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25.03.2014Pressemitteilung

Chemieunfälle: gefährliche Mischung

Wie Sie auf Explosionen und giftige Gase reagieren sollten

Ein lauter Knall und eine riesige Stichflamme: Vor genau zwei Jahren erschütterte eine schwere Explosion den Chemiepark Marl im nördlichen Ruhrgebiet, zwei Menschen starben. Immer wieder kommt es in der Bundesrepublik zu Chemieunfällen. Wer im Ernstfall richtig handelt, kann sich und anderen das Leben retten.

„Deutschland hat ein gut aufgestelltes, integriertes Hilfeleistungssystem und eine intensive Störfallvorsorge“, sagt Christoph Unger, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Doch nicht jeder Unfall lasse sich verhindern: „Technik ist immer mit Risiken verbunden.“ Zum Beispiel waren die Explosion, der Brand und die große Rauchwolke im Chemiepark Marl wohl die Folge eines Materialversagens – ohne ein Fremdverschulden von außen. Trotz solch stetiger Gefahren hebt Unger hervor, dass nicht jeder ständig das Schlimmste erwarten sollte. „Vielmehr geht es darum, auf einen Ernstfall vorbereitet zu sein und die wichtigsten Verhaltensregeln zu kennen.“ Mit dem Flyer „Verhalten bei besonderen Gefahrenlagen“ gibt das BBK einfache Tipps für sicheres Handeln.

Nerven behalten, überlegt handeln

Von einer Explosion gehen meist viele Gefahren aus. Die Druckwelle und umherfliegende Splitter können Menschen verletzen, Feuer können sich entfachen, Gebäude können einstürzen. Wer einen solchen Ernstfall miterlebt, sollte vor allem eine Regel befolgen: „Ruhe bewahren“, rät der BBK-Präsident. „Sie helfen sich und anderen am besten, indem Sie sich erst einen Überblick über den Ort des Geschehens verschaffen und dann so überlegt wie möglich handeln.“ Für den Fall, dass noch keine Hilfskräfte vor Ort sind, heißt das: Wählen Sie die Notrufnummer 112 und versuchen Sie, Erste Hilfe zu leisten. „Keiner verlangt, dass sich Ersthelfer selbst in Gefahr bringen. Doch schon kleine Gesten wie gutes Zureden beruhigen und entlasten die Opfer.“

Unsichtbare Bedrohung

Nicht jede Explosion birgt die gleichen Gefahren. Bei einem Chemieunfall können zum Beispiel chemische Stoffe austreten. Einige von ihnen lassen sich nur per Messgerät erkennen, andere können wir mit unseren Sinnen wahrnehmen. „Deshalb sollten Sie darauf achten, ob sich der Normalzustand verändert“, sagt Unger und ergänzt: „Ungewöhnliche Gerüche, brennende Augen, plötzlicher Husten: All das kann auf chemische Substanzen hinweisen.“ Wer sich im Freien aufhält und solche Abweichungen bemerkt, sollte nicht die Nerven verlieren, sondern versuchen, besonnen zu reagieren. „Verlassen Sie zuallererst das gefährdete Gebiet. Wenn Sie die Windrichtung feststellen können, bewegen Sie sich quer zu Ihr und atmen Sie durch einen Atemschutz, zum Beispiel ein Taschentuch oder ein Stück Kleidung. Den besten Schutz bieten natürlich geschlossene Gebäude“, rät der BBK-Experte. Bevor Sie eintreten, ist es sinnvoll, Schuhe und Oberbekleidung auszuziehen, insbesondere, wenn Sie mit festen oder flüssigen Gefahrstoffen in Kontakt gekommen sind. Um weitere Gesundheitsrisiken zu vermeiden, hilft es, sich zunächst die Hände, dann das Gesicht und schließlich die Haare zu waschen.

Im Gebäude angekommen, sollten Sie Fenster und Türen schließen, die Lüftungen ausschalten und andere Hausbewohner warnen. Höher gelegene Räume oder Räume ohne Fenster bieten den besten Schutz. Dann ist Geduld gefragt: „Warten Sie die Anweisungen der Gefahrenabwehrbehörden ab. Diese entscheidet lagebezogen, ob das betroffene Gebiet verlassen werden soll“, erklärt Unger. „Informieren Sie sich per Radio, Internet oder Fernseher und folgen Sie den Anweisungen der Behörden“, rät der BBK-Präsident. Wer keine schnelle Hilfe benötigt, sollte außerdem darauf verzichten, die 112 zu wählen – die Notruf-Leitungen sollen für Ernstfälle frei bleiben.

Das Fazit von Christoph Unger: „Auch wenn die Wahrscheinlichkeit eines Chemieunfalls eher gering ist, sollte jeder wissen, was notfalls zu tun ist. Denn wer sich gut vorbereitet hat, kann mit kleinen Maßnahmen Großes bewirken.“


Das BBK ist das zentrale Organisationselement für die Zivile Sicherheit der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland. Als Fachbehörde des Bundesministeriums des Innern berät und unterstützt es auch die anderen Bundes- und Landesbehörden bei der Erfüllung ihrer Aufgaben in allen Bereichen der Zivilen Sicherheitsvorsorge wie der Notfallvorsorge oder der Selbsthilfe.


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