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Die Analytische Task Force (ATF) des Bundes

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) misst dem Schutz der Bevölkerung vor den Auswirkungen von Gefahren durch radioaktive, biologische oder chemische Stoffe (allgemein als CBRN-Gefahren bezeichnet) eine hohe Bedeutung zu.

Wenn bei einem Ereignis gefährliche Substanzen freigesetzt werden, sind in erster Linie die Gefahrgutzüge der Feuerwehren für die Lagebewältigung zuständig. Hierzu werden die vom BBK für die Länder bereitgestellten CBRN-Erkundungswagen oder die Gerätewagen Dekontamination Personal (GW Dekon P) eingesetzt. Neben der Menschenrettung und der Beseitigung der akuten Gefahrenquelle – z.B. durch Abdichten eines Lecks in einem umgestürzten Gefahrguttransporter – ist es wichtig, schnell genaue Informationen über die Art der gefährlichen Substanzen zu erhalten.

Um die Einsatzleiter der Feuerwehren optimal unterstützen zu können, wurde in Deutschland die so genannte Analytische Task Force CRN (ATF CRN) eingerichtet. Die ATF CRN besteht aus besonders für die Bewältigung von CBRN-Lagen ausgebildeten Einsatzkräften und spezieller Messtechnik. Das Personal der ATF setzt sich aus Bediensteten der Länder bzw. der Städte zusammen. Das BBK stattet die ATF-Standorte mit besonders leistungsfähiger Messtechnik sowie Einsatzfahrzeugen im Gesamtwert von circa 10 Millionen Euro aus, koordiniert die Spezialausbildung und beteiligt sich an den Unterhaltskosten der Standorte. Aktuell sind die Berufsfeuerwehren Hamburg, Mannheim, Dortmund, Köln und München, sowie das Landeskriminalamt Berlin als ATF-Standorte im Einsatz. Das Institut der Feuerwehr Sachsen-Anhalt stellte zum 31.12.2013 den Betrieb als ATF-Standort ein.

Die Standorte der ATF können bei CBRN-Lagen von jedem Einsatzleiter, der den Bedarf nach besonderer Unterstützung feststellt, in Amtshilfe angefordert werden. Innerhalb eines Einsatzradius von circa 200 km um den jeweiligen Standort soll die ATF innerhalb von etwa drei Stunden nach Alarmierung Hilfe leisten können. Diese im Vergleich zu anderen in Deutschland verfügbaren CBRN-Spezialkräften kurze Reaktionszeit stellt eine der besonderen Fähigkeiten der ATF dar. Die folgende Grafik zeigt das mögliche Zusammenspiel der CBRN-Ressourcen in Deutschland sowie deren zeitliche Verfügbarkeit bei einem CBRN-Ereignis.

CBRN-Zeitstrahl CBRN-Zeitstrahl, CBRN-Zeitstrahl (Vergrösserung öffnet sich im neuen Fenster)Zu­sam­men­spiel wäh­rend ei­nes CBRN-Er­eig­nis­ses Quelle: BBK

Praktische Erfahrung

Das Konzept der Analytischen Task Force wurde eingehend auf seine Praxistauglichkeit hin gesprüft. Bereits in der Pilotprojektphase von 2004 bis 2006 nahm die ATF an verschiedenen nationalen und internationalen Katastrophenschutzübungen teil und wurde auch zu realen Einsätzen von der örtlichen Gefahrenabwehr zur Unterstützung herangezogen. Seit 2007 befindet sich die Analytische Task Force im Echtbetrieb und hat in dieser Zeit mehrere Hundert Unterstützungseinsätze geleistet. Pro Jahr wurden die Einsatzkräfte der ATF ca. 180 Mal zur Unterstützung bei CBRN-Einsatzlagen angefordert. Dabei konnten sie mit spezieller Messtechnik und Fachexpertise dazu beitragen, die Lagen schnell und kompetent zu bewältigen.

Analytische Task Force Biologie (ATF B)

Um ebenfalls im Zuge biologischer Gefahrenlagen einsatzfähig zu sein hat das BBK mit dem Aufbau einer ATF B begonnen. Hierzu wurde ein 2-jähriges Pilotprojekt durchgeführt (2012-2015), um die Grundlagen und ein Konzept für die Etablierung einer ATF B zu erarbeiten. Im Rahmen des Pilotprojektes wurden zwei Pilotstandorte in Berlin und Essen eingerichtet. Seit Juli 2015 wurde im Anschluss an das Pilotprojekt mit der Praxisphase begonnen. Hierzu wurde ein 3. Standort in München eingerichtet. Ziel der Praxisphase ist der Aufbau der drei Standorte und die Evaluierung des Konzeptes.
Aufgabenschwerpunkte der ATF B sind Probenahme und die Beratung der Einsatzleitung bei der Gefährdungsbewertung vor Ort. Darüber hinaus soll eine B-Detektionsfähigkeit aufgebaut und weiterentwickelt werden, so dass durch die ATF B vor Ort eine vorläufige Detektion von bestimmten biologischen Agenzien im Rahmen der gerätetechnischen Möglichkeiten durchgeführt werden kann.
Einsatzmöglichkeiten der ATF B sind biologische Gefahrenlagen, die z.B. durch akzidentielle oder absichtliche Freisetzung von biologischen Agenzien hervorgerufen werden können, z.B. Bioterrorismus. Ein Einsatz im Rahmen eines natürlichen Seuchengeschehens gehört nicht zu den Aufgaben der ATF B sie kann aber in Amtshilfe unterstützend tätig werden.

Die Bewältigung einer biologischen Gefahrenlage stellt eine komplexe Herausforderung dar und erfordert das Zusammenwirken von Akteuren aus verschiedenen Ressorts. Wichtig sind dabei die interdisziplinäre und ressortübergreifende Zusammenarbeit der für die Gefahrenabwehr zuständigen Institutionen (Feuerwehr, Polizei) auf der einen und die für den Gesundheitsschutz zuständigen Einrichtungen auf der anderen Seite (ÖGD). Den Trägern des Öffentlichen Gesundheitsdienstes obliegt es Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor gesundheitsgefährdenden Einflüssen (z.B. Schutz vor Infektionskrankheiten) zu ergreifen.

Weiterführende Informationen:

Sollten Sie weitere Informationen zur Analytischen Task Force benötigen, so nutzen Sie bitte unser Kontaktformular.


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