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LÜKEX-Historie – von Terror bis Stromausfall

LÜKEX-Übungen finden in zweijährigen Intervallen mit wechselnden Krisenszenarien statt. Das sind die Übungsthemen der vergangenen Jahre:

Die vergangenen Übungsthemen der LÜKEX auf einen Blick Die vergangenen Übungsthemen der LÜKEX auf einen Blick, Die vergangenen Übungsthemen der LÜKEX auf einen Blick (Vergrösserung öffnet sich im neuen Fenster)Die ver­gan­ge­nen Übungs­the­men der LÜ­KEX auf ei­nen Blick Quelle: ei­ge­ne Gra­fik/BBK

LÜKEX 15: Sturmflut an der deutschen Nordseeküste

Die siebte Übung der LÜKEX-Reihe zeichnete sich dadurch aus, dass durch das Übungsthema die Betroffenheit der intensiv beteiligten Bundesländer Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein und damit ein geografisch zusammenhängender Übungsraum vorgegeben war. Darüber hinaus wurde das Szenario so entwickelt, dass auch fünf Ostseeanrainer bzw. Binnenländer in den Übungszyklus eingebunden werden konnten. Auf Bundesebene wirkten Innen-, Verkehrs- und Verteidigungsressort mit, darüber hinaus waren die Hilfsorganisationen und das Technische Hilfswerk (THW) sowie Unternehmen der Verkehrs- und Logistikbranche und Energieversorger involviert.

Für die LÜKEX 15 wurde ein fiktives Sturmflutszenario an der Deutschen Bucht mit mehreren aufeinanderfolgenden schweren bzw. sehr schweren Sturmfluten entwickelt, das durch sein Ausmaß und Folgewirkungen die Katastrophenbewältigungspotentiale des Bundes und der Länder nachhaltig fordern und eine länderübergreifende Zusammenarbeit notwendig machen sollte. Besonders im Fokus standen dabei der Umgang mit der Evakuierung größerer Menschenmengen sowie Fragen zur Warnung der Bevölkerung, zum Ressourcenmanagement und dem Umgang mit der eingeschränkten Verfügbarkeit von Informations- und Kommunikationstechnologie sowie der Energieversorgung.

Ende August 2015 wurde vor dem Hintergrund der damals aktuellen Flüchtlingssituation in Deutschland und der zentralen Rolle der Übungsbeteiligten bei der Unterbringung und Betreuung von Asylsuchenden gemeinsam durch Bund und Länder entschieden, die für Ende November geplante Durchführungsphase der LÜKEX 15 abzusagen. Auch wenn damit ein wichtiger Test für die Gewinnung von Übungserkenntnissen fehlte, konnte doch in der Vorbereitungsphase bereits viel Wissen ausgetauscht, vorhandene Krisenbewältigungskonzepte intensiv auf den Prüfstand gestellt und Erkenntnisse, die letztendlich zu einer Verbesserung des Krisenmanagements führen, diskutiert und weiterentwickelt werden. Damit hat auch der Übungszyklus LÜKEX 15 zur Weiterentwicklung des Krisenmanagements in Deutschland beigetragen.

LÜKEX 13: Biologisches Krisenszenario außergewöhnlicher Art

Etwa 2.000 Personen waren am 27. und 28. November 2013 an der Durchführung der LÜKEX 13, der sechsten strategischen Krisenmanagementübung, beteiligt. Neben Ländern und Behörden des Bundes waren dies unter anderem Unternehmen, etwa des Lebensmittelhandels, sowie Verbände, Hilfsorganisationen und Vertreter der Wissenschaft. Auf Bundesebene waren hauptsächlich das Bundesministerium des Innern (BMI), das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV, heute Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, BMEL), das Bundesministerium für Gesundheit (BMG), das Auswärtige Amt (AA) sowie das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) mit ihren nachgeordneten Behörden in die Übung eingebunden. Neun Länder übten mit, darunter Berlin, Nordrhein-Westfalen und Thüringen mit ihren jeweiligen Landeskrisenstäben als intensiv übende Länder.

Die Übenden wurden während der zweitägigen Übungsdurchführung auf strategischer Entscheidungsebene mit einem Szenario konfrontiert, das im Wesentlichen zwei Herausforderungen beinhaltete: Zum einen der Umgang mit einer absichtlichen Lebensmittelvergiftung, zum anderen die intentionale Ausbringung eines biologischen Erregers auf einer Großveranstaltung. Beide führten in ihrer Gesamtheit zu einer rätselhaften Krankheitswelle in Deutschland. Im Zuge der Bewältigung dieser fiktiven Bedrohungslage stand bei dieser Übung besonders die Krisenkommunikation im Vordergrund. Unter anderem wurden sieben Bürgertelefone beziehungsweise Giftnotrufe während der Übung mit simulierten Anrufen von besorgten Bürgern konfrontiert.

Es konnten zahlreiche Hinweise für eine Optimierung der Bund-Länder-Zusammenarbeit sowie der übergreifenden Krisenbewältigung gewonnen werden. Auf Erfahrungen mit dem EHEC/HUS-Ausbruch im Jahre 2011, der zu einer vergleichbaren realen Lage geführt hatte, konnte zurückgegriffen werden.

LÜKEX 11: Bedrohung der Sicherheit der Informationstechnik durch massive Cyber-Attacken

Bei LÜKEX 11, der fünften Übung der Serie, wurde das Thema IT-Sicherheit wegen seiner zunehmenden Bedeutung für Staat und Gesellschaft ausgewählt. Rund 60.000 Fälle von Cyber-Kriminalität wurden im Jahr 2010 in Deutschland gezählt. Es gibt zahlreiche IT-Systeme von zentraler Bedeutung, deren Ausfall dramatische Folgen für Staat, Gesellschaft und Wirtschaft Deutschlands haben würde.

Das Übungsszenario der LÜKEX 11 ging von IT-Störungen durch zielgerichtete Angriffe aus, die Schwachstellen im System ausnutzten. Als Folge davon können erhebliche Beeinträchtigungen bei Kritischen Infrastrukturen und Versorgungsengpässe im gesellschaftlichen Umfeld eintreten, z.B. in den Bereichen Verkehr, Finanzwesen/Banken und Kommunikation sowie besonders in öffentlichen Verwaltungen (Bund und Länder). Die zweitägige Übungsdurchführung fand am 30. November und 1. Dezember 2011 bundesweit an den realen Standorten der beteiligten Stellen statt. An der Übung waren etwa 2.500 Personen beteiligt.

Im Verlauf der Übung konnte erstmalig der Informationsaustausch im Bereich der IT-Sicherheit zwischen Bund und Ländern auf definierten Meldewegen erfolgreich erprobt und damit die Einrichtung eines VerwaltungsCERT-Verbundes angestoßen werden. Die mit der Übung LÜKEX 11 erreichte Netzwerkbildung bietet eine gute Grundlage für die künftige Zusammenarbeit im allgemeinen Krisenmanagement wie im IT-Krisenmanagement des Bundes, der Länder und der betroffenen KRITIS-Unternehmen sowie der Verbände.


LÜKEX 09/10: Terroristische Bedrohung mit konventionellen Sprengstoffen, chemischen und radioaktiven Tatmitteln („schmutzige Bombe“)

Bei LÜKEX 09/10 im Januar 2010 hatten die Beteiligten mehrere fiktiven Unfälle, Anschlagsdrohungen und Sprengstoffanschläge als Übungsszenarien. Die 36-Stunden-Übung, an der sich der Bund mit rund 20 betroffenen Bundesbehörden und allen 16 Bundesländern beteiligte, verfolgte das Ziel, Krisen in außergewöhnlichen Gefahren- und Schadenslagen bei Tag und bei Nacht zu bewältigen. Auch viele Unternehmen sowie Hilfsorganisationen, Polizei, Feuerwehr und Bundeswehr waren involviert.

Von diesem Szenario besonders betroffen waren private Verkehrsträger für den Nah- und Fernverkehr. Herausfordernd war, neben der bundesweiten Koordinierung von Entscheidungsprozessen im Zusammenhang mit der Früherkennung, Verhütung und Abwehr von Terroranschlägen, die länderübergreifende Abstimmung auf strategischer Ebene bei der Bewältigung der simulierten Großschadensereignisse und Katastrophenlagen.

LÜKEX 07: Weltweite Influenza-Pandemie

Mit sieben Bundesländern, elf Bundesressorts und ca. 50 Unternehmen, Hilfsorganisationen und Verbänden war die LÜKEX 2007 die bisher umfangreichste Übung der Serie. An zwei Tagen übten rund 3.000 Personen in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt und Thüringen den Fall einer bundesweiten Pandemie mit einer fiktiven Erkrankungsrate von 33 Prozent der Bevölkerung, bundesweit ca. 400.000 Krankenhauseinweisungen und ca. 100.000 Todesfällen. Das Szenario war zusammen mit dem Robert Koch-Institut entwickelt worden. Es brachte vor allem wichtige Erkenntnisse hinsichtlich der psychologischen Reaktion der Bevölkerung in Krisensituationen.

Grundlegende Übungsannahme war eine Influenza-Pandemie mit schwerwiegenden gesamtgesellschaftlichen und gesamtstaatlichen Auswirkungen vor dem Hintergrund der anhaltenden durch die terroristische Bedrohung gekennzeichneten Gefahrenlage in Deutschland. Schwerpunkte der Übung waren

  • die gesamtstaatliche Lagebeurteilung
  • abgestimmte Notfallplanungen und Maßnahmen der Gesundheitsvorsorge
  • die Aufrechterhaltung lebensnotwendiger Funktionen bei krankheitsbedingtem Ausfall des Personals
  • die bundesweite Koordinierung knapper Ressourcen und
  • eine breit angelegte, abgestimmte aktive Medien-und Öffentlichkeitsarbeit zur situationsgerechten Information der Bevölkerung

mit einem vorausschauenden, ressortübergreifenden Krisenmanagement.

Die Übung erbrachte erheblichen Nutzen für die nationale Pandemieplanung, insbesondere auch in nicht-gesundheitlichen Bereichen, die von den Auswirkungen einer Pandemie betroffen wären.

LÜKEX 05: Terroristische Anschläge im Zusammenhang mit der Fußball-WM 2006

LÜKEX 2005 orientierte sich thematisch an internationalen Großveranstaltungen. Sie wurde ein Jahr früher als geplant umgesetzt, um die gewonnenen Erkenntnisse für die Sicherheitskonzepte der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nutzen zu können. Dem Drehbuch lagen Terroranschläge auf öffentliche Verkehrseinrichtungen und witterungsbedingte Katastrophen sowie technische Havarien in sechs übenden Bundesländern (Baden-Württemberg, Brandenburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Sachsen) zugrunde. Das Übungsszenario sollte vor allem zeigen, ob Großveranstaltungen trotz hoher Opferzahlen und einer andauernden Bedrohung fortgesetzt werden könnten.

An LÜKEX 05 waren die Krisen- beziehungsweise Verwaltungsstäbe des Bundesministeriums des Innern (BMI) und der Landesregierungen beteiligt sowie für die Krisenbewältigung wichtige Bundes- und Landesbehörden und private Träger Kritischer Infrastrukturen, wie beispielsweise Unternehmen der Energieversorgung, die Deutsche Bahn, Flughafenbetreiber und Fluggesellschaften.


LÜKEX 04: Winterliche Extremwetterlage mit großflächigem Stromausfall

Vier Bundesländer beteiligten sich an der ersten dreitägigen LÜKEX-Übung im November 2004. Bayern und Baden-Württemberg übten den Fall einer winterlichen Extremwetterlage mit rund zweiwöchigem Stromausfall in großen Teilen des Landes. Zeitgleich ereigneten sich in Berlin und Schleswig-Holstein fiktive Terroranschläge. In Schleswig-Holstein wurde zudem ein Anschlag auf ein Fährschiff angedroht, das sich auf hoher See befand. Damit wurde das Thema „Seesicherheit“ in das Übungsszenario eingebunden. Das Übungsthema „Stromausfall“ war in Anlehnung an den Orkan „Lothar“ 1999 gewählt worden, der in der Schweiz zu mehrtägigen Stromausfällen geführt hatte. Die Realitätsnähe des Szenarios der ersten LÜKEX zeigte sich 2005 beim realen Stromausfall im Münsterland.

Das Drehbuch erarbeiteten die Übungsteilnehmer in ca. 150 Workshops und Planbesprechungen zu Teilaspekten der Übung. Hinzu kamen rund 80 Besprechungen mit den beteiligten Akteuren Kritischer Infrastrukturen (Energieversorger). Das Drehbuch umfasste schließlich 3.000 Seiten.

An der Übung nahmen insgesamt acht Bundesressorts, alle Sicherheitsbehörden des Bundes und die Bundeswehr teil. Auf Landesebene beteiligten sich vier Krisenstäbe der Landesregierungen, elf Regierungspräsidien und 38 Stadt- und Landkreise. Auch Energieversorgungs- und Lebensmittelunternehmen übten mit. Insgesamt waren rund 5.000 Personen beteiligt, davon allein 1.000 in der IT-gestützten Übungssteuerung.


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