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Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten von 1954

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ist in der Bundesrepublik Deutschland für die Durchführung der Maßnahmen nach der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten zuständig.

Zu diesen Maßnahmen zählen:

  • die Verbreitung des Wortlautes der Konvention
  • die Sicherungsverfilmung von Archivalien des Bundes und der Bundesländer
  • die Sicherungsverfilmung von Bibliotheksgut
  • die Kennzeichnung von unbeweglichem Kulturgut
  • die fotogrammetrische Erfassung der Kulturgüter
  • der Bau von Bergungsräumen für bewegliches Kulturgut
  • die Ausbildung von Personal aus den Führungs- und Funktionsebenen von Museen, von Archiven, von Bibliotheken etc. an der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz

1. Die Haager Konvention

In der Haager “Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten” vom 14. Mai 1954, die von der Bundesrepublik Deutschland neben mehr als 120 anderen Staaten ratifiziert worden ist, verpflichten sich die Hohen Vertragsparteien zur “Sicherung und Respektierung” von “beweglichem oder unbeweglichem Gut, das für das kulturelle Erbe aller Völker von großer Bedeutung ist”.

Außerdem verpflichten sich die Vertragsparteien, schon in Friedenszeiten die Sicherung des Kulturguts auf ihrem Gebiet gegen die absehbaren Folgen eines bewaffneten Konflikts vorzubereiten, indem sie alle Maßnahmen treffen, die sie für geeignet erachten.

2. Kulturelles Erbe eines Volkes

Nach dieser Konvention umfasst das kulturelle Erbe eines Volkes

  • die unbeweglichen Baudenkmäler, die archäologischen Stätten und Gebäudegruppen
  • die Werke der bildenden Kunst und des Kunsthandwerks aller Epochen, die im allgemeinen in Museen aufbewahrt werden
  • die Schöpfungen und Werke der Dichter, Denker, Komponisten und Wissenschaftler, die von Bibliotheken gesammelt werden
  • die schriftlichen Überlieferungen, die handgezeichneten Karten und Pläne, die in Archiven verwahrt werden und auch
  • die Museen, die Bibliotheken, die Archive, die Bergungsorte für bewegliches Kulturgut und die Denkmalorte.

3. Archivgut als Kulturgut

Die in den Archiven verwahrten schriftlichen Überlieferungen der Institutionen des “Alten Reiches” und seiner Territorien, der Klöster und Reichsstädte, der Regierungs- und Verwaltungsstellen des 19. Jahrhunderts, der Weimarer Republik, des “Dritten Reiches” und der Nachkriegszeit dokumentieren ebenso wie das Archivgut der Verbände und Vereinigungen der deutschen Kultur. Auch die archivierten, Geschichte schreibenden Korrespondenzen von Politikern, Unternehmern und Gewerkschaftlern können ein wichtiges Zeitzeugnis für den kontinuierlichen Ablauf der Geschichte des deutschen Volkes sein.

Die Archivalien sind also die historischen Quellen, gleichermaßen für

  • die Herrschaftsgeschichte des Mittelalters
  • die Baugeschichte der Städte und Dome
  • die Geschichte der Reformation und Gegenreformation
  • die Epoche der Aufklärung
  • die sozialen und liberalen Volksbewegungen im 19. Jahrhundert
  • die politische Entwicklung bis zur Gründung des deutschen Reiches
  • das Scheitern der Weimarer Republik
  • die Mechanismen der Gleichschaltung im nationalsozialistischen Unrechtsstaat oder
  • die Errichtung der Bundesrepublik Deutschland nach 1945, den Wiederaufbau und die Wiedervereinigung.

Historiker, Politologen, Schulen und Hochschulen, sowie Forschungsinstitute und Publizisten sind auf diese archivalischen Quellen angewiesen. Deshalb haben die in der Gegenwart Verantwortlichen die Pflicht, dieses kulturelle Erbe so zu sichern, dass es auch in ferner Zukunft nachfolgenden Generationen als Quelle des Wissens zur Verfügung steht.

Mit Sicherungsfilmen bestückte Edelstahlbehälter lagern im Barbarastollen in Oberried

Die Sicherungsverfilmung von Archivalien bildet die derzeitige Schwerpunktaufgabe dieser Maßnahmen. Pro Jahr werden rund 15 Millionen Einzelaufnahmen von den Sicherungsverfilmungsstellen des Bundes und der Bundesländer hergestellt und im Zentralen Bergungsort der Bundesrepublik Deutschland "Oberrieder Stollen" eingelagert.

Bei dem verfilmten Material handelt es sich um Archivalien der Dringlichkeitsstufe 1, also um national wertvolles Archivgut mit besonderer Aussagekraft über die Geschichte und die Kultur des deutschen Volkes. Archivalien sind schriftliche oder graphische Zeugnisse der deutschen Kultur und Geschichte, die nur in einem Exemplar vorhanden sind. Seit 1961 wurden über 1.028 Millionen Aufnahmen dieser Archivalien aus den staatlichen Archiven des Bundes und der Länder sicherungsverfilmt und eingelagert

Die Archivalienbestände der privaten, kommunalen und kirchlichen Archive sind hierin nicht enthalten, obgleich sie auch wichtige Dokumente und Zeitzeugen der kulturellen und gesellschaftlichen Historie darstellen.

Die Mikrofilme werden zur Langzeitkonservierung einem speziellen Klimatisierungsverfahren unterzogen und anschließend in luftdichten Edelstahlbehältern aufbewahrt. Nach neuesten Forschungserkenntnissen können die Mikrofilme so über Jahrhunderte ohne Informationsverlust aufbewahrt werden. Die meisten Hersteller von magnetischen, magneto-optischen oder optischen Speichermedien können derzeit nur eine Garantie von maximal 100 Jahren gewährleisten.

Trotz der stets fortschreitenden Entwicklung im Bereich der digitalen Medien ist der Mikrofilm immer noch das beste Medium für die Langzeitarchivierung, da der Informationsinhalt mit einfachen technischen Mitteln abgerufen werden kann. Zum Anschauen oder Lesen des Mikrofilms benötigt man lediglich eine Lichtquelle (z.B. Tageslicht) und gute Augen oder eine Linse zum vergrößern.

Bei den digitalen Medien ist die Bereithaltung der für den Abruf des Informationsinhaltes notwendigen Hard- und Software eines der Hauptprobleme.

Aus der ehemaligen DDR wurden weitere 8,2 Millionen Meter Mikrofilm von Archivgut der Dringlichkeitsstufe 1 übernommen und auf Polyester-Mikrofilm zur Langzeitarchivierung umkopiert (dupliziert) und eingelagert.

Alle bisher hergestellten und duplizierten Mikrofilme sind in 1.545 Edelstahlbehältern im Zentralen Bergungsort der Bundesrepublik Deutschland in Oberried bei Freiburg im Breisgau eingelagert.

Das BBK hat auch einige Sonderbestände in das Sicherungsverfilmungsprogramm aufgenommen, so z.B. die Zettelarchive des Instituts “Thesaurus Linguae Latinae”, des “Vetus Latinae Institut” Beuron, des “Althochdeutschen Wörterbuchs” der Sächsischen Akademie der Wissenschaften sowie Kontaktaufnahmen (6 x 6 cm) des Messbildarchivs des Brandenburgischen Landesdenkmalamtes (ca. 40.000 Bildplatten) aus der Zeit von 1890 - 1910. Zur Zeit wird das Zettelarchiv von Richard Wossidlo (1859 -1939) zur Verfilmung vorbereitet. Die (Zettel-)Sammlungen des Warener Gymnasialprofessors dokumentieren in europaweit einzigartiger Weise das Volksleben einer Region des 19. und beginnenden 20 Jahrhunderts.

Die Bibliotheksverfilmung ist ein weiteres Aufgabenfeld in der Sicherungsverfilmung, da auch große Bestände der Bibliotheken vom Papierzerfall akut bedroht sind.
Die Sicherungsverfilmung ist die wirtschaftlichste und schonendste Maßnahme zur Informationserhaltung großer Archiv- und Bibliotheksbestände.

Sicherungsverfilmung in Schwarz-Weiß oder in Farbe

Die seit 1961 angewandte Schwarz/Weiß-Verfilmung ist die technisch einfachste und wirtschaftlichste Möglichkeit, um schützenwertes Archivgut langfristig zu sichern.
Sie wird dann angewandt, wenn Inhalte wichtig sind.
Der zweite große Schritt, der jetzt getan wird, ist die Ausbelichtung digitaler Daten auf Farbmikrofilm. Dieser Ilfochrome Film ist sehr viel länger haltbar als „normale“ Farbfilme, hat eine extrem hohe Auflösung und wird mit Laser belichtet.
Ein digital erzeugter Farbmikrofilm ist vorteilhaft, wenn
• Farbbilder lange halten sollen,
• zusätzlich zum Inhalt auch vielfarbige Darstellungen und kunstvolle Verzierungen zu sichern sind,
• farbige Unterschiede, Nachträge oder Korrekturen sichtbar sein sollen und
• eine hohe Auflösung erforderlich ist.