Navigation und Service

Chronik des Zivil- und Bevölkerungsschutzes in der Bundesrepublik Deutschland im Überblick

1946 bis 1956

Als der alliierte Kontrollrat die Luftschutzorganisationen und -einrichtungen 1946 auflöste, entstanden erhebliche Lücken im Schutz der Bevölkerung vor Gefahren und Schäden. Trotz aller Bestrebungen, diese Lücken zu schließen, bot erst die Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1949 die Möglichkeit für entsprechende Aktivitäten.

Unter Gustav Heinemann, Bundesinnenminister von 1949 bis 1950 und späterer Bundespräsident, beginnt ab 1950 der Aufbau des Technischen Hilfswerks, einer Katastrophenschutzorganisation des Bundes, die eine gewisse Ähnlichkeit zur 1945 aufgelösten Technischen Nothilfe aufwies. Gleichzeitig schließen sich Wissenschaftler in einer „Kommission zum Schutz der Zivilbevölkerung gegen atomare, biologische und chemische Angriffe“ zusammen. Deren Verwaltung liegt zunächst bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Später heißt dieses Gremium „Schutzkommission beim Bundesministerium des Innern“.

Nachdem die Westalliierten ihre Zustimmung zur Durchführung ziviler Luftschutzmaßnahmen erteilt hatten, überträgt das Bundeskabinett dem Bundesminister des Innern die Federführung für den Aufbau des Luftschutzes. Dies führt 1952 zur Bildung einer Unterabteilung für zivilen Luftschutz und, durch Beschluss des Bundeskabinetts, 1953 zur Errichtung einer Bundesanstalt für zivilen Luftschutz.

Eine Grundgesetzänderung im Jahre 1956 erlaubt dem Bund den Aufbau der Bundeswehr und spricht ihm die Kompetenz zu, den Schutz der Zivilbevölkerung gesetzlich zu regeln. Damit werden die Voraussetzungen für den endgültigen Aufbau eines Zivilschutzes in der Bundesrepublik Deutschland geschaffen.

1957 bis 2001

Durch Erlass wird 1957 in Bad Godesberg die Bundesdienststelle für zivilen Bevölkerungsschutz errichtet, eine Vorgängerin des Bundesamtes für Zivilschutz. Am 9. Oktober 1957 tritt das „Erste Gesetz über Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung (1. ZBG)“ in Kraft, ihm folgt ein Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Errichtung eines Bundesamtes für zivilen Bevölkerungsschutz (BzB). Dieses Gesetz tritt am 5. Dezember 1958 in Kraft. Mit der Neufassung dieses Gesetzes vom 10. Juli 1974 erhält das Amt den Namen „Bundesamt für Zivilschutz“ (BZS).

Mit Inkrafttreten des Haushaltssanierungsgesetzes (HsanG) vom 28. Dezember 1999 wird das BZS aufgelöst und seine Aufgaben werden in vollem Umfang dem Bundesverwaltungsamt übertragen. Ab dem 01. Januar 2001 werden die Zivilschutzaufgaben des Bundes nun durch die Zentralstelle für Zivilschutz des Bundesverwaltungsamtes wahrgenommen.

2002 bis 2004

Als eine Antwort auf neue Bedrohungen - wie die des 11. September 2001 und der Hochwasserkatastrophe 2002 - wird am 1. Mai 2004 das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) mit Sitz in Bonn errichtet. Mit diesem Amt besitzt die Bundesrepublik Deutschland nun ein zentrales Organisationselement für die Zivile Sicherheit. Im September 2004 wird Christoph Unger vom damaligen Bundesminister des Innern Otto Schily zum Präsidenten des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe berufen.

Vom 29. November bis 1. Dezember 2004 findet die erste Ressort- und länderübergreifende Krisenmanagementübung (LÜKEX-Übung) statt. Die erste strategische Übung dieser Reihe beschäftigt sich mit dem Szenario eines großflächigen Stromausfalles aufgrund einer winterlichen Extremwetterlage. Die LÜKEX-Übungen werden zukünftig regelmäßig durchgeführt. Jeder Übung liegt ein anderes realistisches Szenario zugrunde. Die Zusammenarbeit aller Beteiligten im Katastrophenfall soll hierbei erprobt werden.

2005 bis 2010

2006 geben das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe und das Technische Hilfswerk nach fünf Jahrzenten ihre Liegenschaft in Bonn-Bad Godesberg auf und ziehen nach Bonn-Lengsdorf um.

Die Universität Bonn bietet in Zusammenarbeit mit dem BBK ab 2006 den Masterstudiengang „Katastrophenvorsorge und Katastrophenmanagement“ (KaVoMa) an.

In den folgenden Jahren wird der Zivil- und Katastrophenschutz weiterentwickelt und umstrukturiert. So beschließt das Bundesinnenministerium die Aufgabe der Bunker und Schutzräume. Das BBK wird 2007 neu organisiert: aus sieben Zentren des BBK werden vier Abteilungen.

Um die Einsatzleiter der Feuerwehren optimal unterstützen zu können, wird die so genannte Analytische Task Force (ATF) des Bundes 2007 eingerichtet. Die Analytische Task Force besteht aus besonders für die Bewältigung von CBRN- (chemisch, biologisch, radioaktiv, nuklear) Lagen ausgebildeten Einsatzkräften und spezieller Messtechnik. Das Personal der ATF setzt sich aus Bediensteten der Länder bzw. der Städte zusammen. Auch die Medizinische Task Force (MTF) wird in diesem Jahr ins Leben gerufen. Die MTF ist eine bundesweit im Aufbau befindliche, sanitätsdienstlich taktische Einsatzabteilung mit Spezialfähigkeiten im Zivilschutz.

Das erweiterte und modernisierte Gemeinsame Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern (GMLZ) geht am 6. Februar 2007 in Betrieb.

Klaus-Peter Tiedtke wird am 1. August 2007 Vizepräsident des BBK.

Satellitengestützte Warnsystem des Bundes (SatWaS): Zur Warnung und Information der Bevölkerung bei vorliegenden oder drohenden Gefahren bei Katastrophen und im Verteidigungsfall sowie bei anderen erheblichen Gefahren für die öffentliche Sicherheit wird am 21. November 2007 die Vereinbarung der Innenminister und -senatoren des Bundes und der Länder und der in der ARD zusammengeschlossenen Rundfunkanstalten sowie des DeutschlandRadio unterzeichnet.

Es findet am 5. Dezember 2008 ein Festakt zum Thema „50 Jahre Zivil- und Bevölkerungsschutz in Deutschland“ im ehemaligen Plenarsaal des Deutschen Bundestages in Bonn statt.

Am 10. März 2009 besucht Bundespräsident Horst Köhler das BBK.

Am 09. April 2009 tritt das Gesetz zur Änderung des Zivilschutzgesetzes (ZSGÄndG) in Kraft.

Die „Helfende Hand“, ein Förderpreis, vom Bundesministerium des Innern in Zusammenarbeit mit dem BBK wird ins Leben gerufen. Er zeichnet Ideen und Konzepte aus, die das Interesse der Menschen für das Ehrenamt im Bevölkerungsschutz wecken. Zudem werden Unterstützerinnen und Unterstützer des Ehrenamtes geehrt.

Das neue Internetplattform ILIAS der AKNZ wird im September 2009 bei IuK-Experten-Workshop erstmals vorgestellt.

Am 10.März 2010 wird Ralph Tiesler vom Staatssekretär Klaus-Dieter Fritsche zum Vizepräsidenten des BBK ernannt.

Ende Mai wird das Gemeinsame Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern (GMLZ) die Nationale Anlaufstelle für den Bevölkerungsschutz in Deutschland. Das GMLZ realisiert seitdem verstärkt mithilfe von abgeordneten Kolleginnen und Kollegen der Hilfsorganisationen den Dreischichtbetrieb „24/7/365“.

Im Juni werden in Bonn-Dransdorf die neuen Labore des BBK eingeweiht. Mit dem Umzug der Laboratorien verbindet das BBK gleichzeitig die Modernisierung der Ausstattung seiner physikalischen und chemischen Labore. In diesen wird die Entwicklung von Methoden, Verfahren und Systemen für den Bevölkerungsschutz begleitet und in praktische Lösungen umgesetzt. Sie dienen der Qualitätssicherung von technischen Verfahren für den CBRN-Schutz.

2011 bis 2015

Auch bei der Information der Bevölkerung werden zielgruppenspezifische Angebote entwickelt: 2011 schaltet der damalige Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich das vom BBK entwickelte Kinderinternet max-und-flocke-helferland.de frei.

2013 wird auf der Grundlage des Satellitengestützen Warnsystems (SatWaS) das Modulare Warnsystem (MoWaS ) in Betrieb genommen. Dieses ist unter anderem die Grundlage für die erstmalig 2015 zum Download bereit gestellte Notfall-Informations- und Nachrichten-App, kurz NINA-App. Sie ist die erste ihrer Art und wurde entwickelt, damit dringende Warnmeldungen über Gefahrenlagen weitläufig in der Öffentlichkeit kommuniziert werden können.

Ende Mai – Ende Juni 2013: Hochwasserkatastrophe an Donau, Elbe und Nebenflüssen; das GMLZ setzt das EU-Gemeinschaftsverfahren für Deutschland erstmals in Gang.

Am 19. August 2014 besucht Bundeskanzlerin Angela Merkel das BBK.

Im Rahmen der Flüchtlingskrise 2015 übernimmt das BBK den Aufbau und Betrieb der Koordinierungsstelle Flüchtlingsverteilung Bund (KoSt FV-Bund) in München.

2016 bis 2017

Im August 2016 wird durch den Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière die neue Konzeption Zivile Verteidigung vorgestellt. Diese umfasst Maßnahmen für die friedensmäßige Krisenbewältigung als Reaktion auf die veränderten Anforderungen des sicherheitspolitischen Umfeldes. Die Konzeption fokussiert und stärkt damit die Aufgaben des BBK im Zivilschutz. Um die Zivile Verteidigung weiterzuentwickeln, müssen nun nach der Vorstellung des Konzepts eine Vielzahl von Rechtsgrundlagen angepasst werden. Dazu zählt auf der Ebene der Zivilen Verteidigung vor allem das Zivilschutz- und Katastrophenhilfegesetz (ZSKG).

Im Januar 2017 wird das neue pädagogische Konzept „Rettet die Retter“ für Kindergärten erstmals in der Praxis erprobt. Das Gemeinschaftsprojekt des BMI, des BBK und der Arbeitsgemeinschaft der Augsburger Hilfsorganisationen wurde initiiert, um die Organisationen des Bevölkerungsschutzes bei der Nachwuchsgewinnung zu unterstützen.

Im März wird das neue BBK-Video „Leistungen für einen modernen Bevölkerungsschutz“ auf YouTube veröffentlicht. Der Film zeigt das große Spektrum des Bevölkerungsschutzes und gibt Einblicke in die verschiedenen Aufgaben des BBK.

Ebenfalls im März wird zum ersten Mal die gemeinsame Terrorismusabwehr-Exercise (GETEX) vom BBK koordiniert. Die Polizeibehörden in Bund und Ländern üben dabei gemeinsam mit der Bundeswehr die Zusammenarbeit bei der Terrorabwehr.

Aus der Konzeption Zivile Verteidigung entstehen darüber hinaus weitere, teils neu überarbeitete Rahmenentwürfe zur Unterstützung des Zivilschutzes, beispielsweise das Rahmenkonzept für einen Massenanfall von Verletzten im Zivilschutz, oder das Rahmenkonzept der Medizinischen Task Force. Die Umsetzung der Konzeption Zivile Verteidigung wird zukünftig einen wesentlichen Anteil im Aufgabenbereich des BBK einnehmen.

Die Bundesrepublik Deutschland verpflichtet sich, das „Sendai-Rahmenwerk für Katastrophenvorsorge 2015-2030“ der Vereinten Nationen umzusetzen. Demzufolge beauftragen das BMI, das AA und das BMZ Anfang April 2017 das BBK, eine nationale Koordinierungsstelle für die Bundesrepublik Deutschland einzurichten. So wird das BBK der neue „Sendai National Focal Point“.

Mit dem neuen Online-Spiel „Jagd auf Dr. Superschreck, auf den Kinderinternetseite des BBK, werden ab Juli Kinder auf verschiedene Gefahrenlagen vorbereitet. Auch das EU-Projekt YAPS – „Raising young people’s awareness and self protection – (Stärkung der Selbstschutz- und Selbsthilfefähigkeit junger Menschen) wird mit Beteiligung des BBK im Sommer gestartet. Dabei sollen Kinder lernen, wie sie in Notfällen und Katastrophen reagieren können und wo sie Hilfe bekommen. So wird ihre Selbsthilfefähigkeit und damit ihre Resilienz gesteigert.

Smarter: Eine App für Notfallkommunikation bei Netzausfall wird entwickelt und erfolgreich getestet.

15-jähriges Jubiläum: Die Koordinierungsstelle Nachsorge, Opfer- und Angehörigenhilfe (NOAH) der Bundesregierung unterstützt seit Dezember 2002 Verletzte, Angehörige, Hinterbliebene sowie Zeugen nach schweren Unglücksfällen, Terroranschlägen und Katastrophen im Ausland und bietet psychosoziale Hilfe an. Die Koordinierungsstelle NOAH ist Teil der operativen Elemente in der Abteilung Krisenmanagement des BBK.


Diese Seite:

Abonnieren

BBK

© 2005 - 2018 Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe