an den verschiedenen Projektstandorten statt.

Beobachter der Stabsübung Beobachter der Stabsübung, China Projekt abgeschlossen (Vergrösserung öffnet sich im neuen Fenster)Be­ob­ach­ter der Stabs­übung Re­ne Du Bois (BMI); Chri­stoph Un­ger (BBK) Franz-Jo­sef Ham­merl (BMI), Ming­ming Wang (GIZ), Jac­que­li­ne Be­ge­row (GIZ), Yaoy­ing Cheng (GIZ), Pe­ter Wil­de (BBK), Ping Liu (CAG) Quelle: BBK / Ehl

Teil des Besuchsprogrammes war neben Gesprächen mit hochrangigen Vertretern der CAG und des NIEM in Peking, der Provinzregierung in Shanxii, der Stadtregierung in Tijanjin sowie dem Büro der nationalen Kommission zur Risikoreduzierung und dem Ministerium für zivile Angelegenheiten auch der Besuch der Krisenstabsausbildung in der Provinzhauptstadt X´ian, Shanxii.

Die Delegation besuchte die laufende Stabsausbildung und machte sich ein Bild vom Inhalt des Seminars und dem Ausbildungsstand der Teilnehmer. Weiterhin wurden durch BBK-Präsident Unger die Urkunden für die erfolgreiche Teilnahme an der Seminarreihe übergeben.

Seit 2009, genau ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben in der chinesischen Provinz Sichuan, bei dem rund 70 000 Menschen starben, startete die Zusammenarbeit im integrierten Risiko- und Krisenmanagement zwischen China und Deutschland. Als Ergebnis einer bilateralen Vereinbarung wurde die GTZ (heute GIZ) mit den Partnern THW und BBK mit der Umsetzung beauftragt.

Durch das BBK wurde in Beijing an der Chinese Academy of Governance (CAG) der Aufbau eines Nationalen Institutes für Notsituationen (NIEM), eine zentrale Ausbildungsstätte auf akademischem Niveau, unterstützt. Das NIEM verfügt zwischenzeitlich nicht nur über großzügige und modern ausgestattete Ausbildungsräume, sondern auch über als Multiplikatoren tätige Professoren, die gemeinsam mit den deutschen Experten Konzepte zum übungsbasierten Krisenmanagement entwickelt und praktisch umgesetzt haben. Die Szenarien und Planungen bauen dabei systematisch auf den Ergebnissen der Risikoanalyse auf. Bei der anschließenden Notfallplanung wurde insbesondere auf einen ganzheitlichen und sektorenumfassende Ansatz Wert gelegt.

Durch die Einbindung von Lehrkräften verschiedener Provinzverwaltungsschulen und der Büros für Notfallmanagement (EMO) wurde stets der Bezug zur Praxis und die Umsetzung in der Breite sichergestellt.

Das aktuelle Projekt des Katastrophenrisikomanagements startete im Januar 2016. In den beiden Projektstädten Tianjin und Xi’an wurde durch Angehörige der Abteilung II des BBK die Risikoanalyse und Notfallplanung nach deutschem Muster vorgestellt, entsprechend auf chinesische Bedürfnisse und Gegebenheiten übertragen und dann praxisbezogen umgesetzt. Die Bewältigung der Szenarien wurde dann im Rahmen der übungsbasierten Krisenmanagementausbildung und im Rahmen administrativer Stabsausbildungen durch Angehörige der AKNZ trainiert. Die Teilnehmer konnten so erfahren, welche Handlungskompetenzen sowohl für die Tätigkeit in Krisenmanagement, als auch in der Rolle als Ausbilder, erforderlich sind und dies gezielt ausbauen.

Von der Nachhaltigkeit und dem Erfolg des aktuellen Projektes und der gesamten Zusammenarbeit konnte sich die Delegation des BMI sowohl durch die positiven Rückmeldungen der chinesischen Partner, als auch durch Inaugenscheinnahme der Lehreinrichtung in Beijing und der laufenden Übung in der Provinzhauptstadt Xi’an einen Eindruck verschaffen.

Bereits jetzt konnte festgestellt werden, dass das Vorläuferprojekt nicht nur in den damaligen Projektstädten fruchtbar verlaufen war, sondern bereits Teile der aus Deutschland importierten Methoden in anderen Städten und Provinzen praktische Anwendung findet.

Übergabe der Zertifikate Übergabe der Zertifikate, China Projekt abgeschlossen (Vergrösserung öffnet sich im neuen Fenster)Über­ga­be der Zer­ti­fi­ka­te (v.l.n.r.) Pe­ter Wil­de (BBK), Chri­stoph Un­ger (BBK), Teil­neh­mer, Frank Ehl (BBK) Quelle: BBK / Ehl

So sind beispielsweise nach deutschem Vorbild durchgeführte Risikoanalysen in der Provinz Shaanxi und auch in der provinzfreien Stadt Chongqing durch die chinesische Seite Risikoanalysen durchgeführt und die entsprechende Notfallplanung angepasst worden. Aufbauend auf diesen Ergebnissen wird das System Risikomanagement durch die chinesische Seite in der Zukunft auf weitere Provinzen und Städten übertragen, wobei sowohl die bereits ausgebildeten Provinzen mit Unterstützung CAG als Multiplikatoren fungieren.

Im Bereich der Krisenmanagementausbildung wird das deutsche Ausbildungssystem schon seit Jahren durch Multiplikatoren der CAG, des NIEM und Angehörigen verschiedener Provinzverwaltungsschulen weiter fortgeführt. Grundlage dafür ist auch ein während der Seminarreihe erstelltes Handbuch für die Durchführung administrativer Krisenmanagementausbildung, welche verpflichtend für die Ausbildung an den Provinzverwaltungsschulen ist. Unterstützend wurden an verschiedenen Schulen bereits Räumlichkeiten für eine qualifizierte Stabsausbildung eingerichtet.

Vertreter der chinesischen Behörden im Katastrophenrisikomanagement haben der Delegation gegenüber bereits ihr deutliches Interesse an einer neuen bilateralen Kooperation mit Deutschland auf diesem Gebiet geäußert, da die langjährige Zusammenarbeit von chinesischer Seite als sehr konstruktiv empfunden und der deutsche Beitrag als sehr zielorientiert bewertet wird.

Von beiden Seiten wurde mehrfach der Erfolg der Ausbildung und des Projektes hervorgehoben und der Dank für die bisherige erfolgreiche Zusammenarbeit zum Ausdruck gebracht. Beide Seiten können auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit in den letzten 8 Jahren zurückblicken und haben erklärt, über Möglichkeiten zur Fortführung des Projektes nachdenken zu wollen.


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