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11.06.2015Krisenmanagement

Hinter den Kulissen der LÜKEX 15:
Dr. Miriam Haritz im Interview über die Projektgruppe LÜKEX 15

Den Auftakt macht Dr. Miriam Haritz. Sie war als Referatsleiterin im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zuständig für die LÜKEX 15 und leitete die Projektgruppe LÜKEX 15 Bund. Im Interview erzählt Sie von den Vorbereitungen der Projektgruppe und den Besonderheiten der LÜKEX 2015.

Welche Funktion hat die Projektgruppe LÜKEX Bund bei der Vorbereitung und Durchführung der LÜKEX 15?

Die Projektgruppe LÜKEX Bund (kurz: PG LÜKEX) ist der Herzmuskel eines jeden Übungszyklus. Sie ist die Schaltstelle für den Informationsfluss zwischen allen Übungsbeteiligten und vernetzt die Expertise aller Stellen in Bund, Ländern und Unternehmen durch große Veranstaltungen ebenso wie kleinere, nicht weniger intensive Besprechungsrunden. So sorgt die PG LÜKEX dafür, dass im Verlauf der Vorbereitungsphase ein Drehbuch entsteht, das durch die Übung im November 2015 führt. Auf der Grundlage dieses Drehbuchs wird die Übung dann ebenfalls im Verantwortungsbereich der PG LÜKEX so gesteuert, dass sich zwei Tage während der Übung hunderte von Übungsteilnehmenden in der gesamten Republik mit der Bewältigung einer extremen Sturmflut an der Nordseeküste befassen, die Auswirkungen bis weit ins Hinterland hat.

Um das zu gewährleisten, umfasst die PG LÜKEX in diesem Übungszyklus Bundesbehörden aus verschiedenen, durch das Szenario fachlich besonders betroffenen Ressorts. Dazu gehören der Deutsche Wetterdienst (DWD), das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH), das Bundesamt für Güterverkehr (BAG), das Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr (KdoTerrAufgBw) sowie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).

Was ist die besondere Herausforderung beim Managen eines so komplexen Projektes wie der LÜKEX 15?

Es sind die Vielfalt der Akteure, ihre unterschiedlichen Fachexpertisen und die vielfältigen Übungsziele, die bereichernd und herausfordernd zugleich sind. Da gilt es, die Interessen aller Übungsbeteiligten unter einen Hut zu bringen und auch gegenseitiges Verständnis für die jeweiligen Belange zu wecken. Letztendlich möchten wir mit der Übung auch eine gemeinsame Sprache finden, die man auch jenseits des Übungszyklus nicht mehr verlernt.

Welchen Anspruch haben Sie an die LÜKEX 15? Gibt es Themen, die Ihnen besonders am Herzen liegen?

Mein Anspruch ist vor allem der, dass uns nicht nur eine erfolgreiche Übungsdurchführung im kommenden November gelingt, sondern dass der gesamte Zyklus allen Beteiligten in nachhaltiger Erinnerung bleibt – als eine Erfahrung, die jedem Einzelnen, jeder Struktur und Organisationseinheit gezeigt hat: Übung macht den Meister. Und ich wünsche mir, dass man zurückblickt und sagt: Ja, es war harte Arbeit, aber es hat sich gelohnt.

Ein besonderes Augenmerk habe ich dabei auf das Thema Evakuierung gelegt. In drehbuchspezifischen Workshops und einem wissenschaftlich-praxisorientierten Thementag haben wir das Thema Evakuierung beleuchtet, um das Drehbuch möglichst authentisch zu entwickeln. Der Thementag stieß bereits auf große Resonanz – weit über den Kreis der unmittelbar Übungsbeteiligten hinaus.

Ich bin zudem sehr gespannt, welche Erkenntnisse wir durch die Übung gewinnen werden, gerade weil das Thema Evakuierung im Kontext der Sturmflutübung so viele Akteure bewegt.

Was ist das Besondere an der LÜKEX 15?

Ich finde, jede LÜKEX war etwas Besonderes und – bedingt durch die unterschiedlichen Übungsszenarien und -akteure – immer wieder anders. Aber die LÜKEX 15 weist schon noch einmal ein paar Besonderheiten auf, die es so bisher nicht gab: Zum einen sind die Flächenstaaten Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie die Stadtstaaten Hamburg und Bremen „intensiv übende Länder“ –also solche, die ihre eigenen, realen Krisenstäbe beüben. Damit übt während einer LÜKEX erstmals eine geographisch zusammenhängende Region. Zum anderen beüben wir mit der Sturmflut eine Lage, in deren Bewältigung die Teilnehmenden aus diesen Ländern sehr erfahren sind, eine „klassische Katastrophenlage“ in ihrem Zuständigkeitsbereich, die aber ob der Dimension ein Zusammenwirken über Länder- und Ressortgrenzen hinweg und mit dem Bund erforderlich macht. Besonders ist dabei sicher auch, dass wir mit den Niederlanden und Dänemark zwei Anrainerstaaten mit im (Übungs-)Boot haben, um die Schnittstellen zu erproben, die sich auch im wahren Leben bei einer solchen Lage ergeben könnten.

Warum wurde das Thema Sturmflut ausgewählt?

Wir haben uns zuletzt in der LÜKEX 11 und 13 mit Themen befasst, die zumindest aus Sicht des Bevölkerungsschutzes eher exotisch anmuten: Cyberviren und absichtlich ausgebrachte biologische Viren. Mit dem jetzigen Szenario haben wir uns einem eher klassischen Bevölkerungsschutzthema zugewandt, bei dem Naturgefahren das Hochtechnologieland Deutschland in den betroffenen Gebieten im wahrsten Sinne des Wortes „unter Wasser (und Wind) setzen“. Die LÜKEX stellt also mit der 7. Übung ihrer Art einmal mehr die Variation und Innovation, die jedem Zyklus innewohnt, unter Beweis.

Was soll die LÜKEX 15 erreichen?

Mit der LÜKEX 15 wollen wir das Krisenmanagement in Deutschland in einem Bereich stärken, indem wir uns sicher zu Recht gut aufgestellt wähnen. Reale Krisenlagen stellen jedoch immer wieder unter Beweis, dass es Bereiche gibt, in denen wir vor einer Krise gewissermaßen betriebsblind sind. „Das haben wir immer so gemacht“, hört man dann. In der Krise muss man dann jedoch feststellen, dass es Optimierungsbedarf gibt („Beim nächsten Mal sollten wir vorher ...“). Die LÜKEX 15 soll als ein Baustein dazu beitragen, die vorhandenen Verfahren und Strukturen für die Bewältigung einer so bedrohlichen Sturmflutlage zu überprüfen und nachhaltig für die Zukunft zu stärken – damit wir auch in Zukunft „mit allen Wassern gewaschen“ bleiben und dem Wind trotzen können!

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LÜKEX 15 Interviewserie

2015 ist das Jahr der 7. Strategischen Länderübergreifenden Krisenmanagementübung, kurz LÜKEX. Die zweitägige Übungsdurchführung der Länderübergreifenden Krisenmanagementübung LÜKEX 15, geplant für den 26. und 27. November 2015, wurde abgesagt. Vor dem Hintergrund der enormen Herausforderungen der Flüchtlingssituation in Deutschland hatten Bund und Länder dies gemeinsam beschlossen.

Der LÜKEX-Gedanke baut auf der Erkenntnis auf, dass Krisenmanagement nur dann erfolgreich und nachhaltig sein kann, wenn alle staatlichen und privaten Akteure in einem Netzwerk zusammenarbeiten und kooperieren. Hierfür bedarf es eines fachlichen Abstimmungsprozesses zwischen Bund, Ländern, Wirtschaft, Wissenschaft und weiteren Kooperationspartnern.

LÜKEX-Übungen tragen dazu bei, dass sich Bund und Länder auf (außergewöhnliche) Krisen- und Bedrohungslagen vorbereiten sowie bestehende Pläne und Bewältigungskonzepte auf die Probe stellen können. LÜKEX leistet damit im Bereich des Bevölkerungsschutzes einen wichtigen Beitrag zur nationalen Krisenvorsorge.

Zur Vorbereitung auf die LÜKEX 15 haben Übungsbeteiligte verschiedener Ebenen über ihre Motivation, sich an der LÜKEX 15 zu beteiligen, ihre Ziele und die Art ihrer Beteiligung an der Übung berichtet. Diese Interviews geben Einblick in die verschiedenen Facetten der LÜKEX. Alle Interviews finden Sie unter LÜKEX 15.

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