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Bergungsräume für bewegliches Kulturgut

Bergungsräume dienen dazu, das mobile Kulturgut zu sichern. Dabei orientieren sich der technischen Richtlinien an denen der Personenschutzräumen, tragen aber den Besonderheiten der einzulagernden Gegenstände Rechnung. Sie haben ihre gesetzliche Erwähnung in den "Ausführungsbestimmungen zur Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten".

Dreiturmreliquiar aus dem Aachener DomschatzDrei­turm­re­li­qui­ar Quelle: Aa­che­ner Dom­schatz

Sie bieten in einem Gefahrenfall folgenden Schutz:

  • Schutz gegen herabfallende Trümmer, Notausgang, Statische Bemessung für diese Anforderungen
  • Brandschutz gegen Überhitzung und Brandschäden in dem Bergungsraum
  • Schutz vor radioaktivem Niederschlag
  • Wenn es für die Exponate erforderlich ist, eine (Teil-) Klimatisierung, eventuell ein eigenes Stromaggregat mit entsprechender Infrastruktur
  • Wenn eine Belegung mit Personen (Aufsichtspersonal) vorgesehen ist: Lüftungs- und Filteranlage
  • Gute Zugänglichkeit hinsichtlich Türen, Treppen, Rampen
  • Belegungsplan zur Aufnahme der Exponate in gesicherter Lagerung (Schocksicherheit)
  • Gute, möglichst unmittelbare Erreichbarkeit auf jeder Etage
  • Durchstiegsmöglichkeit zwischen den verschiedenen Ebenen (Kontrollfunktion)

Die Bergungsorte können in ein eigenes Register eingetragen werden und erhalten die Kennzeichnung als schutzwürdiges Kulturgut im Sinne des Artikel 1 der Haager Konvention.

Bisher wurden Bergungsräume, die allerdings vom Bund nicht gefördert, aber planerisch vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe begleitet werden können, gebaut in:

  • Sicherung des Domschatzes in Aachen
  • Ledermuseum Offenbach
  • Neue Pinakothek in München
  • verschiedene Museen in Berlin
  • Deutsche Bibliothek in Frankfurt am Main

Die Grundkonzeption einer neuen Sicherheitsarchitektur wird auf diese Technologie - allerdings in abgewandelter Form - zurückgreifen. Der große Vorteil der technischen und planerischen "Idee" dieser Richtlinie liegt in der unmittelbaren Erreichbarkeit auf jeder Etage. Diese Räume können ohne Vorbereitung sofort belegt werden und bieten ausreichenden Schutz gegen Primär- und Sekundärwirkungen. Sie sichern damit unmittelbar am Ort die Ausstellung und die Exponate selbst. Ein aufwändiger und risikoreicher Transport kann entfallen.

Dadurch, dass sich dieser Bergungsraum an den weiteren Schutzkriterien der Personenschutzräume orientiert, ist die Verbindung beider Funktionen eine sinnvolle Ergänzung und ein Einstieg in neue Konzepte.

Bergungsräume sind auch ein Teil des Baulichen Forschungsmanagements. Es trägt die neue Sicherheitsarchitektur zu einer Gesamtheit zusammen, verifiziert es durch Erprobungsbauten und lässt es in technische Regelwerke einmünden.

Bergungsräume werden individuell angepasst und in das friedensmäßige Bauwerk integriert. Sie sind technisch, planerisch und vom Funktionsablauf her vom "ersten Strich an" ein integraler Bestandteil eines Museumsbaus.