Navigation und Service

Gemeinsames Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern (GMLZ)

Hintergrund

Vor dem Hintergrund der Terroranschläge am 11. September 2001 und der Hochwasserlagen 2002 hatte die Konferenz der deutschen Innenminister und –senatoren (IMK) die ‚Neue Strategie zum Schutz der Bevölkerung in Deutschland‘ beschlossen. Ein Ziel dieser Strategie war es, die Zusammenarbeit von Bund und Ländern bei der Vorbereitung und Bewältigung von national bedeutsamen Gefahren- und Schadenlagen sicherzustellen.

Im Rahmen der „Neuen Strategie“ wurde 2004 das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK)“ aufgestellt. Eine Komponente des BBK wurde bereits am 01.10.2002 ins Leben gerufen – das Gemeinsame Melde- und Lagezentrum (GMLZ).

Der Einsatzraum des GMLZ Der Einsatzraum des GMLZ, GMLZ (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Blick in den Ein­satz­raum Quelle: BBK


Auftrag

Grundlage der Aufgaben des GMLZ ist § 16 ZSKG. Danach hält der Bund Einrichtungen zur Lageerfassung und –bewertung sowie zum Nachweis und zur Vermittlung von Engpassressourcen vor. Diese werden im Rahmen der Amtshilfe auch zur Koordinierung von Hilfsmaßnahmen bereitstellt.

Das GMLZ hat drei zentrale Aufgaben:

Lagemanagement

Eine der Kernaufgaben ist die Erstellung eines stets aktuellen und flächendeckenden Lagebildes über bevölkerungsschutzrelevante Themen im In- und Ausland. Dabei liegt der Schwerpunkt nicht auf der Lagebeobachtung, sondern auf der Bewertung und Analyse von Lageentwicklungen.

Die Ergebnisse der Lageanalysen und –bewertungen fließen in verschiedene Lageprodukte ein. Die Lageprodukte werden zur Verbesserung der Zusammenarbeit und des Informationsaustausches an Bundesländer, Bundesministerien, nationale und internationale Organisationen übersendet.

Das GMLZ hat mit den Ländern vereinbart, dass über großflächige bevölkerungsschutzrelevante Ereignisse und Ereignisse von länderübergreifender oder bundesweiter Bedeutung berichtet wird. Zu diesen Ereignissen zählen unter anderem:

- Schwere Störfälle mit CBRN-Stoffen
- Großbrände und ausgedehnte Flächenbrände
- Naturkatastrophen (z.B. Unwetter, Überschwemmungen, Erdbeben)
- Erhebliche Störungen Kritischer Infrastruktur
- Massenanfall von Verletzten oder Erkrankten

Wird dabei gleichzeitig

- der Katastrophenfall ausgerufen,
- eine Maßnahme des Ressourcenmanagements nach §16 ZSKG ergriffen,
- eine Vielzahl von Personen oder eine erhebliche Fläche von einem Schadenereignis betroffen oder
- ein hohes Medieninteresse ausgelöst,

so berichtet das GMLZ entweder im täglichen Lagebericht oder erstellt anlassbezogene Lagemeldungen.

Neben Lagen im Inland berichtet das GMLZ über Lagen im Ausland, die deutsche Staatsbürger betreffen, internationale Hilfeleistungsersuchen zur Folge haben oder sich auf Deutschland ausbreiten könnten. Darüber hinaus sind auch Lagen im Ausland relevant, die vergleichbar in Deutschland auftreten und für die Partner des GMLZ von Interesse sein können.

Lagevortrag durch einen GMLZ-Mitarbeiter Lagevortrag durch einen GMLZ-Mitarbeiter, GMLZ (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)La­ge­vor­trag bei ei­nem ak­tu­el­len Er­eig­nis durch ei­nen GM­LZ-Mit­ar­bei­ter Quelle: BBK

Ziel ist, alle Partner, wie Bundesländer, Bundesministerien, Hilfsorganisationen, das Technische Hilfswerk (THW), Nachbarstaaten, EU und NATO, sachgerecht und umfassend über relevante Ereignisse im Bevölkerungsschutz frühzeitig zu informieren.

Nationale Anlaufstelle (National-Contact-Point – NCP)

Für rund 20 nationale und internationale Informations- und Warnverfahren ist das GMLZ durch seine 24-stündige Erreichbarkeit zentrale Anlaufstelle für die Bundesrepublik Deutschland. So werden beispielsweise Informationen aus dem radiologischen Schnellinformationssystem der EU-Mitgliedsstaaten an das GMLZ übermittelt. Das GMLZ stellt die Alarmierung der zuständigen Behörden – in diesem Fall das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit – auch außerhalb der regulären Geschäftszeiten sicher. Notwendige Maßnahmen können somit jederzeit der Lage entsprechend ergriffen werden. Gleichzeitig vervollständigen solche Meldungen das eigene Lagebild und ermöglichen es, BBK-intern sehr schnell Maßnahmen zum personellen Aufwuchs zu ergreifen.

Ressourcenmanagement

Beispielhafte Darstellung der Kernprozesse GMLZ Beispielhafte Darstellung der Kernprozesse GMLZ, GMLZ - Kernprozesse (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Bei­spiel­haf­te Dar­stel­lung der Kern­pro­zes­se GM­LZ Quelle: BBK

Ressourcenmanagement umfasst das Vermitteln von Engpassressourcen. So wurden durch das GMLZ beim Elbe- und Donauhochwasser 2013 auf Anforderung der betroffenen Bundesländer insgesamt 1,25 Mio. Sandsäcke aus den europäischen Nachbarländern vermittelt.

Das GMLZ steht außerdem im engen Austausch mit Bevölkerungsschutzlagezentren anderer EU-Staaten und der EU-Kommission, die mit dem Emergency Response Coordination Centre (ERCC) ein eigenes Lagezentrum in Brüssel betreibt. Im sogenannten Unionsverfahren unterstützen sich EU-Mitgliedsstaaten gegenseitig. Des Weiteren koordinieren sie ihre weltweite Katastrophenhilfe. Für die Bundesrepublik Deutschland wird die Koordination, zum Beispiel das Entsenden von Einheiten, Hilfsgütern oder Experten, zentral durch das GMLZ gesteuert.


Aufbauorganisation

Das GMLZ ist rund um die Uhr durch Personal des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe besetzt. Ergänzt wird das Personal durch eine Verbindungsperson des Technischen Hilfswerkes und einen Vertreter der Bundesländer. Bei Bedarf unterstützen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus anderen BBK Abteilungen und Referaten das GMLZ als Verstärkungskräfte.

Räumliche Aufteilung

Am Standort Bonn stehen dem GMLZ der Einsatzraum sowie weitere Räumlichkeiten zur Verfügung, die im Bedarfsfall besetzt werden können:

Zentraler Informations- und Nachrichteneingang (ZIN)

Um bei großen Lagen die Arbeitsfähigkeit im Einsatzraum sicherzustellen, wurde mit dem Umbau des GMLZ 2016 der Zentrale Informations- und Nachrichteneingang (ZIN) geschaffen. Ziel ist, alle eingehenden Telefonate und Nachrichten direkt an die zuständigen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Bereichen Lageführung, Ressourcenmanagement und Tagesgeschäft weiterzuleiten.

Analyseraum

Für die Erarbeitung von Analysen und Prognosen wurde der Analyseraum geschaffen, in dem die mögliche Lageentwicklung und deren Bedeutung für den Bevölkerungsschutz mit internen und externen Experten besprochen werden kann.

Verbindungspersonenraum

Für Verbindungspersonen zu anderen Behörden und Organisationen steht ein gesonderter Arbeitsraum mit PC- und Büroausstattung zur Verfügung.

Ausweichsitz

Sollte eine Evakuierung des GMLZ erforderlich sein, so steht in der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) in Bad Neuenahr / Ahrweiler ein Ausweichsitz bereit.


Technische Ausstattung

Im GMLZ wird mehrfach redundante Kommunikationstechnik wie Telefon, Telefax, Kryptofax, Satellitentelefon und Internetanbindung, sowie Anbindung ans TESTA- und IVBB-Netz vorgehalten.

Kernelement des Einsatzraumes ist die Medientechnik. Hierzu gehört unter anderem eine Videowand. Sie besteht aus zwölf 55-Zoll-Monitoren und vier weiteren Monitoren zur laufenden Beobachtung von nationalen und internationalen Nachrichtensendern.

Ein GMLZ-Mitarbeiter steuert die Multimediawand mittels Touch Panel Ein GMLZ-Mitarbeiter steuert die Multimediawand mittels Touch Panel, GMLZ (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Steue­rung der Mul­ti­me­dia­wand durch Touch Pa­nel Quelle: BBK

Alle Einrichtungen der Lagedarstellung werden über eine zentrale Multimediasteuerung bedient. Sämtliche elektronisch verfügbaren Quellen werden auf allen Ausgabegeräten innerhalb des GMLZ wiedergegeben. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die elektronischen Quellen über eine Multipoint-Videokonferenzanlage außerhalb des Hauses verfügbar zu machen.

Für alle im GMLZ befindlichen Räume stehen Videokonferenzsysteme zur Verfügung. Das GMLZ kann damit Multipoint-Videokonferenzen mit bis zu 30 Teilnehmern sowie Audiokonferenzen mit bis zu 120 Audioteilnehmern aufbauen. Weiterhin besteht die Möglichkeit über ein digitales Aufzeichnungssystem alle Videosignale, die im GMLZ produziert werden, aufzuzeichnen. Ergänzt wird die technische Ausstattung durch einen digitalen Lagetisch, der in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut entwickelt wurde. Das GMLZ mit seiner Anbindung an das Modulare Warnsystem des Bundes (MoWaS) und der internen Anbindung an das THW zählt zu einem der modernsten Lagezentren in Europa.


Diese Seite:

Abonnieren

BBK

© 2005 - 2017 Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe