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Wassersicherstellung

Neben der Luft zum Atmen ist Trinkwasser das wichtigste Lebensmittel für den Menschen. Die ständige Verfügbarkeit einer Mindestmenge dieses kostbaren Gutes genießt daher unter den staatlichen Bemühungen zur Vorsorge eine besondere Bedeutung.

Aufgabe der Trinkwassernotversorgung nach Wassersicherstellungsgesetz (WasSG) ist die Versorgung der Bevölkerung in Deutschland mit überlebensnotwendigem Trinkwasser im Verteidigungsfall, d.h. die Gewährleistung einer Grundversorgung. Die planmäßige Wassermenge pro Person und Tag beträgt dabei 15 Liter. Darüber hinaus muss Trinkwasser für Krankenhäuser und andere vergleichbare Einrichtungen, Betriebswasser für überlebenswichtige Betriebe, sowie auch Wasser für Nutztiere bereitgestellt werden.

Neu errichteter Trinkwassernotbrunnen in Hamburg Neu errichteter Trinkwassernotbrunnen in Hamburg, Trinkwassernotbrunnen (Vergrösserung öffnet sich im neuen Fenster)Neu er­rich­te­ter Trink­was­ser­not­brun­nen in Ham­burg Quelle: Kut­ter

Bisher hat der Bund über 5.000 Trinkwassernotbrunnen und -quellen geschaffen, die gleichzeitig etwa 25 % der Bevölkerung versorgen könnten. Unter dem Aspekt „Sicherheit“ ist besonders hervorzuheben, dass es sich bei diesen vielen Einzelwasserversorgungen um leitungsnetzunabhängige Anlagen handelt, die sich in der Regel unmittelbar in Wohngebieten von Großstädten und Ballungsräumen befinden. Die Lage der Notbrunnen wurde so gewählt, dass sie jederzeit leicht zugänglich sind und die Versorgungswege für die Bevölkerung nicht unzumutbar lang werden. Die Anlagen sind so konzipiert und ausgestattet, dass sie jederzeit in Betrieb genommen werden können. Sowohl ihre Leistung, als auch die Wasserqualität sind geregelt und werden, genau wie die Betriebsfähigkeit der Anlagen, in regelmäßigen Zeitabständen überprüft.

Die Art der Förderanlage richtet sich nach den hydrogeologischen Verhältnissen und der erforderlichen Förderhöhe. In der Regel werden bei oberflächennahen Grundwasserleitern Handpumpen oder Pumpanlagen mit Verbrennungsmotoren aufgestellt. Tiefere Brunnen werden mit elektrischen Unterwassermotorpumpen ausgestattet. Zur Erhöhung der Ausfallsicherheit ist für jeden Brunnen mit elektrisch betriebener Förderanlage ein Notstromaggregat erforderlich.

Zugabe von Desinfektionstabletten Zugabe von Desinfektionstabletten, Zugabe von Desinfektionstabletten (Vergrösserung öffnet sich im neuen Fenster)Zu­ga­be von Des­in­fek­ti­ons­ta­blet­ten Quelle: Fi­scher / BBK

Im Einsatzfall erfolgt die Abgabe des Wassers an die Bevölkerung über Schlauchleitungen und Zapfstellen in mitgeführte Behältnisse. Dabei werden dem Wasser zusätzlich Desinfektionstabletten zugegeben, um möglichen mikrobiologischen Belastungen entgegenzuwirken.

Die Umsetzung des Wassersicherstellungsgesetzes geschieht auf der Grundlage des WasSG und der zugehörigen Verwaltungsvorschriften mit Hilfe der Bundesauftragsverwaltung. Über jeweils definierte Strukturen in den einzelnen Bundesländern werden die Zuständigkeiten bis zu den Kommunen delegiert. Die Ausführungen der Bau- und Instandhaltungsarbeiten an den Notbrunnen geschieht in der Regel durch Wasserversorgungsunternehmen, Feuerwehren oder andere Beauftrage der Kommunen.

Mehr Informationen zum Thema Wassersicherstellung und Wasserversorgung über Notbrunnen sind im Faltblatt Trinkwassernotversorgung und in dem Fachartikel „Trinkwassernotbrunnen - Wasserversorgung in Extremsituationen“ erhältlich. Die Ausbildung von Fachpersonal in Ländern und Kommunen zu Planung, Bau und Betrieb von Notbrunnen geschieht seitens des Bundes durch Seminare an der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ). Einen wesentlichen Beitrag zur Vorbereitung auf reale Einsatzbedingungen liefern Übungen zur Trinkwassernotversorgung, welche in Großstädten bereits wiederholt stattgefunden haben. Beispiele dazu sind im Artikel „Betrieb eines Bundesnotbrunnens in Darmstadt“ beschrieben und in dem Film „Betriebsübung an einem Trinkwassernotbrunnen in Hamburg“ dokumentiert.

Im Zivilschutzfall liegt die direkte Zuständigkeit für die „Notbrunnen“ beim Bund. Da eine Versorgung der Bevölkerung mit mehr als 30 Tagen nicht vorgesehen ist, wurden hierfür eigene Qualitätsstandards erarbeitet. Die Anlagen der Trinkwassernotversorgung dürfen allerdings jederzeit auch in Not- oder Katastrophenfällen wie z.B. bei Hochwasser oder Sturmschäden oder im Falle von terroristischen Anschlägen und schweren Havarien eingesetzt werden. Dabei verlagert sich die Zuständigkeit hinsichtlich der Wasserqualität in die Bundesländer. Dann ist das Wasser aus den Brunnen jeweils vor Genuss durch den zuständigen Amtsarzt des betroffenen Kreises oder der kreisfreien Stadt freizugeben, wobei die Trinkwasserverordnung (TrinkwV 2001) zu beachten ist.

Insbesondere aus hydrogeologischen Gründen oder bei sehr geringer Bevölkerungsdichte können in einem zu versorgenden Gebiet nicht überall Trinkwassernotbrunnen niedergebracht oder betrieben werden. Daher wird derzeit an einem ergänzenden Konzept der Wassersicherstellung gearbeitet. Es sieht vor allem mobile Ausrüstungskomponenten zum Wassertransport vor, wie trinkwassergeeignete Schlauch- bzw. Schnellkupplungsleitungen, Wechselbehälter oder Wassertransportanhänger.

Wassertransportanhänger als mobile Komponente Wassertransportanhänger als mobile Komponente, Wassertransportanhänger als mobile Komponente (Vergrösserung öffnet sich im neuen Fenster)Was­ser­trans­port­an­hän­ger als mo­bi­le Kom­po­nen­te Quelle: Feu­er­wehr Gör­litz

Die Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York haben in Deutschland einen Prozess zur Anpassung der Inneren Sicherheit in Gang gesetzt, welcher uns durch Terror-Folgeereignisse und zunehmende Naturkatastrophen in Folge des Klimawandels getrieben auch in Zukunft beschäftigen wird. Vor diesem Hintergrund wurden Kritische Infrastrukturen identifiziert, zu denen auch die Öffentliche Trinkwasserversorgung zählt. Dort gerät die Sicherheit der Trinkwasserversorgung stetig zunehmend in den Fokus. Eine Härtung bestehender Strukturen bei erhöhtem Risiko ist wünschenswert und teilweise bereits umgesetzt.

Neben der Trinkwassernotversorgung des Bundes und einer möglichst resilienten Öffentlichen Wasserversorgung als Teil der Daseinsvorsorge trägt nicht zuletzt auch die Eigenvorsorge der Bürger zu einer gesicherten Grundversorgung bei. Im Zuge von Selbstschutz- und Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung sollte daher in jedem Haushalt ein stets verfügbarer Wasservorrat angelegt werden.




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