Risikoanalysen Bund und Länder

Die Risikoanalyse ist zentraler Bestandteil und unverzichtbares Instrument des Risikomanagements im Bevölkerungsschutz und Grundlage für fundierte Entscheidungen zum Umgang mit Risiken. Bund und Länder führen die bundesweite, ressortübergreifende Risikoanalyse durch; verantwortlich ist das Bundesministerium des Innern (kurz: BMI). Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (kurz: BBK) koordiniert den Prozess und bezieht relevante Behörden und Expertisen anderer Bereiche in die Analyse ein. Über die Ergebnisse wird der Bundestag jährlich unterrichtet.

Aktuelle Entwicklungen

Bericht zur Risikoanalyse für den Zivilschutz 2025 – Einsatz chemischer Kampfstoffe

Eine ressortübergreifende Arbeitsgruppe hat 2025 die Risikoanalyse „Einsatz chemischer Kampfstoffe“ fertig gestellt. Im Bericht zur Risikoanalyse an den deutschen Bundestag berichtet das BMI über die Ergebnisse. Die Analyse zielt darauf ab, Auswirkungen des Szenarios aufzuzeigen und Handlungsempfehlungen für eine Optimierung des Hilfeleistungssystems in Deutschland abzuleiten.

Im Rahmen des Gesamtszenarios zur Konzeption Zivile Verteidigung (kurz: KZV) kommt es zu einem militärischen Aufmarsch eines Aggressors an den östlichen Grenzen des NATO-Bündnisgebietes und als Reaktion darauf zu einem Aufmarsch von NATO-Kräften.

In dieser Phase verübt der Aggressor drei Anschläge mit chemischen Kampfstoffen auf militärisch bedeutsame Logistikknotenpunkte in Deutschland. Angenommene Anschlagsorte sind ein Seehafen, ein Rangierbahnhof und ein Materialdepot der Bundeswehr.

Ziel der Anschläge ist es, die Drehscheibenfunktion Deutschlands und somit den Aufmarsch alliierter Truppen an der Bündnisgrenze zu behindern. Zum Einsatz kommen der Nervenkampfstoff VX sowie der Hautkampfstoff Schwefellost.

Das gewählte Szenario ist fiktiv. Neben dem beschriebenen Szenario sind ebenso zahlreiche andere Verläufe im Rahmen des Gesamtszenarios zur KZV plausibel. Auf Grundlage des Szenarios werden die Auswirkungen analysiert und Handlungsempfehlungen herausgearbeitet, die eine Risikobewertung und Risikobehandlung ermöglichen sollen.

Ziel ist es, Schwachstellen, Fähigkeitslücken und Optimierungsbedarfe für das gesamte Hilfeleistungssystem in Deutschland herauszuarbeiten und schließlich konkrete Handlungsempfehlungen für die entscheidungstragenden Stellen in Politik, Verwaltung und weiteren Bereichen zu geben.

Den Bundestagsbericht zur Risikoanalyse für den Zivilschutz 2025 – Einsatz chemischer Kampfstoffe finden Sie unter folgender Adresse:

Bitte Beachten Sie, dass es sich dabei um eine vorläufige Version handelt, die durch eine lektorierte Fassung ersetzt wird.

Bericht zur Risikoanalyse für den Zivilschutz 2023

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine bedeutet eine fundamentale Veränderung der Sicherheitslage für Gesamteuropa. Dies hat in Deutschland zu einer sicherheitspolitischen Zeitenwende geführt. Die Nationale Sicherheitsstrategie betont die Dringlichkeit und den herausgehobenen Stellenwert von Wehrhaftigkeit und Resilienz für die staatliche und gesellschaftliche Sicherheitsvorsorge.

Die Einsicht dieser Notwendigkeit drückt sich nicht alleine in der finanziellen Unterstützung der militärischen Verteidigung in Form des Sondervermögens für die Bundeswehr in Höhe von 100 Milliarden Euro aus. Auch die zivile Verteidigung als gleichwertiger Teil der Gesamtverteidigung unterliegt einem beschleunigten Weiterentwicklungsprozess.

Vor dem Hintergrund dieser Zeitenwende sind zukünftig Szenarien mit Relevanz für die zivile Verteidigung, insbesondere für den Zivilschutz, Gegenstand der durchzuführenden Risikoanalysen. Seit 2023 werden insgesamt vier Szenarien mit chemischem, biologischem, radiologischem und nuklearem Bezug erarbeitet und analysiert. Diese Szenarien fügen sich ein größeres Gesamtszenario ein, das einen möglichen und plausiblen Konfliktverlauf beschreibt.

Dieses Gesamtszenario wird im „Bericht zur Risikoanalyse für den Zivilschutz 2023“ (Bundestags-Drucksache 20/10476) beschrieben und bildet neben der Risikoanalyse auch die Grundlage für die Umsetzung der Konzeption Zivile Verteidigung. Das erste Teilszenario, das derzeit analysiert wird, befasst sich mit dem Einsatz chemischer Kampfstoffe.

Konzeption Zivile Verteidigung

Die Konzeption Zivile Verteidigung (kurz: KZV) aus dem Jahr 2016 - als Gegenpart zu den Verteidigungspolitischen Richtlinien von 2023 - bildet die konkrete Planungsgrundlage für die zivile Verteidigung. Ihre Umsetzung gilt es zu beschleunigen und weiter zu optimieren.

Zu diesem Zweck hat die Innenministerkonferenz im Dezember 2022 einschlägige Beschlüsse gefasst. Neben der priorisierten Bearbeitung weiterer Rahmenkonzepte der KZV ist die Erarbeitung eines „Gesamtszenarios Zivile Verteidigung“ unter Berücksichtigung der Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine eine entscheidende Folge dieser Beschlüsse.

Erarbeitet wurde dieses Gesamtszenario in enger Abstimmung mit dem Territorialen Führungskommando der Bundeswehr. Es beschreibt einen hypothetischen Konfliktverlauf beginnend mit hybriden Bedrohungen über den Aufmarsch eines Aggressors an der Nato-Außengrenze bis hin zum Angriff des Aggressors auf das Bündnisgebiet und auch auf die Bundesrepublik selbst.

Das Gesamtszenario dient als Unterstützung für die Erarbeitung von Rahmen- und Fähigkeitskonzepten der KZV sowie als Grundlage für die Überprüfung bereits bestehender Konzepte vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Sicherheitslage.

Steckbriefe

Die vom BBK erarbeiteten Steckbriefe zu den Risikoanalysen im Bevölkerungsschutz Bund ermöglichen auf zwei Seiten einen schnellen Überblick über die wichtigsten Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen der Risikoanalysen.

Ziel der Steckbriefe ist es, durch eine verständliche und graphisch ansprechende Aufbereitung der Inhalte eine bessere Kommunikation der umfangreichen Analyseergebnisse an die Öffentlichkeit zu fördern und so für die analysierten Gefahren zu sensibilisieren.

Neugierig? Zugänglich sind die Steckbriefe sowie alle Risikoanalysen unter dem Reiter „Analysen des Bundes“ weiter unten auf dieser Seite.

10 Jahre Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz Bund

Die Bewältigung der Corona-Pandemie und der Hochwasserereignisse im Juli 2021 in West-, Süd- und Ostdeutschland haben den Bevölkerungsschutz in Deutschland an die Belastungsgrenze und darüber hinaus geführt. Um in Zukunft besser auf solche Extremereignisse vorbereitet zu sein lohnt sich Blick auf die Ergebnisse bereits bestehender Risikoanalysen im Bevölkerungsschutz.

Die Publikation „10 Jahre Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz Bund“ fasst die bisher auf Bundesebene durchgeführten acht Risikoanalysen zusammen. Gleichzeitig zeigt sie aktuelle Entwicklungen auf Landes- und internationaler Ebene im Bereich „Risikoanalyse“ auf und richtet abschließend den Blick in die Zukunft.

Methodischer Ansatz seit 2010

Auf Wunsch der Länder entwickelte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe eine Methode für die Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz. Der methodische Ansatz sowie administrative Prozesse der Risikoanalyse wurden in den Bundestagsberichten 2010 und 2011 publiziert.

Die Methode wurde auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse entwickelt und ist am internationalen Standard des Risikomanagements der ISO-Normen 31000 und 31010 orientiert. Ergebnisse des fachlichen Austausches mit den Ländern, zahlreichen Bundesbehörden sowie Wissenschaftseinrichtungen sind ebenfalls in die Entwicklung der Methode eingeflossen.

Die Vorgehensweise wird im Arbeitsprozess kontinuierlich überprüft und in Pilotprojekten zwecks Anwendung auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte weiterentwickelt.

Mit dieser grundlegenden Methodik können auf allen administrativen Ebenen Risikoanalysen im jeweiligen Zuständigkeitsbereich durchgeführt werden.

Die daraus gewonnenen Erkenntnisse können den Verantwortlichen als Entscheidungsgrundlage im Risiko- und Krisenmanagement dienen. Ein kontinuierlicher Austausch zwischen Bund und Ländern über die Netzwerke des BBK unterstützt das Zusammenwirken und das gemeinsame Nutzen von Erkenntnissen.

Analysen des Bundes

Kontakt Risikoanalyse

📧 Risikoanalyse@bbk.bund.de

Kontakt für Risikoanalysen Bund und Länder / Kommunen