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15.02.2011Katastrophenschutz

Gefahren durch extreme Niederschläge werden in Deutschland deutlich zunehmen

Gemeinsame Pressekonferenz von BBK, DWD, UBA und THW

Der Klimawandel schreitet weiter voran. Deutschland muss deshalb schon ab Mitte dieses Jahrhunderts ganzjährig mit einer starken Zunahme extremer Niederschläge rechnen. Damit drohen bereits in wenigen Jahrzehnten deutlich mehr Schäden durch Überschwemmungen. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssen sich frühzeitig auf die wachsenden Gefahren durch Wetterextreme vorbereiten. 

Dieses Ergebnis eines gemeinsamen Forschungsprojekts des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), des Technischen Hilfswerks (THW), des Umweltbundesamtes (UBA) sowie des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zu den Auswirkungen des Klimawandels auf extreme Wetterereignisse wurde am 15. Februar in Berlin von den vier Behörden vorgestellt.

„Im Winter, also den Monaten Dezember, Januar und Februar, erwarten wir bis zum Ende des Jahrhunderts in weiten Teilen Deutschlands mehr Starkniederschläge“, erläutert Dr. Paul Becker, Vizepräsident des DWD, die Projektergebnisse. Als Starkniederschläge bezeichnen Meteorologen Regenmengen, die im Mittel nur etwa an jedem 100. Tag überschritten werden und je nach Region 10 bis 100 Liter pro Quadratmeter in 24 Stunden erreichen. Die DWD-Analysen deuten an, dass deren Häufigkeit vor allem ab 2040 teilweise deutlich steigen wird. In küstennahen Gebieten könnte sich die Anzahl extremer Niederschläge - verglichen mit dem Zeitraum 1960 bis 2000 - verdoppeln, in den Alpenregionen nahezu konstant bleiben und zwischen Küste und Alpen um bis zu 50 Prozent zunehmen. Auch in den Sommermonaten Juni, Juli und August dürfte die Häufigkeit von Starkniederschlägen in Deutschlands grundsätzlich zunehmen. In den meisten Regionen rechnet der DWD mit einem Anstieg um etwa 50 Prozent – obwohl die durchschnittlichen sommerlichen Regenmengen bis 2100 um bis zu 40 Prozent zurückgehen könnten. Becker: „Treffen die Projektionen ein, wird es im Sommer insgesamt weniger regnen, aber wenn es mal regnet, dann meist wolkenbruchartig.“ 

Vorsorge gegenüber den Folgen des Klimawandels verstärken

„Die Forschungsergebnisse zeigen zweierlei: Unterlassener Klimaschutz ist fahrlässig und bürdet den kommenden Generationen enorme Belastungen und Kosten auf. Aber auch bei einem engagierten Klimaschutz werden negative Auswirkungen des Klimawandels auch in Deutschland unabwendbar. Dies erhöht den Handlungsdruck, die Vorsorge gegenüber den Folgen des unvermeidbaren Klimawandels zu verstärken“, erklärt Jochen Flasbarth, Präsident des UBA. Insbesondere Extremereignisse haben ein großes Schadenspotenzial zum Beispiel für Infrastrukturen wie die Wasser- und Energieversorgung und bei Hochwasser. Deshalb habe der Bund einen besonders hohen Beratungsbedarf zu der Frage, wie sich extreme Wetterereignisse künftig verändern werden und wie Deutschland sich auf häufigere und heftigere Extremereignisse vorbeugend vorbereiten könne. Das Umweltbundesamt untersucht vor allem die Folgen von Wetterextremen auf Umwelt und Gesellschaft. Da diese in Deutschland regional unterschiedlich sein werden, braucht es auch regional unterschiedliche Anpassungsreaktionen. So richten zum Beispiel Starkniederschläge gerade in Städten große Schäden an. Deshalb seien dort etwa Anpassungsmaßnahmen nötig, die auf eine ‚wassersensible’ Stadtgestaltung hinaus liefen: Das UBA empfiehlt Städten eine dezentrale Regenwasserversickerung und die Stadtoberflächen so zu gestalten, dass diese unter normalen Wetterbedingungen für Freizeitaktivitäten genutzt werden können, im Ereignisfall aber dem Wasser Rückhalt dienen. 

Anpassung an den Klimawandel ist gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Christoph Unger, Präsident des BBK, betont, dass die Anpassung an den Klimawandel eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei, denn es liege in der Verantwortung des Einzelnen, seinen Beitrag zu leisten. Zugleich gehöre der Umgang mit Extremwetterereignissen und anderen Naturgefahren für den Bevölkerungsschutz schon immer zu dessen originären Aufgaben. Die Verantwortung liegt in Deutschland bei den Ländern und Kommunen, der Bund und hier insbesondere das BBK steht ihnen unterstützend zur Seite. „Wenn wir aber das aktuell sehr hohe Niveau des Bevölkerungsschutzes in Deutschland halten und weiter erhöhen wollen, kommt es darauf an, Veränderungen von Gefahrenlagen frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig zu reagieren.“ Eine mögliche Veränderung von Starkregenereignissen sei deshalb für die Rettungsdienste, Feuerwehren, das THW und andere Aktive im Bevölkerungsschutz von zentraler Bedeutung. Der Bevölkerungsschutz müsse sich angesichts der erwarteten Veränderungen die Frage stellen, ob die einsatztaktischen, personellen oder materiellen Mittel und Ressourcen auch in Zukunft geeignet und ausreichend verfügbar sein werden. 

Extremwetterereignisse sind die häufigsten Großschadensereignisse

Extremwetterereignisse wie Schneekatastrophen, Hochwasserereignisse und extreme Trocken- und Hitzeperioden waren und sind in Deutschland die am häufigsten auftretenden Großschadensereignisse, erläutert Volker Strotmann, Leiter der Abteilung Einsatz im THW. Da das THW als Organisation des Bundes bei Wetterkatastrophen auf Anforderung der für die Gefahrenabwehr verantwortlichen lokalen Stellen technische Unterstützung vor Ort leiste, sei es von einer möglichen Veränderung extremer Wettereignisse stark betroffen. Als Beispiel nannte Strotmann das Jahr 2010. So fielen aufgrund von Wetterereignissen 845 781 Einsatzstunden an – fast doppelt so viele wie 2009. „Das Jahr 2010 mag, klimatisch gesehen, ein Ausreißer gewesen sein. Aber es zeigt, wie wichtig für das THW ist, ob solche Ereignisse zukünftig häufiger auftreten werden und ob wir uns einsatztaktisch auf eine veränderte Umwelt einstellen müssen.“ Um eine Entscheidungsgrundlage für die Zukunft zu bekommen, habe sich das THW als operativ tätige Organisation an dem Forschungsprojekt beteiligt. Nur durch die Identifizierung der Risiken, der Eintrittswahrscheinlichkeit und die Abschätzung des zu erwartenden Schadens sei es möglich, sich gezielt auf kommende Schadensereignisse auszurichten. Erst dann könne das THW entscheiden, ob die jetzige Struktur beibehalten werden kann oder ob es in bestimmten Bereichen andere Einsatzschwerpunkte geben muss, also ob zum Beispiel mehr Einheiten bereitgestellt werden müssen, die große Mengen Wasser fördern können, oder ob es mehr Kapazitäten geben müsse, die in größerem Umfang Elektrizität liefern.

Statement zur Pressekonferenz von BBK-Präsident Christoph Unger 

Gemeinsame Pressemitteilung: Gefahren durch extreme Niederschläge werden in Deutschland deutlich zunehmen

Hinweis an die Redaktionen:

Alle Reden sowie weitere Unterlagen zur Pressekonferenz finden Sie im Internetangebot des Deutschen Wetterdienstes:

Pressemitteilungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD)


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