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50 Jahre Zivil- und Bevölkerungsschutz in Deutschland

Tief eingeprägt haben sich bei mir seit der Kinderzeit die regelmäßigen Warnungen über die Sirene auf dem Dach meines Elternhauses: Luftalarm, ABC-Alarm, Entwarnung. Noch heute verbinde ich damit ein Gefühl der Bedrohung, aber auch die Erfahrung „durchdringender“ Wirksamkeit. Mittlerweile haben wir ein anderes System zur Warnung der Bevölkerung, ein satellitengestütztes Warnsystem- nicht das Einzige, was sich in 50 Jahren zivilen Bevölkerungsschutzes geändert hat.

Wenn wir in diesem Jahr mit einem Festakt am 5. Dezember 50 Jahre Zivil- und Bevölkerungsschutz in Deutschland würdigen, denken wir in erster Linie an die Errichtung des ersten Bundesamtes für zivilen Bevölkerungsschutz im Jahr 1958. Es hat bereits vor diesem Jahr Organisationen und Behörden gegeben, die mit Teilaspekten dieser Aufgabe befasst waren, so etwa der Bundesluftschutzverband oder die heutige Bundesanstalt Technisches Hilfswerk. Schon gar nicht an die bundesdeutschen Entwicklungen hat sich die Zivilverteidigung der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik gehalten, doch auch den Zivilschutz der DDR stellen wir in einer Festschrift vor.

Der erste Präsident des Bundesamtes für zivilen Bevölkerungsschutz war Dr. Rudolf Schmidt. Nach nur drei weiteren Präsidenten, den Herren Dr. Kolb, Dusch und Schuch habe ich die Leitung der Bundesoberbehörde im Jahr 2004 übernommen – nach einer kurzzeitigen Übergangszeit der Zugehörigkeit zum Bundesverwaltungsamt. Jedoch führe ich nicht nur die Aufgaben des traditionellen Zivilschutzes der ersten Bundesoberbehörde weiter, das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) tritt auch mit einem neuen Auftrag und vielen neuen Aufgaben an. Deshalb wollen wir uns auch mit dem Paradigmenwechsel im 21. Jahrhundert befassen.

Wie aus der sehr kurzen Liste der Präsidenten seit 1958 ersichtlich ist, haben diese jeweils eine recht lange Dienstzeit aufzuweisen - Beständigkeit ist also eines unserer Markenzeichen. Viele unserer Themen begleiten uns ebenfalls beständig: Hier ist unter anderem die Information der Bevölkerung zu nennen. Das Bild der „Aktentasche über dem Kopf“ als Schutz bei einer nuklearen Explosion begleitet uns seit Jahren. Sie wurde der Bevölkerung empfohlen in der Broschüre "Jeder hat eine Chance!", die das Bundesamt für den zivilen Bevölkerungsschutz 1961 an alle Haushalte verteilen ließ. Im Folgejahr titelte das Magazin Der Spiegel dann "Jeder hat keine Chance" und trug damit zur Diskussion über den Sinn und Unsinn des Zivilschutzes unter den Bedingungen eines Atomkrieges bei.

Diese Diskussion, die Friedensbewegung und das Ende des „Kalten Krieges“ haben dazu geführt, dass die ursprünglichen Aufgaben der Bundesoberbehörde in Frage gestellt und aufgegeben wurden. Der Bevölkerungsschutz des 21. Jahrhunderts hat neben den traditionellen Aufgaben neue Aufgaben bekommen. Die Aktentasche besitzt aber heute noch ihre nicht ganz unproblematische Folgewirkung: Unsere Vorschläge zur Selbsthilfe und zum Selbstschutz, die zur Vorbereitung und Bewältigung großer Schadensereignisse wie etwa einem lang anhaltenden Stromausfall notwendig sind, werden häufig unter dem Hinweis auf die damaligen umstrittenen, jedoch von einer Bundesoberbehörde getragenen Empfehlungen abgetan.

Der Zivilschutz alter Prägung war wesentlicher Bestandteil der nationalen Landesverteidigung; heute sind wir zunehmend eingebunden in bilaterale oder europäische Kooperationen im Bevölkerungsschutz, die deshalb ebenfalls in der Festschrift dargestellt werden.

Haupteingang Provinzialstraße Haupteingang Provinzialstraße, Dienstgebäude (Vergrösserung öffnet sich im neuen Fenster)Haupt­ein­gang Pro­vin­zi­al­stra­ße

Seit 1958 hat die Bundesoberbehörde ihren Sitz in Bonn. Das Bundesamt für den Zivilen Bevölkerungsschutz, das Bundesamt für Zivilschutz und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe waren über Jahrzehnte in Bonn Bad Godesberg, seit zwei Jahren sind wir in Bonn-Lengsdorf. Bonn ist mit der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk, dem BBK und auch der Universität der Vereinten Nationen die "Hauptstadt des Bevölkerungsschutzes" in Deutschland. Insofern danken wir der Stadt und dem Land Nordrhein-Westfalen für die stets gute Zusammenarbeit. Danken möchte ich auch allen hauptamtlich und ehrenamtlich Tätigen, die in den letzten 50 Jahren mit ihrem Engagement dazu beigetragen haben, dass Deutschland ein weltweit vorbildliches Gefahrenabwehrsystem hat.

Als Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe habe ich 2004 den „Staffelstab“ übernommen. Wir nehmen traditionelle Zivilschutz-Aufgaben wahr, beispielsweise die Warnung der Bevölkerung, die wir der Bedrohungslage entsprechend weiterentwickeln. Die neuen Aufgaben unseres Amtes sind etwa der Schutz Kritischer Infrastrukturen oder die bundesweite Realisierung einer Risikoanalyse. Auf die Herausforderungen im Bevölkerungsschutz des 21. Jahrhunderts sind wir vorbereitet!

Dezember 2008