Navigation und Service

Öffentliche Schutzräume

Öffentliche Schutzräume wurden in der Bundesrepublik seit Mitte der 1960er Jahre nach speziellen sogenannten Bautechnischen Grundsätzen (BTG) errichtet oder hergerichtet.

Der Konzeption der Schutzräume lag die Gefahr eines großflächigen Krieges mit Flächenbombardierungen und dem Einsatz chemischer und nuklearer Waffen zugrunde.

Diese klassische Kriegsgefahr beinhaltete mehrere Eskalationsstufen, die eine entsprechende Vorwarnzeit zur Aktivierung der Schutzräume zur Folge hatte. Infolge der geänderten Sicherheitslage nach Ende des Kalten Krieges entsprechen die Schutzraumbauten nicht mehr den aktuellen Bedrohungsszenarien (asymmetrische Bedrohung, Naturkatastrophen, internationaler Terrorismus). Ausgehend von einem Schadenszenario ohne Vorwarnzeit können die Schutzräume der Bevölkerung keine ausreichende Sicherheit bieten.

Aus diesem Grunde hat der Bund im Einvernehmen mit den Ländern im Jahr 2007 beschlossen, das bisherige Konzept aufzugeben. Die bestehenden öffentlichen Schutzräume werden sukzessive aus der Zivilschutzbindung entlassen und ihren Eigentümern zur uneingeschränkten Nutzung übergeben.

Der Oberbegriff der „ Öffentlichen Schutzräume“ umfasst verschiedene Schutzraumarten, die sich durch den Zeitraum ihrer Entstehung, die Bauart, die Größe, die besondere Funktion oder die zugrunde liegende Finanzierung unterscheiden. Einige Schutzraumarten sind bereits aus ihrer speziellen (Schutzraum-)Funktion entlassen und teilweise einer neuen Schutzraumfunktion zugeführt worden.

Bereits vollständig aus der Zivilschutzbindung entlassen wurden die Hausschutz- und Schulschutzräume. Ebenfalls wurden die baulich geschützten Teile der Hilfskrankenhäuser (HKH) aus ihrer speziellen Funktion entlassen und in öffentliche Schutzräume umgewandelt.
Charakteristischste öffentliche Schutzräume sind Bunker, Schutzbauten aus der Zeit des II. Weltkriegs, die sich, abhängig von ihrer Bauweise, ober- oder unterhalb des Erdbodens in Hoch- und Tiefbunker unterteilen.

Nur die Bunkeranlagen, die nach dem II. Weltkrieg in verschiedenen Bauprogrammen technisch ertüchtigt wurden und gegen die neuen Gefahren der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts (CBRN) schützen konnten, wurden von der Bundesrepublik als öffentliche Schutzräume gewidmet.

Den zahlenmäßig größten Anteil der öffentlichen Schutzräume bilden die in der Regel unterirdischen Mehrzweckanlagen (MZA). Sie sind primär für eine friedensmäßige Nutzung konzipierte Neubauten der Nachkriegszeit, die auch als öffentlicher Schutzraum dienen können.

U-Bahnhof als öffentlicher SchutzraumU-Bahn­hof als öf­fent­li­cher Schutz­raum

Die baulich ältesten Schutzräume sind Stollenanlagen, deren bauliche Errichtung zum Teil ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Teilweise wurden diese Stollen bereits im II. Weltkrieg als Schutzraum verwendet.

Die in der Nachkriegszeit nach den damaligen Gesichtspunkten ertüchtigten Stollenanlagen wurden vom Bund als öffentliche Schutzräume gewidmet. Etwa 10 % der öffentlichen Schutzräume befand sich im Eigentum des Bundes, der überwiegende Teil war im kommunalen oder privaten Eigentum.

Insgesamt entstanden bundesweit (alte Bundesländer) rund 2000 öffentliche Schutzraumanlagen. Für diese besteht bis zur endgültigen Rückabwicklung aufgrund des § 7 des Zivilschutz- und Katastrophenhilfegesetzes (ZSKG) nach wie vor ein grundsätzliches bauliches Veränderungsverbot.

Die im Ostteil Deutschlands zu DDR-Zeiten errichteten Schutzräume wurden nach Prüfung durch das damalige Bundesamt für Zivilschutz und das Bundesministerium des Innern nicht in das bis 2007 bestehende Konzept der öffentlichen Schutzräume übernommen.

Sie unterlagen damit, anders als die öffentlichen Schutzräume in den alten Bundesländern zu keinem Zeitpunkt der Zivilschutzbindung nach § 7 ZSKG.


Diese Seite:

Abonnieren

BBK

© 2005 - 2017 Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe