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Die Fachzeitschrift „Gasschutz und Luftschutz“ unter dem Einfluss des Nationalsozialismus

von Dr. Andreas Linhardt

Der zivile Luftschutz war ein Grundelement des nationalsozialistischen Staates. Für die Militärstrategie und die Kriegswirtschaft besaß der Luftschutz geradezu eine Schlüsselrolle: Ohne einen mit erheblichen Mitteln ausgebauten und einsatzbereiten Luftschutz hätte das „Dritte Reich“ kaum derart lange offensiv Krieg führen können, da ohne Zivilverteidigung alsbald die Wirtschaftskraft und die Moral der Bevölkerung empfindlich nachgelassen hätte. Vordergründig betrachtet eine harmlose Maßnahme staatlicher Daseinsvorsorge, trug der Luftschutz als Teil des Gesamtsystems zu dessen Gefährlichkeit bei.

Seit der nationalsozialistischen Machtübernahme, spätestens jedoch seit Kriegsbeginn, war der Luftschutz allgegenwärtig und betraf Millionen von Menschen. Standen auch manche Bevölkerungskreise dem NS-Staat und der Partei gleichgültig oder reserviert gegenüber, dem Luftschutz entging kein „Volksgenosse“. Der Luftschutz war totalitär im reinsten Sinne des Wortes. Dabei machte der Luftschutz im Gegensatz zu allen anderen Massenorganisationen kein öffentliches Aufhebens mit bunten Fahnen, prächtigen Uniformen und jubelnden Menschen. Der Luftschutz war notwendig, aber nicht mit der stets propagierten Siegeszuversicht des Regimes vereinbar. Bezeichnenderweise war die stets wiederkehrende Farbe des Luftschutzes bei Fahrzeugen und Uniformen schon im Frieden ein unauffälliges Grau.

Bei näherer Betrachtung und Außerachtlassung seines öffentlichen Understatements offenbart sich der Luftschutz aber als ausgesprochen schillerndes und komplexes Gebilde. Kaum ein Bereich des nationalsozialistischen Systems war nicht in irgendeiner Form mit ihm befasst, und die sich um den Luftschutz entspinnenden Kompetenzrangeleien zwischen Ministerialbürokratie, Partei und SS bildeten geradezu modellhaft die Verhältnisse des Gesamtsystems ab.

Wer die Geschichte des Nationalsozialismus ein wenig näher kennt, den mag es nicht verwundern, dass auch der zivile Luftschutz keine originäre Erfindung des „Dritten Reiches“ ist. Vielmehr lassen sich die Anfänge dieser neuartigen Form staatlicher Gefahrenvorsorge bis in die zweite Hälfte des Ersten Weltkriegs zurückverfolgen, als erstmals Städte in Süd- und Westdeutschland von alliierten Bombern angegriffen wurden. Bereits in den letzten Jahren der Weimarer Republik erhielt der zivile Luftschutz seine bis weit in den Zweiten Weltkrieg hinein gültige grundlegende Organisationsstruktur. Insbesondere bürgerlich-konservative Kreise hegten seit Ende der 1920er Jahre ein tiefes Misstrauen gegenüber dem angrenzenden Ausland, das in der entsprechenden Presse gern mit dem Pauschalbegriff „Militärstaaten“ tituliert wurde. Dieses Misstrauen war aber nicht allein eine Gefühlsangelegenheit einzelner, sondern behauptete sich mit erstaunlicher Kontinuität auch in der Außen- und Sicherheitspolitik der rasch wechselnden Reichsregierungen.[1] Man hatte das Gefühl, infolge der durch den Versailler Vertrag erzwungenen Abrüstung nicht nur an den Grenzen sämtlichen Nachbarstaaten militärisch unterlegen, sondern auch im Hinterland gegnerischen Bombenangriffen schutzlos ausgeliefert zu sein. Dies führte bei Politikern, Ministerialbeamten, Funktionsträgern öffentlicher und privater Hilfsdienste, Militärs sowie Offiziersvereinigungen wie dem „Deutschen Flakverein“ schon früh zu Überlegungen, einen zivilen Luftschutz aufzubauen. Ausgehend von einer revisionistischen Grundhaltung betrachtete man diese nach dem damaligen Sprachgebrauch „passiven“ Schutzvorkehrungen als Überbrückungslösung bis zur Wiederzulassung „aktiver“ Maßnahmen, also einer militärischen Luftverteidigung. Nach Verhandlungen mit den ehemaligen Entente-Mächten war Deutschland am 22. Mai 1926 der Aufbau eines zivilen Luftschutzes vertraglich zugestanden worden. In der Folgezeit bildeten sich nun mehrere private Vereine, in denen sich die Befürworter der Luftschutzidee zu sammeln begannen.[2]

Als Sprachrohr und Diskursplattform dieser sich herausbildenden Funktionselite eines künftigen zivilen Luftschutzes wurde im August 1931 die Zeitschrift „Gasschutz und Luftschutz“ (im folgenden: GuL) von dem Münchner Verleger Dr. August Schrimpff begründet. Zu diesem Zweck gründete Schrimpff in der Reichshauptstadt eigens einen Zweigverlag, der anfangs noch seinen Namen trug, ab 1933 aber als „Verlag Gasschutz und Luftschutz G.m.b.H.“ firmierte.[3] Die Schriftleitung von GuL übernahmen Dr. Rudolf Hanslian [4] und Heinrich Paetsch [5], die zu dieser Zeit bereits ausgewiesene Experten auf diesem Gebiet waren. Die Liste der weiteren Mitarbeiter und Autoren liest sich durch alle Jahrgänge wie ein „Who is Who“ der damaligen Funktionseliten in Polizei, Feuerwehren, Hilfsorganisationen, Militär, Verwaltung, Forschung und Industrie. Dementsprechend ist die fachliche Qualität und Tiefe der Beiträge auch durchweg sehr gut und spiegelt den damaligen Erkenntnisstand facettenreich wider. Allein dies schon macht GuL zu einer historischen Quelle ersten Ranges für alle Forschenden, die sich eingehender mit Fragestellungen zum Luftkrieg im Allgemeinen und Luftschutz im Besonderen beschäftigen.

Der erste Namensteil „Gasschutz“ der Zeitschrift sollte laut Schriftleitung dem Umstand Rechnung tragen, dass angesichts der fortschreitenden Industrialisierung auch mit einer Zunahme von Giftgasunglücken zu rechnen sei.[6] Tatsächlich war es beispielsweise am 20. Mai 1928 in Hamburg zu einem reichsweit aufsehenerregenden schweren Chemieunfall gekommen, bei dem größere Mengen des Kampfstoffs Phosgen freigesetzt wurden und zahlreiche Tote und Verletzte zu beklagen waren.[7] Bislang war der Gasschutz in verschiedenen bereits existierenden Periodika für Feuerlöschwesen, Technische Nothilfe, Grubenrettungswesen sowie den Hauszeitschriften der wichtigsten Hersteller von Atem- und Gasschutzgeräten gewürdigt worden. Auch die seit 1906 erscheinende und zum Zeitpunkt der Gründung von GuL ebenfalls von Schrimpff herausgegebene „Zeitschrift für das gesamte Schieß- und Sprengstoffwesen“ besaß seit 1927 eine Sonderabteilung „Gasschutz“.[8] Vor diesem Hintergrund stellt sich also die Frage, warum dann noch eine spezielle Zeitschrift vonnöten war. Dies wird dann erklärlich, wenn man den Gasschutz auch als zeitgenössische politische Tarnkappe versteht, unter der es mehr oder weniger verborgen um das eigentliche Thema einer zivilen Verteidigung im Falle eines Luftkriegs gegen das bzw. auf dem Gebiet des Deutschen Reiches ging. Zwar waren die kriegerischen Aspekte des Gasschutzes auch häufiges, wenn nicht sogar dominierendes Motiv in anderen Zeitschriften, doch Schrimpffs neue Publikation setzte sich vor allem durch ein thematisch umfassenderes, heutzutage als interdisziplinär zu bezeichnendes Grundkonzept von diesen ab. Auf die ebenfalls mit „passiver“ Luftverteidigung in Zusammenhang stehenden, aber nicht zwangsläufig mit Chemie im weiteren Sinne verbundenen Themenbereiche der Zeitschrift weist der zweite Namensteil „Luftschutz“ hin – womit nun immerhin auch klar gesagt wurde, worum es eigentlich gehen sollte.[9] Dass dennoch weiterhin dem Gasschutz eine Schlüsselrolle beigemessen wurde, hing mit der in GuL bis spät in die 1930er vertretenen Auffassung zusammen, dass ein künftiger Krieg aus der Luft gegen das feindliche Hinterland wahrscheinlich vornehmlich mit Giftgas geführt werde. Hier wirkte offensichtlich noch der Horror des Gaskampfes im Ersten Weltkrieg nach. Dabei hatten schon zu Beginn der 1930er Jahre Experten wie der ­­Königsberger Brandingenieur und GuL-Unterstützer Hans Rumpf in ihren Veröffentlichungen darauf hingewiesen, dass ein kombinierter Abwurf von Spreng- und Brandbomben auf Städte weitaus nachhaltigere Schäden bei geringerem Aufwand verursachen würden.[10] Trotz allem blieb die Zeitschrift bis zu ihrer kriegsbedingten Einstellung im Frühjahr 1945 ihrem ursprünglichen Namen treu.

Auch wenn im Einführungsheft herausgestellt wurde, dass das Hauptziel der Schriftleitung sei, „dem deutschen Volke eine Zeitschrift zu geben, die es über eine aktuelle Gefahrenquelle frühzeitig und vorbeugend aufklären und belehren soll“,[11] war GuL von Anfang an als Fachblatt konzipiert, das gar nicht auf ein Massenpublikum ausgerichtet war. Die Abhandlung vielfältiger technischer Spezialfragen, Kommentare zu Gesetzen und Normung, Berichte aus der Arbeit einzelner im Luftschutz engagierter Organisationen, Erfahrungsberichte aus Übung und Praxis sowie nicht zuletzt die ausführliche Würdigung von Waffentechnik und Luftschutzmaßnahmen im Ausland machen quer durch alle Jahrgänge den Großteil der Beiträge aus. Belletristische Einsprengsel zur Auflockerung und andere typische Zutaten von Massenpublikationen, wie sie beispielsweise für die in Riesenauflage verbreitete Zeitschrift des Reichsluftschutzbundes „Die Sirene“ kennzeichnend waren, sucht man in GuL vergebens.

Zum Zeitpunkt der Gründung von GuL war es dem Deutschen Reich nach wie vor untersagt, eine militärische Luftverteidigung aufzubauen. In seinem Geleitwort stellte der Ministerialdirektor im Reichsinnenministerium Hans Menzel [12] dementsprechend heraus, dass man infolge der Vergeblichkeit einer internationalen Ächtung des Luftkriegs gegen die Zivilbevölkerung auch gezwungen sei, nunmehr zumindest zivile Luftschutzvorbereitungen zu treffen. Schriftleiter Heinrich Paetsch, damals Präsident des preußischen „Polizeiinstituts für Technik und Verkehr“ und in dieser Eigenschaft mit der Ausarbeitung erster Organisationsrichtlinien für einen öffentlichen Luftschutz befasst, forderte Anfang 1932 in einem Leitartikel „Luftschutz-Prestigefragen“ [13] den Aufbau einer möglichst vom Reich einheitlich organisierten und von der Polizei geführten Zivilverteidigung. Wenigstens die allernotwenigsten Maßnahmen wie rechtzeitige Warnung der Bevölkerung und entsprechende Strukturierung bereits vorhandener Hilfsdienste sollten in Angriff genommen werden. Parallel dazu wurde die Weiterentwicklung der Gas- und Luftrüstung im Ausland argwöhnisch verfolgt und kommentiert.

Nach der „Machtergreifung“ durch die Nationalsozialisten im Reich 1933 nahm das generelle Interesse offizieller Stellen an allen Fragen des Luftschutzes erheblich zu. In GuL wurden die Regierungswechsel in Berlin und den Ländern allerdings nicht sogleich mit Ergebenheitsadressen an Hitler oder anderen propagandistischen Beiträgen begleitet. Da man auch unter den letzten Präsidialregierungen der Weimarer Republik schon deutlich revisionistische Untertöne gepflegt hatte, war eine komplette Neuausrichtung der Argumentation auch gar nicht notwendig. Erst im Juniheft fiel in einem Aufsatz des im neu gegründeten Reichsluftfahrtministerium (RLM) für den zivilen Luftschutz zuständigen Ministerialrats Dr. Kurt Knipfer [14] der Begriff „nationale Revolution“. Knipfer stellte positiv heraus, dass durch die Gründung des Reichsluftschutzbundes die als unbefriedigend empfundene Vielfalt der sich mit Luftschutzfragen befassenden privaten Vereinigungen und vaterländischen Verbände nunmehr beendet worden sei.[15] In diesem Punkt herrschte Einigkeit unter den Stammautoren der Zeitschrift, fühlte man doch nur eine lange vorher aufgestellte Forderung nach stärkerem staatlichem Engagement endlich erfüllt. Im Oktober desselben Jahres forderte der Jurist v. Frankenberg allerdings schon, dass angesichts des offenkundigen Scheiterns eines „juristischen Luftschutzes“ im Sinne völkerrechtlicher Vereinbarungen zur Ächtung des Luftkrieges nunmehr der „nationale Staat, der den pazifistischen Irrglauben überwunden und der den Gemeinnutz statt Eigennutz zum Prinzip erhoben“ habe, jedes Recht zur Einführung einer allgemeinen gesetzlichen Luftschutzpflicht besitze.[16] Hier wurde also bereits argumentativ der Boden für das Luftschutzgesetz von 1935 bereitet. Direkten Bezug auf als visionär herausgestellte Aussagen in Hitlers „Mein Kampf“ nahm im selben Heft der Berliner Bauingenieur K. Sckerl, der angesichts der wachsenden Anforderungen des Luftschutzes „Deutschland vor einer Revolution der Bauwirtschaft“ sah.[17] Gedanken zum – rückblickend durchweg noch recht provisorisch anmutenden – Schutzraumbau wie zur aufgelockerten Anlage von Wohngebieten zwecks Verringerung der Verwundbarkeit durch Luftangriffe werden in diesem wie auch zunehmend anderen Beiträgen in dieser Zeit thematisiert.

Am Vorwort der Schriftleitung zum 4. Jahrgang 1934 zeigt sich deutlich, dass man die zu Zeiten der Weimarer Republik noch herausgestellte Überparteilichkeit inzwischen vollkommen hinter sich gelassen hatte. Der Hinweis auf die weiterhin bestehende militärische Wehrlosigkeit Deutschlands und folglich die Notwendigkeit eines besonders gut entwickelten zivilen Luftschutzes lag noch auf der bisherigen Linie der Zeitschrift. Doch nun schrieb sich die Schriftleitung außerdem auf die Fahnen, zum einen „die sich bereits aus humanitären Gründen ergebende Gleichberechtigung Deutschlands auf Abwehrwaffen“ energischer als bisher einzufordern, zum anderen gegen die konstatierte Interesselosigkeit intellektueller Kreise in Angelegenheiten der Landesverteidigung angehen zu wollen, die „im nationalsozialistischen Staate grundsätzlich als Bildungsmangel gebrandmarkt werden“ solle.[18] Wie sehr man sich als Anwalt eines konsequent durchgeführten Luftschutzes verstand, zeigt das Nachwort der Schriftleitung zu einem Artikel des Verfassers des preußischen Feuerlöschgesetzes vom 15. Dezember 1933, Oberregierungsrat Dr. Christian Kerstiens. Statt das Gesetz zu loben, das eine autoritäre polizeiliche Organisation an die Stelle der bisher vereinsähnlichen Strukturen der Freiwilligen Feuerwehren setzte und somit durchaus auf der Linie der eigenen Forderungen lag, krittelte man respektlos an Details herum und schloss mit dem Urteil: „Bei der Bedeutung des Feuerlöschwesens für den Luftschutz wäre es somit wohl erwünscht gewesen, daß die Organisation des Luftschutzes auch die Grundlage für die Organisation des Feuerlöschwesens gebildet hätte.“[19]

Das Jahr 1935 brachte in wehrpolitischer Hinsicht tiefgreifende Veränderungen, die auch in GuL ihren Niederschlag fanden und im Vorwort der Schriftleitung des darauffolgenden Jahres auf nicht weniger als vier Seiten gewürdigt wurden.[20] Nachdem Deutschland bereits am 14. Oktober 1933 sowohl die internationale Abrüstungskonferenz als auch den Völkerbund verlassen hatte, folgte mit dem offiziellen Hervortreten der schon lange zuvor insgeheim aufgebauten neuen Luftwaffe mit  Inkrafttreten des Gesetzes für den Aufbau der Wehrmacht vom 16. März 1935 die Erfüllung der auch in GuL immer wieder vehement erhobenen Forderung nach vollkommener Gleichberechtigung mit den „rüstungsfreien“ Staaten. Dabei wurde beteuert, dass dieser nunmehr „aktive Luftschutz“ ausschließlich defensiven Charakters sei und lediglich den Beschlüssen der XIV. Internationalen Rotkreuzkonferenz in Brüssel vom Oktober 1930 entspreche.[21] Dass 1935 auch ein offizielles Sammelwerk „Der zivile Luftschutz“ in der prominenten Herausgeberschaft der GuL-Stammautoren Dr. Kurt Knipfer und des stellvertretenden Reichsführers der Technischen Nothilfe Erich Hampe erschienen war, sah man auch als Bestätigung der eigenen Arbeit.[22] Am 26. Juni desselben Jahres wurde auch das Luftschutzgesetz verkündet und schuf die Grundlage für eine Fülle von Durchführungsverordnungen, die zu einer – in GuL schon frühzeitig geforderten – umfassenden Luftschutzdienstpflicht für die Allgemeinheit führten.[23] Immer ausführlicher wurde in der Zeitschrift nun vom voranschreitenden Aufbau des Sicherheits- und Hilfsdienstes (SHD) durch das RLM sowie von laufenden Umstrukturierungen im Bereich der beteiligten öffentlichen und privaten Hilfsdienste berichtet. Auch die Zahl und der Umfang der zahlreichen öffentlichen Luftschutzübungen in ganz Deutschland nahmen ständig zu, wie in zumeist ausführlichen Berichten nachzulesen ist. Nach Erscheinen des Buchs „Luftherrschaft“ [24] des früheren italienischen Generals Giulio Douhet in deutscher Übersetzung wurden dessen Lehren vom totalen Luftkrieg in GuL immer wieder eingehend diskutiert und in Beziehung mit aktuellen Konflikten in Abessinien, China und Spanien gesetzt.[25] Eine Ansprache des Reichsluftfahrtministers Hermann Göring anlässlich einer Großveranstaltung des Reichsluftschutzbundes im Berliner Sportpalast 14. November 1935 wurde im vollen Wortlaut abgedruckt,[26] und mit großer Genugtuung nahm man in der Schriftleitung die von Göring ausgesprochene Gleichstellung der Luftschutzhelfer mit Soldaten an der Front zur Kenntnis.[27]

Hatte die Schriftleitung in vorangegangenen Jahren noch den Aufbau einer deutschen Luftrüstung gemäß der damaligen Friedensrhetorik des Regimes als legitimen Akt zur Wiederherstellung internationaler „Gleichberechtigung“ dargestellt, wurde im Vorwort der Schriftleitung zum Jahrgang 1937 die düstere Gefahr eines von der Sowjetunion ausgehenden „Weltbolschewismus“ heraufbeschworen – und damit ausgerechnet gegen das Land polemisiert, das während der Weimarer Republik bei der heimlichen Ausbildung von fliegendem Personal der künftigen Luftwaffe lange Jahre Hilfe geleistet hatte. Inzwischen war Deutschland auch militärische Bündnisse mit Italien und Japan eingegangen, doch nach Auffassung der Schriftleitung solle man darüber hinaus nach „einem sinnvollen Zusammenschluss sämtlicher europäischen Kulturstaaten gegen den Bolschewismus unter grundsätzlicher Ausschaltung und Ächtung jedes Kampfes der europäischen Kulturvölker untereinander“ streben. Man begriff die Rolle des zivilen Luftschutzes in der GuL-Schriftleitung nun augenscheinlich nicht mehr länger als rein defensive Schutzmaßnahme, sondern als integrales Instrument militärischer Luftkriegsmaßnahmen in geradezu zwangsläufiger Erwartung von Bombenangriffen, die man von der hochgerüsteten Sowjetunion aus zu erwarten habe. Aus diesem Grund forderte man auch bei aller Anerkennung der inzwischen erreichten Aufbauarbeit ungeduldig die weitere Intensivierung der Luftschutzvorbereitungen. Dabei schreckte man nicht einmal davor zurück, unverhohlen das RLM dafür zu kritisieren, dass von den für 1936 angekündigten Durchführungsverordnungen zum Luftschutzgesetz noch keine einzige erschienen war.[28] Es kann nur darüber spekuliert werden, ob das RLM oder andere Stellen über dieses Vorwort dermaßen verärgert waren, dass der von seinen Weggefährten Paetsch und Hampe als Freund klarer Worte beschriebene Hanslian als mutmaßlicher Urheber dieser Kritik kurz darauf seinen Posten räumen musste.[29] Jedenfalls stand neben Paetsch ab dem folgenden Jahrgang Generalmajor a.D. Friedrich v. Tempelhoff [30] der in „Schriftwaltung“ umbenannten Redaktion vor. Bedingt durch den überraschenden Tod v. Tempelhoffs trat ab April 1942 ein gewisser Oberst Gerhard Selle in die Schriftwaltung ein. Warum die Wahl auf diesen zuvor und auch später in GuL nie hervorgetretenen Offizier gefallen ist, kann nach heutigen Kenntnisstand nicht beantwortet werden.

In den Vorworten zu den Jahrgängen 1939 und 1940 übte sich die Schriftwaltung in auffallender Kürze, beließ es bei knappen Äußerungen über die Richtigkeit der eigenen bislang geleisteten Arbeit und vermied die ausführlichen Zusammenfassungen und Kommentare vergangener Jahre.[31] Zum Jahrgang 1941 gab es noch einmal ein Vorwort, das nicht ohne propagandistische Untertöne auf die ersten größeren Luftkriegsereignisse auf Reichsgebiet sowie die ersten Bewährungsproben für den Luftschutz Bezug nahm. Seit Januar 1941 wurden nun zumeist monatliche Bulletins über „Luftkrieg und Luftschutz“ fester Bestandteil jeder GuL-Ausgabe, bis diese Form der Berichterstattung nach April 1943 wieder eingestellt wurde. Hinsichtlich ihrer Inhalte als auch des Grades ihrer nationalsozialistischen Einfärbung sind diese Bulletins von den verschiedenen Kriegsschauplätzen rund um die Welt unmittelbar mit zeitgenössischen Kriegsberichten in Tageszeitungen vergleichbar, und vermutlich wurden sie auch aus denselben offiziellen Quellen bezogen. Wird über den Luftschutz im Ausland zumindest gelegentlich berichtet, schweigt man sich über die nun immer häufiger notwendigen Kriegseinsätze des deutschen Luftschutzes vollkommen aus. Der Fortgang des Krieges ist lediglich indirekt aus den Themenstellungen diverser Artikel zu entnehmen.

Das üblichen Vorwort zum Jahresanfang blieb die Schriftwaltung seit 1942 schuldig. Im Januarheft 1943 gratulierte man stattdessen an der üblichen Stelle Reichsmarschall Hermann Göring zum 50. Geburtstag mit einer artigen Würdigung, in der mehr seine preußisch-soldatischen Qualitäten und sein Wirken für den Luftschutz als seine Rolle als nationalsozialistischer Politiker herausgestellt wurden.[32] Auch zu Hitlers Geburtstag prangte nun das Doppelportrait des „Führers“ mit Göring auf der Titelseite des Aprilhefts, versehen mit einer Durchhalteparole, die einigen Aufschluss auf die Entwicklung des Bombenkriegs gegen das Reich zulässt.[33] Den wohl stärksten Einbruch regimetreuer Rhetorik in einen GuL-Artikel kann man in dem 1943 erschienenen Beitrag „10 Jahre Luftschutz unter nationalsozialistischer Führung“ feststellen: Nach einer Zusammenfassung der Anfänge des Luftschutzes noch zu Zeiten der Weimarer Republik, die auch die damalige Enttäuschung der Luftschutzbefürworter über das zögernde Engagement offizieller Stellen angesichts der „damals alles beherrschenden antimilitaristischen Tendenzen“ widerspiegelt, werden die nach der nationalsozialistischen Machtübernahme durch das neu gegründete Reichsluftfahrtministerium forcierten organisatorischen und massenpropagandistischen Maßnahmen ohne Einschränkung lobend hervorgehoben. Somit sei „der deutsche Luftschutz im Herbst 1939 in jeder Hinsicht wohlgerüstet in einen uns aufgezwungenen Krieg“ gegangen, und die „Terrorangriffe“ hätten „bei uns in Deutschland erwiesen, was nationalsozialistische Erziehung in Verbindung mit der Gründlichkeit deutscher Organisation und Vorbereitung vermag, wenn sie die Bevölkerung der von den feindlichen Luftangriffen betroffenen Gebiete dazu befähigt, diese oft sehr schweren Angriffe mit unerschütterlicher Standhaftigkeit zu ertragen“.[34]

Während die alliierten Bomberoffensiven 1943/44 einem ersten Höhepunkt zustrebten und den zivilen Luftschutz Schritt für Schritt an seine Leistungsgrenzen führten,[35] fand diese Entwicklung nur sehr bedingt in der Auswahl der Beiträge Widerhall. Stattdessen räumte die Zeitschrift historischen Betrachtungen zum Gas- und Luftschutz der Vorkriegszeit breitesten Raum ein.[36] Erst ab April 1944 erhielten Fachartikel und aktuelle Erfahrungsberichte wie z.B. „Über den Einsatz von Luftschutzabteilungen (mot) zur Schadenbekämpfung nach Terrorangriffen“ [37] wieder angemesseneren Raum. In ihrem letzten Jahrgang 1945 und gleichzeitig im letzten vor Kriegsende noch erschienenen Heft wandten sich Schriftwaltung und Verlag noch einmal mit einem Vorwort zum Jahresanfang an die Leserschaft. Den mit unübersehbarem Zweckoptimismus eingerahmten Ausführungen ist zu entnehmen, dass infolge der Kriegsereignisse ein weiteres Erscheinen der Zeitschrift gefährdet war, da die Arbeitsräume von Schriftwaltung und Verlag gleich zweimal durch Bombentreffer zerstört worden waren. Da dabei auch die umfangreiche Handbibliothek vernichtet worden war, erging der Aufruf zur Spende von Fachbüchern und -zeitschriften.[38]

Die Geschäftsführer des Verlages und Herausgeber von GuL, Dr. August Schrimpff und später Dr. Franz Ebeling (ab 1934 Geschäftsführer,[39] 1940/41 Herausgeber), hielten sich über die Jahre im Hintergrund und sind mit Ausnahme von Schrimpffs Würdigung des Schriftleiters Hanslian zu dessen 50. Geburtstag 1933 [40] nie mit namentlich gekennzeichneten Beiträgen hervorgetreten. Ob und gegebenenfalls welchen Einfluss sie auf die Formulierung der Jahresvorworte der Schriftleitung oder die Zusammenstellung der Beiträge genommen haben, lässt sich heute nicht mehr rekonstruieren. Nach Ebelings Tod 1941 wird in GuL kein Herausgeber mehr genannt. Was die Stellung der Verleger von GuL zum Nationalsozialismus angeht, kann bei Schrimpff und Ebeling von einer grundsätzlich zustimmenden Haltung ausgegangen werden. Wie das Parteiabzeichen auf dem Portrait anlässlich seines 60. Geburtstages 1937 verrät, war Schrimpff zumindest Mitglied der NSDAP.[41] Ebeling war nachweislich augenscheinlich noch einiges engagierter: Vor seinem Einstieg ins Verlagsgeschäft war der studierte Bergingenieur Direktor und später Besitzer eines Bergwerks in Kattowitz, das in demjenigen Teil Oberschlesiens lag, der nach dem Ersten Weltkrieg Polen zugesprochen worden war. Folgt man den in seinem Nachruf gemachten Angaben, zwangen ihn fortwährende Konflikte mit polnischen Stellen, 1934 mit seinen deutschen Mitarbeitern den Betrieb aufzugeben und nach Deutschland zurückzukehren. Schon im Jahr 1931 – also noch während seiner Zeit in Polen –  ist Ebeling der NSDAP und 1933 der SS beigetreten. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland gehörte er zunächst dem persönlichen Stab des Reichsführer SS an und war später im Rang eines Obersturmbannführers [42] beim Stabshauptamt „Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums“ [43] tätig.[44] Welche Funktionen Ebeling im einzelnen in der SS durchlaufen hat und welcher Verantwortungsbereich ihm speziell in dem genannten, für die (nicht selten auch gewaltsame) ethnische Neuordnung Europas verantwortlich zeichnenden Stabshauptamtes zugewiesen worden war, lässt sich aus der einschlägigen Literatur nicht ersehen. Diese Fragen zu Ebelings Vita bedürften daher eingehender Nachforschung in Archiven, lägen aber auch außerhalb der hier zu klärenden Fragestellungen zum Einfluss des Nationalsozialismus auf die Zeitschrift.

Zwar hatte GuL gegen Kriegsende ihr Erscheinen eingestellt, doch deren einstige Gründungsschriftleiter Paetsch und Hanslian sowie weitere Förderer ließen die Zeitschrift 1952 nach Rücksprache mit dem Bundesinnenministerium unter dem Namen „Ziviler Luftschutz“ wiederauferstehen.[45] Man bezog sich im „Vorspruch“ des ersten Hefts ausdrücklich auf die Vorgängerpublikation und führte deren Jahrgangszählung fort.[46] Auch die personellen wie konzeptionellen Kontinuitäten sind nicht zu übersehen. Sogar der inzwischen nach Koblenz umgezogene „Verlag Gasschutz und Luftschutz Dr. Ebeling OHG“ zeichnete erneut für Herstellung und Vertrieb verantwortlich. Angesichts des „Kalten Krieges“ war das Luftschutz-Fachwissen der großenteils schon recht betagten Experten aus den 30er und 40er Jahren wieder sehr gefragt. Insbesondere die von Hanslian und Paetsch 1937 geäußerten Gedanken zu einer gesamteuropäischen Bündnispolitik auf Grundlage eines kompromisslosen Antikommunismus [47] passten erstaunlich bruchlos in die politische Situation der um Westintegration bemühten Bundesrepublik. So hofierte man von offizieller Seite auch viele der früheren Mitarbeiter von GuL mit leitenden Posten und Bundesverdienstkreuzen, während diese sich gegenseitig in Geburtstagsglückwünschen oder Nachrufen bescheinigten, dem Nationalsozialismus immer distanziert gegenübergestanden zu haben oder gar zu dessen Opfern zu zählen.[48] Dabei war es rückblickend offenbar unerheblich, ob die tatsächlich vorgekommenen Entlassungen von Paetsch, Hanslian, Hampe, Knipfer und anderen aus maßgeblichen Positionen wirklich ihre Ursache in deren Gegnerschaft zum Nationalsozialismus hatten oder schlichtweg nur Auswirkungen der ständig schwelenden Machtverteilungskämpfe innerhalb des chronischen Kompetenzenchaos im  zivilen Luftschutzes waren. Ganz gewiss war der zivile Luftschutz im „Dritten Reich“ und somit auch GuL kein Ort, der „einer inneren Emigration als Refugium offenstand, ein nahezu unpolitischer Raum mit der Möglichkeit [...] verantwortungsvollen staatsbürgerlichen Tätigwerdens“, wie noch 1968 ein im damaligen Bundesamt für zivilen Bevölkerungsschutz tätiger Beamte behauptete.[49] Denn obgleich der quantitative Anteil propagandistisch eingefärbter Beiträge in den GuL-Jahrgängen 1933 bis 1945 tatsächlich sehr gering ist, sagt dies keineswegs etwas über eine möglicherweise indifferente oder gar ablehnende Haltung der Autoren gegenüber dem „Dritten Reich“ aus. Selbst wenn man unterstellt, dass nicht alle Luftschutz-Funktionsträger gleichzeitig glühende Anhänger des Nationalsozialismus gewesen sein mögen, hatten diese sich gleichwohl mit einem System arrangiert, das offenkundig bessere Arbeitsmöglichkeiten als die Republik bot und auch mit größerer Wertschätzung aufwartete. So wurde gern die Sachlichkeit des eigenen Tuns [50] zum Schutz der Bevölkerung herausgestellt, während man gleichzeitig unter dem Postulat der Wiedererringung der „Wehrfreiheit“ [51] auf einen neuen Krieg hinarbeitete, der – wie man aus heutiger Perspektive nur schaudernd zur Kenntnis nehmen kann – offenkundig schon vor dem „Dritten Reich“ allgemein als unausweichlich vorausgesetzt worden war.[52] Dieses technokratische Selbstbild, das die eigene Verantwortung auf die eines vermeintlich politisch neutralen, in jeder Gesellschaftsordnung notwendigen Werkzeugs herunterspielte, half den Luftschutz-Funktionsträgern aus dem „Dritten Reich“ analog zu anderen technischen Funktionseliten, in der Nachkriegszeit wieder Fuß zu fassen und sich mit erstaunlich ungebrochenem Selbstbewusstsein den neuen Herausforderungen des damals gerade anbrechenden „Atomzeitalters“ zu stellen. Die Zeitschrift „Gasschutz und Luftschutz“ und ihre Nachfolgerinnen in der frühen Bundesrepublik liefern dafür ein ebenso anschauliches wie mahnendes Beispiel.


Dr. Andreas Linhardt

Geboren 1967 in Braunschweig. Studium der Kunst, Geschichte, Politikwissenschaft und Pädagogik für das Lehramt an Gymnasien an der HBK bzw. TU Braunschweig. Fachgebiete sind Luftkriegsgeschichte mit dem Schwerpunkt Luftschutz / Katastrophenschutz und die Geschichte der Technischen Nothilfe. 2002 Buchveröffentlichung "Feuerwehr im Luftschutz 1926 - 1945 : die Umstrukturierung des öffentlichen Feuerlöschwesens in Deutschland unter Gesichtspunkten des zivilen Luftschutzes".2006 Promotion an der Technischen Universität Braunschweig zum Doktor der Philosophie mit dem Thema "Die Technische Nothilfe in der Weimarer Republik".

www.andreas-linhardt.de



[1] Vgl. hierzu ausführlich Michael Salewski: Zur deutschen Sicherheitspolitik in der Spätzeit der Weimarer Republik. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 22 (1974), S. 121-147.
[2] Zur Gründungsphase des zivilen Luftschutzes vgl. Walter Haag: Reichswehr und Luftschutz 1919-1932. In: Ziviler Luftschutz 22 (1958), S. 98-102 u. 159-165; Andreas Linhardt: Feuerwehr im Luftschutz 1926-1945. Die Umstrukturierung des öffentlichen Feuerlöschwesens in Deutschland unter Gesichtspunkten des zivilen Luftschutzes. Braunschweig 2002, S. 55-64; Bernd Lemke: Luftschutz in Großbritannien und Deutschland 1923 bis 1939 (Militärgeschichtliche Studien 39). München 2005, S. 98-166.

[3] Vgl. GuL-Jahresinhaltsverzeichnisse 1931-1933.

[4] Dr. Rudolf Hanslian (1883-1954), Chemiker und Apotheker, diente im Ersten Weltkrieg als Militärapotheker und Gasspezialist auf Korpsebene. 1919 wurde er Regierungsapotheker und Vorstand des chemischen Untersuchungslaboratoriums der Kaiser-Wilhelm-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen. Nach Gründung der Reichswehr war H. Vorstand des Untersuchungslaboratoriums beim Gruppensanitätsdepot I des Reichsheeres. Sein Wissen um Gaskriegsführung und Gasschutz brachten ihm später über Deutschland hinaus einen ausgezeichneten Ruf in internationalen Gremien (Commission internationale d’experts pour le protection des populations civiles contre la guerre chimique) ein. Unter anderem vertrat H. die Reichsregierung bei Kongressen in Rom und Brüssel. Er tat sich zudem als Verfasser zahlreicher Veröffentlichungen (u.a. das in mehreren überarbeiteten Auflagen erschienene Standardwerk „Der chemische Krieg“) hervor. Vgl. August Schrimpff: Rudolf Hanslian – 50 Jahre. In: GuL 3 (1933), S. 54.

[5] Heinrich Paetsch (1889-1966) diente im Ersten Weltkrieg als Generalstabsoffizier und trat nach dessen Ende in die Führungsebene der preußischen Sicherheitspolizei über. Nachdem er im Innenministerium des größten deutschen Landes am Aufbau der Schutzpolizei mitgewirkt hatte, übernahm er nach einem zweijährigen Intermezzo als Polizeipräsident in Kassel neben seiner Referententätigkeit für die technische Ausrüstung der Polizei sowie für Verkehr ab 1927 den Aufbau und die Leitung des preußischen „Polizeiinstituts für Technik und Verkehr“ in Berlin, aus dem später die „Luftschutz- und Luftpolizeischule“ und nach ihrer Übertragung an das RLM die „Reichsanstalt der Luftwaffe für Luftschutz“ hervorging. Unter seiner Präsidentschaft wurden in diesem Institut ab 1929 die organisatorischen Grundlagen für den zivilen Luftschutz („Allgemeine Ortsanweisung“) geschaffen. Vgl. [Rudolf] Hanslian: Heinrich Paetsch – 65 Jahre. In: Ziviler Luftschutz 18 (1954), S. 54-55; Erich Hampe: Nachruf Heinrich Paetsch. In: Zivilschutz 30 (1966), S. 223-225.

[6] Vgl. Zur Einführung. In: GuL 1 (1931), S. 1-2.

[7] Zur Hamburger Phosgen-Katastrophe und deren Kontext vgl. Andreas Linhardt: Die Technische Nothilfe in der Weimarer Republik. Norderstedt 2006, S. 546-547.

[8] Vgl. Fr.[iedrich] von Tempelhoff (Kürzel in GuL: "5."): Rezension zum General-Register der Jahrgänge 1-30 (1906-1935) der Zeitschrift für das gesamte Schieß- und Sprengstoffwesen mit der Sonderabteilung „Gasschutz“ einschließlich der bisher erschienen Fachliteratur. In: Zeitschrift für das gesamte Schieß- und Sprengstoffwesen 34 (1939), S. 85; desgl. GuL 9 (1939), S. 29-30.

[9] Vgl. August Schrimpff – 60 Jahre. In: GuL 7 (1937), S. 191.

[10] Vgl. z.B. Hans Rumpf: Die Erhaltung alter Festungsbauwerke als Sammelschutzräume [gegen Sprengbombenangriffe, A.L.]. In: GuL 1 (1931), S. 79-80; Hn. [= Rudolf Hanslian]: Rezension zu Hans Rumpf: Brandbomben. Ein Beitrag zum Luftschutzproblem. In: GuL 1 (1931), S. 95.

[11] Zur Einführung. In: GuL 1 (1931), S. 1-2.

[12] Hans Menzel (1887-1958), Jurist und Verwaltungsbeamter (SPD), 1929-1932 Ministerialdirektor im Reichsinnenministerium und Leiter der Verfassungsabteilung. In: http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Menzel [2009].

[13] Vgl. Präsident Paetsch: Luftschutz-Prestigefragen. In: GuL 2 (1932), S. 1-4.

[14] Dr.-Ing. E.h. Kurt Knipfer (1892-1969): Nach einer militärischen Laufbahn in der Fliegertruppe während des Ersten Weltkrieg war K. seit 1919 in wechselnden Stellungen als Ministerialbeamter in preußischen Ministerien tätig gewesen. Seit Mai 1933 war er Leiter der Abteilung für zivilen Luftschutz im RLM und später als einziger Zivilist Chef der Luftwaffeninspektion 13. Im November 1944 wurde K. seines Postens enthoben. Vgl. Degeners Wer ist´s? X. Ausg. Berlin 1935, S. 838; Erich Hampe: Der Zivile Luftschutz im Zweiten Weltkrieg. Frankfurt am Main 1963, S. 50 u. 253; Nachruf Kurt Knipfer. In: Zivilschutz 33 (1969), S. 299-300.

[15] Vgl. Dr.-Ing. Kurt Knipfer: Der Weg zum Reichsluftschutzbund. In: GuL 3 (1933), S. 137.

[16] Vgl. Dr. jur. Helmut v. Frankenberg: Das Recht auf Luftschutz. In: GuL 3 (1933), S. 251-253.

[17] Vgl. K. Sckerl: Deutschland vor einer Revolution der Bauwirtschaft. In: GuL 3 (1933), S. 256-260.

[18] Vgl. Zum 4. Jahrgange von „Gasschutz und Luftschutz“. In: GuL 4 (1934), S. 1-2; in ähnlichem Sinne vgl. Vorwort der Schriftleitung zum Sonderheft „Werkluftschutz“. In: GuL 4 (1934), S. 29-30.

[19] Nachwort der Schriftleitung zu: Dr. [Christian] Kerstiens: Die Neuregelung des Feuerlöschwesens in Preußen und der Luftschutz. In: GuL 4 (1934), S 87-89, hier: S. 89.

[20] Vgl. Zum 6. Jahrgang von „Gasschutz und Luftschutz“. In: GuL 6 (1936), S. 1-4.

[21] Vgl. Erdmann: Die erste Gefechtsübung der Luftwaffe. In: GuL 5 (1935), S. 277-280.

[22] Vgl. Zum 5. Jahrgange von „Gasschutz und Luftschutz“. In: GuL 5 (1935), S. 1-2.

[23] Vgl. Das Deutsche Luftschutzgesetz. In: GuL 5 (1935), S. 169-170, u. Dr. Kurt Knipfer: Zum neuen Luftschutzgesetz. In: GuL 5 (1935), S. 170-172.

[24] Giulio Douhet: Luftherrschaft, dt. von Roland E. Strunk, Berlin 1935 (Anm.: Die italienische Originalausgabe „Il dominio dell' aria“ erschien vor Douhets Tod 1930, genaues Jahr unbekannt).

[25] Vgl. neben den Vorworten zu den Jahrgängen 1936 und 1937 z.B. Georg Hermann: Douhetismus und Völkerrecht. In: GuL 6 (1936), S. 35-36. Siehe auch unter dem Stichwort „Douhet“ in den Namensregistern ab Jahrgang 1933.

[26] Vgl. Hermann Göring. Über die Aufgaben des deutschen Luftschutzes. In: GuL 6 (1936), S. 5-9.

[27] Vgl. Zum 6. Jahrgang von „Gasschutz und Luftschutz“. In: GuL 6 (1936), S. 1-4.

[28] Vgl. Zum 7. Jahrgang von „Gasschutz und Luftschutz“. In: GuL 7 (1937), S. 1-5; tatsächlich wurde der Erlass der I. Durchführungsverordnung – wie schon zuvor des Luftschutzgesetzes – durch langwierige kontroverse Diskussionen zwischen RLM und Reichsfinanzministerium, Hauptamt Ordnungspolizei, den Gemeinden und anderen in die Luftschutzorganisation einzubindenden Instanzen stark verzögert, vgl. Lemke 2005, S. 271 ff.

[29] Vgl. Heinrich Paetsch: In memoriam Dr. Rudolf Hanslian. In: Ziviler Luftschutz 18 (1954), S. 166-168, hier: S. 166: „Hanslian hat dem Nationalsozialismus niemals eine Chance gegeben. Er stand ihm völlig ablehnend gegenüber, hat aus dieser Auffassung nie einen Hehl gemacht und mußte seine Standhaftigkeit mit dem Verlust seines Schriftleiter-Postens büßen und schwere Diskriminierungen hinnehmen.“

[30] Friedrich v. Tempelhoff (1878-1941) diente während des Ersten Weltkriegs als Generalstabsoffizier in verschiedenen Verwendungen. Danach wurde er in das 100.000-Mann-Reichsheer übernommen und bekleidete bis zum Ende seiner aktiven Dienstzeit 1930 Kommandos in Ausbildungs- und Feldeinheiten der Artillerie. T.s Spezialgebiet waren neben dem militärischen Gasschutz der Einsatz künstlichen Nebels zu Tarnungszwecken; auf diesem Gebiet war er nicht nur weiterhin beratend für die Reichswehr und Fachvereinigungen tätig, sondern machte sich auch als Autor einen Namen. So war er seit Oktober 1937 in der Schriftleitung von GuL für den militärischen Gasschutz zuständig und parallel auch in der „Zeitschrift für das gesamte Schieß- und Sprengstoffwesen“ häufiger mit Beiträgen vertreten. Mit Kriegsbeginn 1939 wurde T. als Inspekteur der Nebeltruppen im Oberkommando der Wehrmacht reaktiviert. Er starb an den Folgen einer Krankheit, die er sich auf einer Inspektionsreise zugezogen hatte. Vgl. General von Tempelhoff verstorben. In: GuL 12 (1942), S. 1.

[31] Vgl. Zum 9. Jahrgang von „Gasschutz und Luftschutz“. In: GuL 9 (1939), S. 1; Zum 10. Jahrgang von „Gasschutz und Luftschutz“. In: GuL 10 (1940), S. 1.

[32] Zum 50. Geburtstag des Reichsmarschalls. In: GuL 13 (1943), S. 1-2.

[33] Vgl. GuL 13 (1943), S. 59.

[34] Vgl. 10 Jahre Luftschutz unter nationalsozialistischer Führung. In: GuL 13 (1943), S. 17-19.

[35] Vgl. hierzu z.B. die Überblicksdarstellung in Hampe 1963, S. 124 ff.

[36] Aus dem Nachlass des verstorbenen Ehrenpräsidenten des Reichsluftschutzbundes, General der Flakartillerie a.D. Hugo Grimme (1872-1943), wurde seit November 1943 als Serie „Der Luftschutz nach dem Weltkrieg bis zur Bestellung des Reichskommissars der Luftfahrt (1933)“ publiziert, bis die Schriftwaltung im April 1944 schließlich mitteilte, dass man den Abdruck angesichts dringlicherer Artikel einstweilen unterbrochen habe. Vgl. GuL 14 (1944), S. 59.

[37] Vgl. Über den Einsatz von Luftschutzabteilungen (mot) zur Schadenbekämpfung nach Terrorangriffen. In: GuL 14 (1944), S. 54-59.

[38] Vgl. Zum 15. Jahrgang von „Gasschutz und Luftschutz“. In: GuL 15 (1945), S. 2.

[39] Vgl. GuL 4 (1934), S. 190.

[40] Dr. August Schrimpff: Rudolf Hanslian – 50 Jahre. In: GuL 3 (1933), S. 54.

[41] Vgl. August Schrimpff – 60 Jahre. In: GuL 7 (1937), S. 191.

[42] Entsprechender Rang in der Wehrmacht: Oberstleutnant.

[43] Vgl. hierzu kurgefasst Peter Widmann: Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums. In: Wolfgang Benz u.a. (Hg. ): Enzyklopädie des Nationalsozialismus. München 3. Aufl. 1998, S. 677.

[44] Vgl. Dr. Franz Ebeling verstorben. In: GuL 11 (1941), S. 227.

[45] Vgl. Erich Hampe: Nachruf Heinrich Paetsch. In: Zivilschutz 30 (1966), S. 223-225.

[46] Vgl. Rudolf Hanslian / Heinrich Paetsch: Vorspruch [zur Begründung der Zeitschrift „Ziviler Luftschutz“]. In: Ziviler Luftschutz 16 (1952), S. 2.

[47] Zum 7. Jahrgang von Gasschutz und Luftschutz. In: GuL 7 (1937), S. 1-5, hier: S. 2: „Die Erkenntnis, die bei der ernsthaften Beschäftigung mit diesem Problem [der sowjetischen Rüstung] aufsteigt, daß es gerade für die räumlich kleinen Staaten ungeheuer schwierig ist, einen wirkungsvollen Luftschutz aufzubauen, führt zur Annäherung an andere Staaten, einmal in der Absicht, Bundesgenossen zu finden, zum andern aber auch in dem ethischen Bestreben nach einem sinnvollen Zusammenschluß sämtlicher europäischen Kulturstaaten gegen den Bolschewismus unter grundsätzlicher Ausschaltung und Ächtung jedes Kampfes der europäischen Kulturvölker untereinander.“

[48] So z.B. Hampe in Zivilschutz 30 (1966), S. 224: „Die Machtergreifung durch den Nationalsozialismus brachte für Heinrich Paetsch, wie später auch für mich, ein vorläufiges Ende auf diesem Arbeitsgebiet [des Gas- und Luftschutzes, A.L.]. Die Gewalthaber mochten uns nicht – und wir sie auch nicht. Sehr bald wurde Heinrich Paetsch aus seiner Stellung [als Präsident des Polizeiinstituts für Technik und Verkehr, A.L.] mit sofortiger Wirkung entlassen und zweimal von der Gestapo inhaftiert.“

[49] Dr. Hans Sarholz: 10 Jahre Bundesamt für zivilen Bevölkerungsschutz. In: Zivilschutz 32 (1968), S. 371.

[50] Zu dieser Selbstsicht technischer Berufe vgl. auch Karl-Heinz Ludwig: Technik und Ingenieure im Dritten Reich. 2. Aufl. Düsseldorf 1979, S. 118.

[51] Vgl. Ludwig 1979, S. 156-157.

[52] Zu dieser kollektiven Mentalität in weiten Teilen der bürgerlichen Mittelschichten vgl. Lemke 2005, S. 35 ff.


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