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Dekontamination/Desinfektion

Als Dekontamination wird im Allgemeinen die Reduzierung einer Kontamination von Oberflächen von Lebewesen, Boden, Gewässern oder Gegenständen verstanden (FwDV 500). Eine Desinfektion bedeutet die Abtötung oder Inaktivierung pathogener Mikroorganismen auf unbelebtem Material oder der Haut- oder Schleimhautoberfläche lebender Organismen. Sie muss so weit erfolgen, dass keine Infektionsgefahr mehr von den Oberflächen und Gegenständen ausgeht (BG RCI B 001 10/2010).

Die Ausstattung der vom Bund an die Länder ausgelieferten Dekontaminationsfahrzeuge kann durch den Einsatz von Desinfektionsmittel für einen Einsatz in einer biologischen Gefahrenlage genutzt werden. Im Falle einer biologischen Kontamination reicht eine alleinige Dekontamination nicht aus.

Um Infektionsketten, die durch ansteckende biologische Agenzien ausgelöst werden, zu unterbrechen, ist der Einsatz von keimzahlreduzierenden Mitteln im Prozess der Dekontamination nach FwDV 500 notwendig. Eine Desinfektion kann unter Einsatz von Chemikalien sowie auch von physikalischen Verfahren wie Behandlung mit drucklos strömendem Dampf, Bestrahlung oder Wärme erfolgen (BG RCI B 001 10/2010).
Für die chemische Desinfektion gibt es je nach Schadenslage, Umweltanforderungen (z.B. Temperatur, Luftfeuchtigkeit) Materialverträglichkeit, Wirkungsspektrum und Umweltverträglichkeit Mittel aus verschiedenen Wirkstoffgruppen. Zur Auswahl stehen Alkohole, Aldehyde, Halogene, Peroxidverbindungen, Phenole oder oberflächenaktive Verbindungen.

Einteilung der Desinfektionsmittel

Desinfektionsmittel werden hinsichtlich ihres Wirkungsbereiches (nach RKI) wie folgt eingeteilt:

A: zur Abtötung von vegetativen Bakterien einschließlich Mykobakterien sowie von Pilzen geeignet

B:  zur Inaktivierung von Viren geeignet

C: zur Abtötung von Sporen des Erregers des Milzbrandes geeignet

D: zur Abtötung von Sporen der Erreger des Gasödem und des Wundstarrkrampfes geeignet (zur Abtötung dieser Sporen müssen Sterilisationsverfahren angewendet werden, zum Beispiel trockener gesättigter Wasserdampf von 121 Grad Celsius bei einer Einwirkungsdauer von 15 Minuten)

Desinfektionsmittellisten

Informationen über die Eignung ausgesuchter Desinfektionsmittel im speziellen Fall sind den in Deutschland gültigen Desinfektionsmittellisten des RKI (Liste der vom Robert Koch-Institut geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel und -verfahren), der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft und dem Verbund für angewandte Hygiene (VAH) zu entnehmen.

BBK Forschungsvorhaben zur Desinfektion

Cover der Schriftenreihe "Forschung im Bevölkerungsschutz" Band 17

Von 2007 - 2011 wurde das Forschungsvorhaben „Untersuchung der Wirksamkeit ausgewählter Desinfektionsmittel auf repräsentativen Oberflächen der persönlichen Schutzausrüstung“ durch das RKI im Auftrag des BBK durchgeführt. Ziel des Projektes war die Entwicklung einer standardisierten Labormethode, um die Wirkung von Desinfektionsmitteln auf ausgesuchten Materialien der persönlichen Schutzausrüstung unter Feldbedingungen zu untersuchen. Auf der Grundlage der Ergebnisse des Vorhabens wurden Empfehlungen für den Einsatz im Katastrophenschutz hinsichtlich geeigneter Desinfektionsmittel und Desinfektionsverfahren zum Schutz der Einsatzkräfte entwickelt (siehe RKI Desinfektionsmittelliste 2013) Der Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben ist 2012 in der Reihe Forschung im Bevölkerungsschutz Band 17 erschienen und kann kostenlos unter der Rubrik Publikationen der BBK Seite bestellt oder als Download bezogen werden.

Abschlussbericht

Ergebnisse

Es wurde für eine handelsübliche Peressigsäure mit 40g/100ml Peressigsäure und Tensidzusatz sowohl 0,2% SDS (Natriumlaurylethersulfat) als auch 0,5% einer 45%igen handelsüblichen SLES-Lösung entsprechend 0,2% SLES (Natriumlaurethsulfat) eine hohe Wirksamkeit mit 5 min Einwirkzeit erzielt (Reduktion von B. anthracis – Sporen von ≥ 5 log-Stufen).

Die Anwendungslösung sollte durch Gießen bzw. Duschen aufgebracht werden und anschließend mit Hilfe einer weichen Bürste auf dem Anzug von oben nach unten verteilt werden. Es ist besonders zu beachten, dass Stellen die nicht direkt mit der Flüssigkeit beaufschlagt werden wie Kniebeugen, zwischen den Beinen, Achselhöhlen und Stellen mit viel Faltenwurf ebenfalls ausreichend benetzt werden. Die Anzugoberfläche sollte für 5 min mit einem ausreichenden Flüssigkeitsfilm bedeckt sein.
Nach Ablauf der 5 min Einwirkzeit kann die PES-Lösung grob abgewischt (insbesondere am Kopf - und Oberkörperbereich, um ein Abtropfen beim Ausziehen zu vermeiden) werden.
Ein Abduschen der Peressigsäure ist nicht notwendig, da die PSA nach den Regeln des Arbeitens am Dekon Platz abzulegen, zu verpacken, zu kennzeichnen und zu entsorgen ist. Die Entsorgung der PSA sollte unabhängig vom Ergebnis der B-Analytik in jedem Fall erfolgen, da sie evtl. durch die Dekontaminationsbehandlung beschädigt ist.

Auch bei niedrigen Temperaturen (z. B. bei 8°C im Praxistest oder bei - 5°C im Keimträgermodell) erwies sich die PES als wirksam.

Anwendungslösung
Im Forschungsvorhaben am RKI wurde Wofasteril®E 400 mit ca. 40 g/100 ml Peressigsäure und als Tensid-Zusatz Alcapur® N verwendet
Es liegen keine Erkenntnisse vor, dass dieses Ergebnis nicht auch mit anderen gängigen und qualitätsgeprüften Peressigsäure-Produkten erzielt werden kann. In der zugrundeliegenden Studie wurden allerdings keine anderen Produkte verwendet

Dekontamination/Desinfektion in B-Lagen Praktische Hinweise des Robert Koch-Institutes