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24.07.2015Zivil-Militärische Zusammenarbeit

Bundeswehr und BBK: Rückblick und Ausblick auf die Zivil-Militärische Zusammenarbeit

Ob bei Waldbränden, Hochwassern oder Schneekatastrophen – immer wieder hat die Bundeswehr großen Anteil an den Maßnahmen, mit denen Menschen in Not geholfen werden. Die Bilder von Soldaten, die bei den Hochwassern an Elbe und Donau 2013 geholfen haben, sind noch präsent. Zivile und militärische Stellen arbeiten nicht nur bei der Verteidigung des Landes zusammen, sondern auch beim Schutz der Bevölkerung im Katastrophenfall.

Die Zivil-Militärischen Zusammenarbeit (ZMZ) ist eine wichtige Aufgabe im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Das Amt arbeitet hier eng mit dem Kommando für Territoriale Aufgaben der Bundeswehr zusammen. In den letzten Jahren haben BBK Präsident Christoph Unger und Generalmajor Hans-Werner Wiermann gemeinsam zu regelmäßigen Treffen eingeladen, um eine Plattform für den intensiven Austausch zur Zivil-Militärischen Zusammenarbeit anzubieten.

Gruppenfoto im GMLZ Gruppenfoto im GMLZ, Bundeswehr und BBK: Rückblick und Ausblick auf die ZMZ (Vergrösserung öffnet sich im neuen Fenster)(v.l.n.r.) Bri­ga­de­ge­ne­ral Jür­gen Knap­pe, BBK-Prä­si­dent Chri­stoph Un­ger, Ge­ne­ral­ma­jor Hans-Wer­ner Wier­mann, BBK-Mit­ar­bei­ter Ste­fan Mess­ner, BBK-Vi­ze­prä­si­dent Ralph Ties­ler Quelle: Lech­ner / BBK

Generalmajor Hans-Werner Wiermann und dessen Nachfolger als Kommandeur Territoriale Aufgaben, Brigadegeneral Jürgen Knappe, nutzten einen Besuch im BBK, um sich im Gemeinsamen Melde- und Lagezentrum (GMLZ) und der Warnzentrale einen Eindruck zu aktuellen Entwicklungen im BBK zur Warnung der Bevölkerung zu verschaffen. Im Rahmen des Rundgangs ergab sich die Gelegenheit auch über vergangene und zukünftige gemeinsame ZMZ-Projekte zu sprechen.

Welchen Beitrag hat die Partnerschaft für die ZMZ bisher geleistet?

Generalmajor Hans-Werner Wiermann als scheidender Kommandeur Territoriale Aufgaben der Bundeswehr spricht in einem Rückblick darüber, welchen Beitrag diese Partnerschaft für eine erfolgreiche Zivil-Militärische Zusammenarbeit hat:

Zunächst einmal denke ich, ist es in Vorbereitung auf Katastrophen wichtig, Köpfe zu kennen. Die meisten Katastrophen zeichnen sich dadurch aus, dass sie unvorhergesehen kommen. Da muss man wissen, wer auf der anderen Seite sitzt und ich glaube, dass das BBK mit seinen Foren und seinen Gelegenheiten sich auszutauschen Möglichkeiten schafft, dass diejenigen, die Verantwortung in einer Krise tragen, sich vor der Krise kennen lernen. Das ist eine Voraussetzung für die erfolgreiche Bewältigung einer Krise.

Darüber hinaus ist das GMLZ wichtig, um sich einen Lageüberblick zu verschaffen. Denn nur wer einen richtigen Überblick über die Lage hat, kann auch die richtigen Entscheidungen treffen. Dazu wird hier im GMLZ ein ganz wesentlicher Beitrag geleistet.

Zusätzlich ist es natürlich auch wichtig, eine gewisse Standardisierung in der Ausbildung zu etablieren. Trotz der Zuständigkeit der Länder für den Katastrophenschutz und des Bundes für die Katastrophenhilfe ist es gut, wenn man eine gemeinsame Sprache spricht. Dafür ist die BBK eigene Akademie für Krisenmanagement, Notfallvorsorge und Zivilschutz (AKNZ) eine sehr gute Einrichtung, denn hier wird ein gewisser Standard in Punkto Krisenmanagement vermittelt. Wir sind dankbar, dass wir die Gelegenheit haben, auch mit unseren Ausbildern dort einen entscheidenden Beitrag zu leisten und damit gemeinsame Grundlagen in Vorbereitung auf eine Katastrophe zu schaffen, deren genaue Charakteristika wir vorab nicht kennen. Deswegen muss man vorbereitet sein.

Wie wird sich in Zukunft die Zusammenarbeit gestalten?

Der neue Kommandeur für Territoriale Aufgaben Brigadegeneral Jürgen Knappe führt fort, was ihm für die zukünftige Zusammenarbeit mit dem BBK besonders wichtig ist:

In erster Linie werde ich mich als Nachfolger von Generalmajor Wiermann darum bemühen, die gute Zusammenarbeit mit dem BBK und dessen Präsidenten Herrn Unger weiter zu pflegen. Wir haben in diesem Jahr ja noch ein gemeinsames Projekt, an dem wir in der Vorbereitung und Durchführung beteiligt sind: Die länder- und organisationsübergreifende LÜKEX- Übung. Hier werde ich mich dafür einsetzen, dass wir aktiv mit unseren Partnern üben und mit unserem Einsatz zur Bewältigung des in der Übung zu bewältigenden „Sturmflut“-Szenarios beitragen. Eine weitere Zielsetzung für mich ist, auch die Gesprächsgremien, in denen wir uns seit nunmehr zweieinhalb Jahren in regelmäßigen Abläufen treffen, kontinuierlich weiter zu führen, um die Zivil-Militärische Zusammenarbeit weiterhin zu intensivieren und auszubauen.

Welche Schwerpunkte setzt das BBK für die ZMZ mit der Bundeswehr?

BBK-Präsident Christoph Unger gab abschließend einen kurzen Überblick und Ausblick zu den aktuellen Entwicklungen in der weiteren Zusammenarbeit:

Ein BBK-Mitarbeiter erklärt den Gästen wie die Warn-App NINA funktioniert Ein BBK-Mitarbeiter erklärt den Gästen wie die Warn-App NINA funktioniert, Bundeswehr und BBK: Rückblick und Ausblick auf die ZMZ (Vergrösserung öffnet sich im neuen Fenster)BBK-Mit­ar­bei­ter Dr. Mi­cha­el Ju­dex er­klärt in der Warn­zen­tra­le den Gäs­ten wie die Warn-App NI­NA funk­tio­niert Quelle: Lech­ner / BBK

Zwischen dem BBK und der Bundeswehr, speziell dem Kommando Territoriale Aufgaben, gibt es seit Jahren eine hervorragende Zusammenarbeit. So zum Beispiel im Bereich der Ausbildung an unserer Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ): hier gibt es ZMZ-Lehrgänge für In- und Ausland, wo unter anderem Bundeswehr, Katastrophenschutzbehörden und etliche Hilfsorganisationen eine gemeinsame Grundlage für potentielle gemeinsame Einsätze erarbeiten. Auch in der Praxis wird diese Zusammenarbeit intensiv geübt. Jetzt ganz aktuell wird die länder- und organisationsübergreifende Krisenmanagementübung LÜKEX für November 2015 vorbereitet, bei der sich die Bundeswehr sehr stark in der Vorbereitung mit einbringt. Ein weiteres ganz wichtiges Thema für die bisherige und weitere Zusammenarbeit ist sicherlich für beide Seiten die Fortentwicklung des Schutzes vor chemischen, biologischen, radiologischen und nuklearen Gefahren. Darüber hinaus ist eine zentrale Aufgabe des BBK die Warnung der Bevölkerung, auch hier arbeiten wir mit der Bundeswehr zusammen, um möglichst alle Wege zu nutzen.

Es steht die Frage an, inwieweit wir das Thema Zivilschutz im Rahmen der neuen sicherheitspolitischen Herausforderungen gemeinsam weiter entwickeln können. Ich denke, dass wir auf der Grundlage unserer bisherigen Zusammenarbeit auch die Herausforderungen der Zukunft gemeinsam gut meistern werden.

Im Profil: Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr

Das Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr mit Sitz in Berlin ist verantwortlich für den militärischen Teil in der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit. Es führt zentral alle Unterstützungsleistungen der Bundeswehr im Inland im Rahmen der Amts- und Katastrophenhilfe.

Das können Hilfseinsätze im Katastrophenfall sein, wie beispielsweise beim Hochwasser im Sommer 2013 oder Unterstützungseinsätze bei Großveranstaltungen wie beim G7-Gipfel Anfang Juni 2015 im bayerischen Elmau.

Dem Kommando Territoriale Aufgaben sind die 15 Landeskommandos in den Bundesländern und die nachgeordneten Bezirks- und Kreisverbindungskommandos (BVK und KVK) unmittelbar unterstellt. Diese territoriale Struktur mit ihren kompetenten militärischen Ansprechpartnern in der Fläche gewährleistet eine enge und direkte Zusammenarbeit mit den zivilen Partnern vor Ort.

Um bei Naturkatastrophen und anderen Notlagen schnell und effizient bereitstehen zu können, berät das Kommando die zivilen Stellen über personelle und technische Unterstützungsmöglichkeiten der Bundeswehr, stellt diese Kräfte und Fähigkeiten auf Antrag bereit und übernimmt deren Führung.

Bundesweit sind dem Kommando rund 20.000 Soldatinnen und Soldaten unterstellt; darunter mehr als 10.000 Reservisten. Ebenfalls unterstellt sind das ABC-Abwehr Kommando in Bruchsal, das Kommando Feldjäger in Hannover, das Zentrum Operative Kommunikation in Mayen und das Zentrum Zivil-Militärische Zusammenarbeit der Bundeswehr in Nienburg.