CT-Analyst: Modernste Software für die Sicherheitsbehörden
Die Universität Hamburg, die Behörde für Inneres und Sport Hamburg und das Naval Research Laboratory, Washington D.C. haben gemeinsam die Software CT-Analyst entwickelt, mit der sich im Fall von Industrieunfällen oder terroristischen Anschlägen die Ausbreitung von Schadstoffwolken im Hamburger Stadtgebiet schnell und genau vorhersagen lässt. Die neue Software ist eine bedeutende Innovation für die Bewältigung derartiger Schadenslagen.
Bei der symbolischen Übergabe der Sicherheitssoftware: (v.l.n.r.) Innensenator Michael Neumann, BBK-Präsident Christoph Unger, Feuerwehrchef Klaus Maurer
Quelle: BBK
Während einer Veranstaltung am 26. Januar 2012 in Hamburg ist die neue Software vom Präsidenten des BBK, Christoph Unger an die Behörde für Inneres und Sport übergeben und der Presse und dem Fachpublikum vorgestellt worden.
Die Forschungsergebnisse werden allen im Bevölkerungsschutz tätigen (im Bund und den Ländern) zur Verfügung gestellt.
Das Projekt wurde vom BBK und der Hamburgischen Bürgerschaft finanziert.
Die exakte Vorhersage der Ausbreitung von gasförmigen Stoffen in dicht bebauten Innenstädten war bisher durch die dichte Bebauung sehr schwierig. In der Vergangenheit haben Computer-Simulationen schon oft die großen Hoffnungen, die sie geweckt hatten, nicht erfüllen können. Fehlprognosen der Ausbreitung könnten zu fatalen Fehlentscheidungen führen. Das BBK ist sich dieser hohen Verantwortung für die Richtigkeit und Brauchbarkeit der Forschungsergebnisse bewusst.
Hamburger Feuerwehrchef Klaus Maurer präsentiert die neue Software
Quelle: BBK
Im Falle der Ausbreitung von Gasen haben es immer leistungsfähigere Rechner und Fortschritte in der Wissenschaft möglich gemacht, solche Vorgänge immer besser im Computer zu simulieren. Zusätzlich wurden erheblich Anstrengungen unternommen, um zu überprüfen, dass die Ausbreitungsprognosen der Realität so nahe wie möglich kommen:
Das Max-Planck-Institut für Meteorologie der Universität Hamburg hat seinen europaweit größten Grenzflächen-Windkanal wochenlang für Experimente an einem maßstabsgetreuen Modell der Hamburger Innenstadt zur Verfügung gestellt. Dort war die vielfache Wiederholung der Versuche unter gleichen Bedingungen möglich, was statistische Auswertungen ermöglichte, um auch kleinste zufällige Schwankungen zu berücksichtigen. Zufällige Schwankungen im Kleinen können einen großen Einfluss auf die tatsächlichen Ereignisse haben.
Experimente im Windkanal
Quelle: ewtl@zmaw.de
Als weiteren Schritt wurde im Sommer 2011 ein Großversuch in der Hamburger Innenstadt durchgeführt, der die letzte Gewissheit brachte, dass die Softwareberechnungen mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Ohne die Unterstützung der Innenbehörde, Feuerwehr, Polizei und der Universität in Hamburg wäre ein solcher Großversuch in der Stadt nicht möglich gewesen.
Als dritter Schritt kamen während des Großversuchs zwei der neuen Infrarot-Gefahrstoff-Kameras zum Einsatz, die mit Fördermitteln des BBK an der Universität Hamburg Haarburg entwickelt wurden. Mit diesen Geräten lassen sich unsichtbare Gaswolken mittels Infrarot-Spektrometrie sichtbar machen.
Bildschirmansicht der simulierten Stadt Hamburg von oben mit eingefärbter Schadstoffwolke
Quelle: Bernd Leitl / Uni Hamburg
Die mit dem Simulations-Programm CT-Analyst vorherberechnete Verbreitung der Gaswolke, Kontrollmessungen im Stadtgebiet und die Bilder der Infrarot-Gefahrstoffkameras zeigten hervorragende Übereinstimmungen. Es kann also davon ausgegangen werden, dass die Ausbreitungssimulation die Erwartungen erfüllt.
Das Simulations-Programm kann mit relativ geringem Aufwand auch in anderen Regionen installiert werden, nachdem im Hamburger Versuch mit hohem Aufwand gezeigt werden konnten, dass es funktioniert und richtig anzeigt.
