Studie: Stärkung der Handlungsfähigkeit der Bevölkerung in Krisen
Zur Studie
Die Studie verfolgt dabei das Ziel, sozialwissenschaftliche und verhaltenspsychologische Leitlinien für eine Risikokommunikation zu erstellen, die auf die Lebenswelt der Bevölkerung ausgerichtet ist.
Als Teil der Studie wurden insgesamt 1.500 Bürgerinnen und Bürger vom 26.November 2024 bis zum 17. Januar 2025 zu Themen der Vorsorge befragt. Daraus lassen sich erste Ergebnisse ableiten.
Warum viele Menschen trotzdem nicht vorsorgen
Trotz zahlreicher Informationskampagnen, Ratgeber und Appelle zur Notfallvorsorge bleibt die Bereitschaft vieler Menschen gering, sich aktiv auf Krisen oder Katastrophen vorzubereiten. Selbst Personen, die bereits einmal von einer Katastrophe betroffen waren, treffen häufig keine umfassenden Vorsorgemaßnahmen. Doch woran liegt das?
Bewusstsein ja – Handeln nein
Eine bundesweit repräsentative Telefonbefragung des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (kurz: BBK) aus dem Zeitraum November 2024 bis Januar 2025 zeigt ein zwiespältiges Bild. Zwar erkennen rund 46 Prozent der Befragten an, dass sie selbst Verantwortung für den Schutz ihres Alltags tragen. Dennoch sehen 61 Prozent den Staat als Hauptakteur für die Bewältigung von Krisen und Notfällen.
Etwa die Hälfte der Teilnehmenden gibt an, bereits gewisse Vorsorgemaßnahmen ergriffen zu haben – etwa das Anlegen von Lebensmittel- oder Trinkwasservorräten. Auffällig ist jedoch: Menschen, die bereits eine Katastrophe erlebt haben, betreiben deutlich häufiger Vorsorge als jene, die noch nicht betroffen waren.
Wahrnehmung von Risiken beeinflusst Vorsorge
Ein zentrales Ergebnis der Studie: Erst wenn eine Bedrohung als real empfunden wird, steigt die Bereitschaft zur Vorbereitung. Eine Langzeiterhebung der R+V Versicherung zu den größten Ängsten der Deutschen unterstreicht diesen Zusammenhang. In der 2024er-Umfrage rangieren Naturgefahren lediglich auf Platz 13. Davor stehen Sorgen über steigende Lebenshaltungskosten, Krankheit, Migration oder politischen Extremismus.
Mit anderen Worten: Viele Menschen nehmen Naturkatastrophen nicht als akute Gefährdung wahr – und beschäftigen sich deshalb kaum mit Katastrophenschutz und Vorsorge.
Hindernisse bei der praktischen Umsetzung
Neben mangelndem Risikobewusstsein gibt es zahlreiche alltägliche Hürden. Laut BBK-Umfrage reagieren viele Menschen erst, wenn der Notfall bereits eingetreten ist. Andere verlassen sich auf Unterstützung durch Familie oder Freunde, statt eigene Vorsorgepläne zu entwickeln. Häufig genannt werden auch fehlende Zeit und Platzmangel für Vorräte oder Ausrüstung.
Diese Hemmnisse machen deutlich: Notfallvorsorge ist kein rein rationales Thema. Motivation, Lebensumstände und persönliches Sicherheitsgefühl spielen gleichermaßen eine Rolle.
Fazit: Vorsorge braucht vielfältige Ansätze
Um mehr Menschen zu aktiver Katastrophenvorsorge zu bewegen, reichen reine Informationsangebote nicht aus. Es braucht eine Kombination aus verständlicher Aufklärung, zielgerichteter Kommunikation und sozialpolitischen Maßnahmen, die Vorsorge alltagstauglich machen. Nur so kann langfristig ein stärkeres Bewusstsein entstehen – und mit ihm die Fähigkeit, im Ernstfall wirklich vorbereitet zu sein.
Reihe Informationen zur politischen Bildung widmet sich dem Bevölkerungsschutz
In der Reihe Informationen zur politischen Bildung hat die Bundeszentrale für politische Bildung bpb ein neues Themenheft Bevölkerungsschutz herausgegeben. In diesem Themenheft sind Entwicklung, Struktur und Aufgabenspektrum des Zivil- und Katastrophenschutzes in Deutschland anschaulich, detailreich und fachkundig zusammengestellt.