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22.03.2016KRITIS

Die Bedeutung des „Weltwassertages“


Anlässlich des Weltwassertages der Vereinten Nationen, der jedes Jahr am 22. März begangen wird, erhalten Sie in dem folgenden Beitrag Informationen über die Notfallvorsorge in der Wasserversorgung in Deutschland.
Die Trinkwassernotversorgung des Bundes wird heute vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) gemeinsam mit den Ländern und den Kommunen umgesetzt.

Verfügbarkeit von Trinkwasser

In der entwickelten Welt ist die Verfügbarkeit von Trinkwasser für die Menschen meist zur Selbstverständlichkeit geworden. Gerade Deutschland hat als wasserreiches Land bei der Versorgung mit Trinkwasser einen Notstand kaum zu befürchten.

Zu jeder Zeit und an fast jedem Ort ist die geregelte Versorgung im Normalfall möglich. So die allgemeine Auffassung.

Allerdings sollte folgende Tatsache stets im Auge behalten werden: Je weniger störanfällig ein Land in seinen Versorgungsleistungen ist, umso stärker wirkt sich jede Störung aus (nach Rosenthal aus dem Jahre 1992).

Der Umstand, dass sich mit zunehmender Robustheit und geringerer Störanfälligkeit ein durchaus trügerisches Gefühl von Sicherheit entwickelt und die Auswirkungen eines „Dennoch-Störfalls“ überproportional hoch sind, wird als „Verletzlichkeitsparadoxon“ bezeichnet.

Dass Notstände auch in Deutschland tatsächlich eintreten können, wurde durch Hochwässer an Elbe und Donau und andere katastrophale Ereignisse in der Vergangenheit leider bestätigt. Allein beim Elbe-Hochwasser 2002 kam es durch die Überschwemmungen von Kläranlagen, der Überflutung von Industrieflächen und dem damit verbundenen Eintrag von Schadstoffen in die Gewässer der Region zu einer Beeinträchtigung der Wasserversorgung.

Im Weißeritzkreis wurde die Wasserversorgung in 54 Orten unterbrochen. In den vergangenen Jahren wurde somit deutlich, dass neue Gefährdungen im Vordergrund stehen, insbesondere durch den voranschreitenden Klimawandel und die damit verbundenen Extremereignisse.

Strukturelle Unterschiede in der Wasserversorgung

Die Wasserversorgung in Deutschland ist im europäischen Vergleich mit wenigen großen und einer Vielzahl kleiner Unternehmen sehr heterogen aufgestellt.

Etwa 5.600 Wasserversorgungsunternehmen (WVU) sorgen dafür, dass Trinkwasser in ausreichender Menge und Qualität für den Verbraucher zur Verfügung steht (Destatis 2013). Die durchschnittliche Größe der WVU ist in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich (Abb. 1).

Vor allem in Bayern und Teilen Baden-Württembergs gibt es in den Kreisen sehr viele kleine Unternehmen. Die im europäischen Vergleich kleinen Betriebsgrößen haben den Vorteil, dass die Verantwortung für die Wasserressourcen und deren Nutzung eng miteinander verbunden sind.

Nachteilig ist allerdings die geringe Wirtschaftlichkeit und Effektivität der Unternehmen sowie eine geringere Spezialisierung der Mitarbeiter. Trinkwasser wird in Deutschland überwiegend aus Grundwasser gewonnen. Die einzelnen Entnahmestellen weisen eine große Bandbreite hinsichtlich Menge und Güte des Rohwassers auf.

Daher sind auch die Art und der Grad der erforderlichen Aufbereitung des Rohwassers recht verschieden. Die Vielzahl deutscher WVU unterschiedlichster Größenklassen sowie deren technisch-infrastrukturelle Ausstattung bedingen ein sehr breites Spektrum an Leistungsvermögen, welches eine Vergleichbarkeit der Unternehmen erschwert.

So hat zwar jeder Wasserversorger die Pflicht, die Vorgaben der Trinkwasserverordnung einzuhalten, jedoch bestehen gewisse Freiheitsgrade in Hinblick auf Maßnahmen der Qualitätssicherung und des Risikomanagements, die keinen gesetzlichen Vorgaben unterliegen.

Ersatzmaßnahmen bei Ausfall der Trinkwasserversorgung

Säulen der Wasserversorgung Säulen der Wasserversorgung , Säulen der Wasserversorgung (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Säu­len der Was­ser­ver­sor­gung (Abb. 2) Quelle: BBK

Eine Versorgung mit Trinkwasser durch die WVU darf durch kurzfristige Betriebsstörungen grundsätzlich nicht unterbrochen werden. Auch wenn Ausfälle der leitungsgebundenen Versorgung in Deutschland relativ selten vorkommen, sind sie doch möglich.

Daher sind die WVU gemäß Trinkwasserverordnung verpflichtet, präventive Maßnahmepläne zu erstellen. Diese müssen darstellen, wie in Fällen, in denen die Wasserversorgung sofort zu unterbrechen ist, die Umstellung auf eine andere Wasserversorgung erfolgen soll und welche Stellen zu informieren sind.

Diese Maßnahmepläne werden im Notfall zunächst abgearbeitet. Können die WVU dann keine leitungsgebundene Versorgung mehr gewährleisten, sind im Rahmen der kommunalen Daseinsvorsorge und unter Umständen des Katastrophenschutzes (KatS) alternative Lösungen in Betracht zu ziehen, wie z.B. die Nutzung von Wassertransportkapazitäten, mobile Aufbereitungsanlagen und nicht zuletzt die Versorgung der Bevölkerung durch Trinkwasser-Notbrunnen (Abb. 2).

Neu errichteter Trinkwassernotbrunnen in Hamburg Neu errichteter Trinkwassernotbrunnen in Hamburg, Trinkwassernotbrunnen (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Neu er­rich­te­ter Trink­was­ser­not­brun­nen in Ham­burg Quelle: Kut­ter

Die Trinkwassernotversorgung des Bundes hat ihren Ursprung in der Zeit des Ost-West-Konfliktes und wird heute vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) gemeinsam mit den Ländern und den Kommunen nach dem Wassersicherstellungsgesetz (WasSG) umgesetzt.

Aufgabe der Trinkwassernotversorgung ist die Versorgung des von einer Notsituation betroffenen Bevölkerungsteils mit lebensnotwendigem Trinkwasser über derzeit etwa 5.200 leitungsunabhängige Einzelbrunnen (Abb. 3).

An den Zapfstellen der Brunnen kann sich die Bevölkerung mit Hilfe von Behältnissen selbständig mit Wasser an den Zapfstellen versorgen (Abb. 4), wenn die öffentliche Wasserversorgung nicht mehr in der Lage ist, Wasser zu liefern. Die Notbrunnen wurden deutschlandweit in verschiedene Grundwasserleiter abgeteuft und liefern Wasser mit ausreichender Güte für einen zeitlich begrenzten Einsatz.


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