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Bevölkerung verlässt sich auf Smartphone und Nachbarschaft

Ergebnisse einer Umfrage zum Stromausfall in Hagen am 11. Oktober 2016


Die ad-hoc-Umfrage zur Smartphonenutzung bei Stromausfall, die das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) beim Stromausfall in Hagen bei 30 Bürgerinnen und Bürgern durchführte, förderte keine grundlegende Überraschung zutage:

Smartphones sind das zentrale Instrument, um in Krisen Informationen zu beschaffen, mit Verwandten und Freunden Kontakt aufzunehmen und Notrufe abzusetzen. Einige Antworten der Hagener Bevölkerung bringen die Behörde allerdings zum Nachdenken. So hat beispielsweise nur die Hälfte der Personen einen Sirenenalarm wahrgenommen; nur ein Viertel der Befragten kannte die Bedeutung des Alarms. Des Weiteren waren kaum einem der Befragten Ratgeber oder Hinweise zum richtigen Verhalten bei Stromausfällen bekannt.

Stromausfall Stromausfall, Kühlschrank (Vergrösserung öffnet sich im neuen Fenster)Strom­aus­fall Quelle: BBK

Aufgrund eines Brandes im Umspannwerk Donnerkuhle gab es am 11.10.2016 ab 5.55 Uhr morgens einen Stromausfall in verschiedenen Stadtteilen im Süden von Hagen in Nordrhein-Westfalen. Mehr als 50.000 Haushalte hatten fast den gesamten Tag hindurch keinen Strom, das öffentliche Leben war teilweise lahmgelegt. Neben dem Ausfall von Ampelanlagen, Bahnen, Computeranlagen und des Festnetzes kam es auch zu einer Überlastung des Mobilfunknetzes.
Etwa 300 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Arbeiter Samariter Bund, Johanniter, Malteser Hilfsdienst und Deutschem Roten Kreuz waren im Einsatz, zudem wurden die Polizeikräfte verstärkt. Die Bevölkerung wurde über verschiedene Kanäle (Radiomeldungen, Homepage der Stadt Hagen, Warn-App NINA, Social Media) gewarnt. Bis zum Ende des Tages war die Stromversorgung flächendeckend wiederhergestellt.

Einen Tag nach dem Stromausfall führten Mitarbeiter des BBK nach Abstimmung mit dem Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen und der Stadt Hagen 30 Gespräche mit Betroffenen des Stromausfalls. Hierzu wurden Passanten im Zentrum von Hagen und in den betroffenen Stadtteilen Boloh und Emst befragt. Auskunft gaben 10 Männer und 20 Frauen. Der Altersdurchschnitt betrug etwa 55 Jahre, die Dauer der Interviews lag bei ca. 6 Minuten.

Zentrale Fragestellung war, welche Bedeutung Smartphones für die Bevölkerung der vom Stromausfall betroffenen Stadtteile für die Kommunikation untereinander sowie mit Freunden und Bekannten und für die Information zur Schadenslage haben. Hintergrund ist ein Forschungsprojekt im BBK (www.smarter-projekt.de), das sich mit der Herstellung einer infrastruktur-unabhängigen Notfall-Kommunikation über Smartphones befasst. Über verschiedene Basisfunktionen sollen Betroffene bei Ausfall des Mobilfunknetzes untereinander und auch mit den Katastrophenschutzbehörden kommunizieren können.

Für die Umfrage in Hagen wurde ein Leitfaden mit 15 Fragen zusammengestellt. Neben allgemeinen Fragen zu den Auswirkungen des Stromausfalls auf den Alltag der Menschen enthielt er Fragen zu Funktionen der geplanten Notfall-Kommunikation.

Die Ergebnisse auf einen Blick:

Das Smartphone stellt das zentrale Kommunikations- und Informationsinstrument dar.
Sowohl bei der Beschaffung von Informationen über Websites, für Anrufe oder Textnachrichten mit anderen, als auch für den Fall, einen Notruf absetzen zu müssen, spielte das Mobiltelefon für die Befragten eine entscheidende Rolle.

Die Bedeutung der Sirenensignale ist nicht allen Betroffenen klar.
Hinsichtlich des Sirenenalarms berichteten 50% der Personen, einen Alarm wahrgenommen zu haben. Nur ein Viertel der Befragten wusste über die Bedeutung des Alarms (Feueralarm; Alarmierung der Feuerwehren) Bescheid.

Die Alltagsroutinen der Betroffenen waren eingeschränkt.
Der Ausfall der Haustechnik (Licht, Heizung oder Rollladen) und der Haushaltsgeräte (Kaffeemaschine, Computer, Festnetztelefon etc.) unterbrach alltägliche Routinen. An dieser Stelle versuchten sich die Betroffenen beispielsweise mit dem Einsatz von Kerzen oder Taschenlampen zu helfen.

In den meisten Fällen war Smartphone-basierte Kommunikation mit Verwandten und Freunden weiterhin möglich.
Auf die Frage nach Kommunikationsmöglichkeiten bei einem längeren, flächendeckenderen Stromausfall und dem damit verbundenen Komplettausfall des Mobilfunknetzes, wussten die Befragten keine Alternative zur gewohnten Smartphone-Kommunikation.

Behördeninformationen wurden kaum wahrgenommen.
57 % der Befragten antworteten, dass sie keine Informationen der Behörden mitbekommen hätten. Bei Medienmeldungen war für die Betroffenen häufig unklar, ob es sich dabei um Informationen aus behördlichem Ursprung handelte.

Besitzer von Smartphones waren für längeren Stromausfall nicht gerüstet.
Zwei Drittel der Befragten verneinten es, in der Lage zu sein, ihr Smartphone mit einer Powerbank, einem Solarpanel oder einem Dynamo-Ladegerät längerfristig mit Strom versorgen zu können. Lediglich vier Personen besaßen einen Zusatzakku.

Das Vertrauen in die Smartphones war nicht erschüttert.
Über 50 % der Betroffenen sagten, dass sie im Fall eines Notfalls über das Smartphone Hilfe gerufen hätten.

Bei Ausfall des Mobilfunknetzes hat die Hilfe in der Nachbarschaft einen hohen Stellenwert.
Zahlreiche Befragte gaben an, Informationen zum Stromausfall von Nachbarn erhalten zu haben. Vom Mobilfunknetzausfall betroffene Personen gaben an, Hilfe in der Nachbarschaft zu suchen.

Behördliche Hinweise zum Verhalten bei Stromausfall sind wenig bekannt.
Keinem der Befragten waren Ratgeber oder Hinweise zum richtigen Verhalten bei Stromausfällen bekannt.

Wenngleich die Umfrage nicht repräsentativ ist, und die Schadenslage Stromausfall hier nicht mit gravierenden Personen- und Sachschäden verbunden war, sondern lediglich Einschränkungen in den alltäglichen Abläufen mit sich brachte, sind ihre Ergebnisse für die Bevölkerungsschutzbehörde sehr aufschlussreich: Sehr deutlich wurde die hohe Relevanz von Smartphones zur Informationsbeschaffung und Kommunikation für die Bevölkerung bei einer Krise. Dies reicht von der einfachen Informationsbeschaffung zur Lage über die Organisation des Alltags durch veränderte Routinen bis hin zu Hilferufen. Aber auch der hohe Stellenwert von gegenseitiger Hilfeleistung und nachbarschaftlicher Hilfe war erkennbar.
Für das BBK-Forschungsprojekt zur Smartphone-basierten Notfallkommunikation lässt sich schlussfolgern, dass Basis-Funktionen wie „Nachrichtenaustausch“, „aktuelle Informationen der Katastrophenschutzbehörden für die betroffene Bevölkerung“, „Hilferuf“ oder auch „Hinweise für das richtige Verhalten bei einem Stromausfall“ von eminenter Bedeutung sind.

Die 15 Fragen der Umfrage:

  1. Wann haben Sie festgestellt, dass der Strom ausgefallen ist?
  2. Wie haben Sie von der Ursache und der Dauer des Stromausfalls erfahren?
  3. Haben Sie den Sirenenruf gehört?
  4. Wenn ja, welche Bedeutung hatte der Sirenenruf für Sie?
  5. Welche Auswirkungen hatte der Stromausfall auf Ihren Alltag?
  6. Kennen Sie Menschen, die hilfsbedürftig sind und in besonderer Weise von dem Stromausfall betroffen waren?
  7. Ist bei Ihnen das Mobilfunknetz und / oder das Festnetz ausgefallen?
  8. Wie kommunizierten Sie mit Freunden und Verwandten?
  9. Fühlten Sie sich von den Behörden ausreichend mit Informationen versorgt?
  10. Wurde von den Behörden ein Ansprechpartner für Rückfragen benannt?
  11. Welche Möglichkeiten hatten sie Ihr Smartphone / Mobiltelefon mit Strom zu versorgen (Powerbank, Solar, Akkus)?
  12. Wie hätten Sie gestern im Fall eines Notfalls Hilfe gerufen?
  13. Könnten Sie sich vorstellen bei einem längeren Stromausfall Ressourcen (Nahrung, Akkus, Wohnraum u.ä.) mit anderen Menschen zu teilen?
  14. Kennen Sie Ratgeber zum richtigen Verhalten bei einem Stromausfall?
  15. In den Medien konnte man von einer erhöhten Polizeipräsenz lesen. Haben Sie sich eher sicher oder unsicher gefühlt?