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Ausstattungskonzept:
Task Forces unterstützen die Länder bei Brandschutz, Betreuung, CBRN-Schutz und Sanitätswesen

BBK-Reihe: Wie der 11. September 2001 den deutschen Bevölkerungsschutz verändert hat (Teil 3)

Die „Neue Strategie zum Schutz der Bevölkerung in Deutschland“, die nach den Ereignissen des 11. Septembers die deutsche Bevölkerung wie auch Entscheidungsträger für die neuen Bedrohungen sensibilisieren sollte, beinhaltet auch eine Anpassung der ergänzenden Ausstattung des Bundes für den Katastrophenschutz der Länder. Die Vorhaltung und Verteilung von Ressourcen sollte sich künftig am konkreten Bedarf orientieren.

Das aus den 90er Jahren stammende bisherige Konzept des bundeseigenen Katastrophenschutzes ließ sich zudem nicht mehr dauerhaft finanzieren. Den Bedürfnissen der Länder nach Bundesausstattung in der Fläche sollte daher künftig durch Medizinische und Analytische Task Forces entsprochen werden. Sie sind für besondere Schadenslagen wie den CBRN-Gefahrenlagen und den Massenanfall von Verletzten konzipiert und mit hoch spezialisierter Ausstattung versehen. Die 16 Zivilschutz-Hubschrauber des Bundes wurden auf zwölf Luftrettungsstationen verteilt.

Der Bund hat nach Artikel 73 Abs. 1 Nr. 1 GG die Gesetzgebungskompetenz für den Schutz der Zivilbevölkerung im Verteidigungsfall (V-Fall). Gemäß den Vorschriften des Zivilschutz- und Katastrophenhilfegesetz (§ 13 ZSKG) ergänzt der Bund den Katastrophenschutz der Länder in den Aufgabenbereichen Brandschutz, Betreuung, CBRN-Schutz (Schutz vor chemischen, biologischen, radioaktiven und nuklearen Gefahren) und Sanitätswesen. Das nun vorliegende langfristige neue Ausstattungskonzept wurde in enger und konstruktiver Zusammenarbeit von Bund und Ländern abgestimmt und 2008 verabschiedet. Es soll den gewandelten Anforderungen des Zivilschutzes unter Berücksichtigung neuer Gefahren von nationaler Bedeutung gerecht werden und denen eines effektiven ergänzenden Katastrophenschutzes entsprechen.

Das neue Konzept setzt sich aus Kernelementen für besondere Gefahrenlagen und der Unterstützungskomponente zusammen. Die Kernelemente bestehen aus

  • der standardisierten Ausstattung für CBRN-Gefahrenlagen

    • mit der qualifizierten CBRN-Erkundung und Messleitung,
    • der Dekontamination von Personen,
  • der Analytischen Task Force (ATF) zur Unterstützung der örtlichen Einsatzleitung mit Fachwissenschaftlern und Spezialmesstechnik bei komplexen CBRN-Lagen
  • der Medizinischen Task Force (MTF) zur

    • Dekontamination Verletzter
    • Unterstützung bei der Bewältigung eines Massenanfalls von Verletzten.

Bei der ATF handelt es sich um eine Einsatzeinheit, die auf die Untersuchung von chemischen Gefahrstoffen spezialisiert ist. Sie wird herangezogen, wenn schnell genaue Informationen über die Zusammensetzung von unbekannten und gefährlichen Stoffen an einer Einsatzstelle benötigt werden. Sie ist rund um die Uhr einsatzbereit und kann bei Bedarf auch im Ausland eingesetzt werden. Als mobile Spezialeinheit umfasst ihr Einsatzgebiet einen Radius von 200 km um den eigenen Standort. Das Personal setzt sich aus Angehörigen der Berufs- und der Freiwilligen Feuerwehr zusammen, die innerhalb einer kurzen Reaktionszeit von nur zwei Stunden nach Alarmierung Hilfe leisten können. Eine voll ausgestattete ATF-Einheit verfügt über qualifiziertes Personal, modernste feldtaugliche Messgeräte, zwei ABC-Erkundungskraftwagen, einen Einsatzleitwagen und einen Gerätewagen.

Die MTF ist eine taktische Einheit für den Massenanfall von Verletzten und Erkrankten (MANV) und ist in der Lage, auch länderübergreifend Spezialkräfte für Hilfeleistungen zu stellen. Neben der Verstärkung des präklinischen Behandlungspotentials am Behandlungsplatz mit der Möglichkeit zur Dekontamination Verletzter sind zusätzliche Transportkapazitäten für Verletzte vorhanden. An einem Behandlungsplatz können bis zu 100 Verletzte über einen längeren Zeitraum versorgt werden. Jeder Einheit werden 20 Fahrzeuge mit acht verschiedenen Fahrzeugtypen und 110 Helfer zur Verfügung stehen.

Krankentransportwagen Typ B - Innenansicht Krankentransportwagen Typ B - Innenansicht, KTW Typ B (Vergrösserung öffnet sich im neuen Fenster)Kran­ken­trans­port­wa­gen Typ B Quelle: BBK

Die Unterstützungskomponente besteht aus standardisierten Einsatzfahrzeugen, die die Kernelemente im Brandschutz und in der Betreuung ergänzen. Dazu zählen

  • Löschgruppenfahrzeuge
  • Gerätewagen Logistik Wasserversorgung
  • Gerätewagen Betreuung
  • Betreuungs-Kombi und
  • Krankentransportwagen.

Die Länder können die Ausstattung innerhalb ihres Ergänzungsvolumens an Besonderheiten der Länder anpassen (Flexibilisierung). Damit wird sichergestellt, dass sich die ergänzende Ausstattung des Bundes in die jeweiligen Länderkonzepte für den Katastrophenschutz integriert.

Die Veränderungen im Detail

Im Vergleich zum vorherigen Konzept wurde die Anzahl der Ausstattung im Betreuungsdienst stark und im Brandschutz leicht reduziert. Die Ausstattung im Sanitätsdienst sollte nicht mehr in vorhandene Einheiten der Länder bzw. Kommunen eingegliedert sein. Die neuen MTFs sind vielmehr als eigenständige Einheiten einsetzbar und erhalten daher eigene Führungs- und Logistikkomponenten. Sie sind als geschlossene Einheiten auch landesübergreifend abruf- und einsetzbar.

Auch für die bundesweit rund 500 ABC-Erkundungskraftwagen (ABC-ErkKW) der standardisierten Ausstattung für CBRN-Lagen wird die Führung verbessert, indem sie mit eigenen Messleitfahrzeugen ausgestattet werden. Bis zu fünf ABC-ErkKW können von einem Messleitfahrzeug geführt werden. Das Messleitfahrzeug fungiert als Verbindung zur Einsatzleitung. Zudem werden 450 Dekontaminationslastkraftwagen (Dekon-LKW P) zur schnellen Dekontamination der Einsatzkräfte und ggf. betroffener Personen vom Bund zur Verfügung gestellt. Insgesamt hat die Neukonzeption das Qualitätsniveau der Ausstattung deutlich angehoben.

 Karte mit den ATF-Standorten Kar­te mit den ATF-Stand­orten Quelle: BBK

Bislang sind sieben ATF-Standorte in Deutschland mit hoch sensibler Sensorik für chemische, radioaktive und nukleare Gefährdungen eingerichtet worden. Weitere vier ATF-Standorte für biologische Gefährdungen sind in den nächsten Jahren geplant. Von der MTF werden bundesweit insgesamt 61 MTF-Einheiten aufgestellt. 2010 wurden die beiden Pilotstandorte in Hessen und Rheinland-Pfalz eingerichtet. Die Einheiten für den Transport von Patienten sind bereits bundesweit vollständig mit Krankenkraftwagen ausgestattet. Von den acht verschiedenen Fahrzeugtypen sind weitere drei Einsatzmittel konzipiert und befinden sich in der Beschaffung beziehungsweise in der Auslieferung. Insgesamt werden 1.242 zusätzliche Fahrzeuge für den Einsatz der MTF zur Verfügung stehen. Davon sind 639 Fahrzeuge bereits in verschiedenen Modulen vorhanden.

Das Ausstattungskonzept von 2008 umfasst bundesweit insgesamt rund 5.000 Fahrzeuge, für die jährlich rund 50 Mio. Euro zur Verfügung stehen. Die Länder genießen bei der Unterstützungskomponente ein Wahlrecht hinsichtlich der Zusammensetzung der Fahrzeugtypen, um sie an die jeweiligen Landesbedürfnisse anzupassen.

Die Anzahl der ZSH des Bundes wurde von ursprünglich 24 auf 16 Stück reduziert. Sie sind bundesweit an 12 Luftrettungsstationen einsatzbereit.