Fähigkeitsmanagement von Bund und Ländern

Extreme Hochwasser und großflächige Vegetationsbrände erhöhen den Druck auf den Bevölkerungsschutz. Um in dynamischen Lagen schnell und effektiv länderübergreifende Hilfe (kurz: lüH) zu leisten, setzen Bund und Länder verstärkt auf Fähigkeitsmanagement (kurz: FäM) – weg von starren Einheiten, hin zu klar definierten, messbaren Leistungen.

Länderübergreifende Hilfe (kurz: lüH)

In Deutschland liegt die Zuständigkeit für den Katastrophenschutz grundsätzlich bei den Bundesländern, die gemäß Artikel 70 in Verbindung mit Artikel 30 des Grundgesetzes verantwortlich sind.

Reichen die eigenen Bewältigungskapazitäten bei einem Ereignis nicht aus, greifen die Mechanismen eines Konzepts, das Bund und Länder für die bundesweite länderübergreifende Katastrophenhilfe abgestimmt haben, und zwar in der Fassung von 2014.

Ziel ist es, Regionen, die von einem Ereignis betroffen sind, schnell und gezielt zu unterstützen.

Das betroffene Bundesland richtet dazu ein Hilfeleistungsersuchen entweder direkt an ein anderes Bundesland, wodurch das bilaterale Verfahren genutzt wird, oder an den Bund, wodurch das multilaterale Verfahren zum Tragen kommt.

Sie sehen eine Infografik zur  Darstellung von Reaktionszeiten unter Berücksichtigung von Anforderungs- und Informationswegen. Quelle: BBK
Abbildung 1: Darstellung von Reaktionszeiten unter Berücksichtigung von Anforderungs- und Informationswegen
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Zentraler Knotenpunkt für die Koordination ist das Gemeinsame Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern, das im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (kurz: BBK) angesiedelt ist.

Vision

In der Vergangenheit stellte das bewährte Konzept der länderübergreifenden Hilfe (kurz: lüH) sowohl die anfordernden Stellen als auch die Hilfe entsendenden Stellen vor Herausforderungen.

Wenn ein Bundesland beispielsweise einen Wasserrettungszug anforderte, war nicht immer sichergestellt, dass die eintreffende Einheit aus einem anderen Bundesland über dieselbe Ausstattung oder Personalstärke verfügte wie die eigens vorgehaltene Einheit.

 Genau hier setzt das Fähigkeitsmanagement (kurz: FäM) an:

Es dient in diesem Prozess als zentrales Werkzeug, um die Kommunikation zwischen Anfordernden, Vermittelnden und Hilfe Leistenden präziser zu gestalten.

Fähigkeitsmanagement

Das Fähigkeitsmanagement (kurz: FäM) ist eine Methodik zur standardisierten Beschreibung von Hilfeleistungen. Anstatt benötigte Unterstützungskräfte über ihre Bezeichnung, etwa als Zug oder Gruppe, anzufordern, werden sie über ihre Fähigkeit beschrieben, also über die konkrete Wirkung, die sie im Einsatz entfalten sollen.

Eine Fähigkeit ist dabei klar definiert durch:

  • Mindestleistung:
    Eine messbare Größe, zum Beispiel die Förderung von 1.000 l/min Löschwasser über eine Strecke von mindestens 2.000 m in der Ebene.
  • Obergrenzen:
    Festgelegte Maxima für Personal und Fahrzeuge, damit die logistische Planung für den Anforderer, etwa bei Unterbringung, Kraftstoff und Stellflächen, berechenbar bleibt.
  • Autarkie:
    Die Fähigkeit, in den ersten 36 Stunden nach dem Eintreffen weitgehend unabhängig von externer Logistik zu operieren.

Vegetationsbrandbekämpfung mit Fahrzeugen

Aufgabe

  • Eigenständige bodengebundene Brandbekämpfung ausgedehnter Wald- und Vegetationsbrände mit Fahrzeugen in unwegsamem Gelände

Leistunsfähigeit

  • Eigenständige Brandbekämpfung am Boden an vier Stellen als Gesamtbrandbekämpfung,
  • Sicherstellung notwendiger Löschwasserversorgung durch 4 Fahrzeuge mit jeweils mindestens 2000 Litern,
  • Mitführung des Zusatzbeladungssatz Waldbrand

Rahmenbedingungen der Einheit

  • Führung gemäß Stufe B der Feuerwehrdienstvorschrift 100,
  • maximal sieben Fahrzeuge,
  • maximale Personalstärke 22 Einsatzkräfte.

Beispielhafte Aufstellung einer Einheit zur Vegetationsbrandbekämpfung

Aufbau der Führung

  • ein Einsatzleitwagen-1 (kurz:  ELW 1) oder Kommandowagen (kurz: KdoW), geländegängig bei Bedarf

Fahrzeuge und Gerät

  • vier wasserführende, geländegängige Löschfahrzeuge der Kategorie 3
  • ein Gerätewagen Logistik (kurz: GW-L) für persönliches Gepäck

Personalstärke

  • -/1/6/10/17

Anwendung in der Praxis

Die Erfahrung aus Großlagen, etwa dem Hochwasser 2024 im Saarland, in Rheinland-Pfalz und später in Süddeutschland, zeigt, dass Schnelligkeit und Passgenauigkeit über den Einsatzerfolg entscheiden.

Das Fähigkeitsmanagement (kurz: FäM) bietet dabei drei wesentliche Vorteile:

  1. Vergleichbarkeit:
    Ein Fähigkeitsmodul zur Vegetationsbrandbekämpfung aus Bayern erbringt dieselbe Leistung wie ein entsprechendes Modul aus Nordrhein-Westfalen.
  2. Effizienz:
    Angefordert wird genau das, was vor Ort fehlt – nicht mehr und nicht weniger.
  3. Planungssicherheit:
    Da Personalstärken und Fahrzeugzahlen begrenzt sind, lassen sich Ressourcen gezielter zuteilen, ohne die Aufnahmekapazitäten, etwa in Bereitstellungsräumen, zu überlasten.

Ein weiterer Vorteil des FäM liegt in der Kombinierbarkeit der Fähigkeiten. Sie sind bewusst so aufgebaut, dass sie sich wie Bausteine zusammenfügen lassen.

So kann beispielsweise eine Fähigkeit zur Löschwasserförderung nahtlos mit Fähigkeiten zum Löschwassertransport und zur Löschwasserübergabe kombiniert werden, um eine passgenaue Antwort auf das jeweilige Schadensereignis zu ermöglichen.

Stand Februar 2026

Das momentane Portfolio mit über 40 Fähigkeiten ist im Anlagendokument des Rahmenkonzepts nach den folgenden Bereichen gegliedert:

  • Führung und Lage:
    Fähigkeiten für die personellen Unterstützung von Stäben bis hin zur Drohnen-gestützten Lageerkundung aus der Luft.
  • Brandbekämpfung und Löschwasserversorgung:
    Spezialisierte Fähigkeiten zur Wald- und Vegetationsbrandbekämpfung sowie zur Sicherstellung der Löschwasserversorgung.
  • Technische Hilfe:
    Fähigkeiten zur Rettung von Betroffenen mit Booten bis hin zur Beseitigung und Beräumung von Holztrümmern, Schutt oder Schuttgut.
  • Medizinische Versorgung und Betreuung:
    Fähigkeiten für den Patiententransport in unwegsamem Gelände bis hin zur ortsfesten Unterbringung und Versorgung von bis zu 200 Betroffenen.
  • Logistik:
    Fähigkeiten zur Sicherstellung der Trinkwasser-, Notstrom- und Betriebsstoffversorgung sowie zur Organisation von Sandsackfüllplätzen.

Bund-Länder-offene-Arbeitsgruppe Fähigkeitsmanagement

Die Bund-Länder-offene-Arbeitsgruppe Fähigkeitsmanagement (kurz: BLoAG FäM) trägt diesen Prozess. In ihr arbeiten Vertreterinnen und Vertreter der 16 Bundesländer, der Hilfsorganisationen und des Bundes zusammen. Über die jeweiligen Vertretenden gelangen Änderungs- und Ergänzungsvorschläge in die BLoAG.

Die BLoAG FäM entstand am 29. September 2022 aus der Unterarbeitsgruppe Fähigkeitsmanagement der Arbeitsgemeinschaft Nationaler Waldbrandschutz des Ausschusses für Feuerwehrangelegenheiten, Katastrophenschutz und zivile Verteidigung (kurz: AFKzV).

Der 54. AFKzV und anschließend der 105. Arbeitskreis V der ständigen Konferenz der Innenminister und Senatoren der Länder nahmen das überarbeitete Rahmenkonzept Fähigkeitsmanagement von Bund und Ländern zuletzt in ihren Sitzungen zur Kenntnis und empfahlen es zur Umsetzung.

Hinweise

Weitere Ressourcen-Register

Die bestehenden Kataloge des Technischen Hilfswerks, der Bundespolizei und der Bundeswehr bleiben vom FäM unberührt. Gleiches gilt für vorhandene oder künftig entstehende Register von Spezialressourcen. Die dort aufgeführten spezialisierten Fähigkeiten können beispielsweise über die etablierten Wege der Amtshilfe angefordert werden.

Katastrophenschutzverfahren der EU (kurz: UCPM)

Die Fähigkeitsmodule des FäM von Bund und Ländern stehen unabhängig von den Regelungen des Katastrophenschutzverfahrens der EU und den darin definierten EU-Modulen. In ihrer Grundidee ähneln sie sich jedoch.

Kontakt

AG Fähigkeitsmanagement

📧 ag-faem@bbk.bund.de

Bei Fragen zum Fähigkeitsmanagement von Bund und Ländern wenden Sie sich an uns!

Downloads

Informationen des Deutschen Feuerwehrverbands

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